Trading oder Investment – was passt zu mir? Teil 2: Der Investor

Die Börsen wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer hektischer. Die Ausschläge der Kurse wurden intensiver, Richtungswechsel abrupter – alles geht, parallel mit dem Fortschritt im Bereich der technischen Möglichkeiten, immer schneller. Viele alte Hasen mögen diese Entwicklung nicht, manche ziehen sich deshalb von der Börse zurück. Aber das müssten sie ganz und gar nicht! Denn die Börse wird für einen Anleger immer nur so „hektisch“ sein, wie er das selbst zulässt.

Wer sich von den immer schneller blinkenden Kurstafeln mitreißen lässt, wer das sogar mag und sich über dieses hohe Tempo freut, weil es auch mehr Chancen bringt, der ist der geborene Trader. Aber man kann ebenso gut Geld am Markt verdienen, wenn man dieses gestiegene Tempo ausblendet: Wenn man als Investor agiert!

Der Investor: In der Ruhe liegt die Kraft

Ein Investor beobachtet in aller Ruhe, was sich an den Börsen tut, nimmt Maß und greift zu, ohne zu erwarten, binnen weniger Tage große Gewinne zu erzielen. Er baut darauf, dass er eine günstige Situation erkannt hat, die ihm auf Sicht von einigen Monaten oder Jahren eine starke Rendite bringen wird. Ob die Kurse innerhalb einzelner Tage hektisch auf und ab springen, ist ihm egal, weil es ihm auch egal sein kann – denn das ist keine Zeitebene, die einen langfristigen Investor interessieren würde. Und das spart ihm nicht nur die Zeit, die man aufwenden muss, um permanent auf die Kursmonitore zu blicken. Er behält, wenn er klug und systematisch agiert, auch immer die Ruhe.

Der Investor achtet auf das, was um die Börse herum passiert, er kennt sich mit der Bedeutung der Zinsen und Währungsverschiebungen aus, ist meist politisch interessiert und versiert. Und natürlich sieht er sich Unternehmen genau an. Als Investor möchte man in Bereiche investieren, die wachsen, die mittel- und langfristig eine starke Perspektive haben. Eintagsfliegen oder Bereiche, in denen nur ausgewiesene Fachleute verstehen, was ein Unternehmen macht, sind für ihn nicht relevant.

Das klingt, als müsste man als Investor permanent den Kopf in die Zeitungen halten, Unternehmensbilanzen studieren und zahllose Informationen abrufen. Aber das täuscht. Natürlich muss man sich auf dem Laufenden halten. Aber die Uhren gehen bei einem langfristigen, auch mal auf Jahre ausgerichteten Zeithorizont langsamer. Langsam genug, um imstande zu sein, immer wieder interessante Chancen aufzuspüren und ein breit diversifiziertes Depot zu halten. Eine Anzahl von 20, 30 verschiedenen Aktien und/oder ETFs sind in einem gut bestückten Depot durchaus normal – und auch gut zu überwachen, wenn man besonnen und organisiert vorgeht.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede zwischen Investment und Trading:

Mit welchen Werkzeugen arbeiten Investoren?

Ein versierter Investor rennt zwar nicht hektisch jedem kleinen Kursimpuls hinterer, aber mit der Chart- und Markttechnik kennt er sich dennoch gut aus. Nur nutzt er diese Werkzeuge auf einer langfristigeren Ebene. Denn auch, wenn die mittelfristige Entwicklung der Märkte für ihn entscheidend ist: Nur, wer seine Einstiegs- und Ausstiegspunkte organisiert und strukturiert plant und umsetzt, hat die großen Trends wirklich hinter und nicht gegen sich. Auch Langfrist-Investoren, die auf Dauer Gewinne erzielen, greifen nicht einfach mal „aus dem Bauch heraus“ in ein fallendes Messer. Die „Toolbox“ eines Investors sollte daher folgende Elemente umfassen:

  • Charts auf Tages- oder Wochenbasis, für das „große“ Bild betrachtet ein Investor auch Charts auf Monatsbasis
  • MACD oder andere trendfolgende Indikatoren als „zweite Meinung“ und Signalbestätigung
  • Langfristige gleitende Durchschnitte wie die 200-Tage-Linie
  • Eine umfassende Kenntnis der Nachrichtenlage

Fassen wir das Erwähnte in einer weiteren Tabelle zusammen, die die Unterschiede in der Nutzung von Werkzeugen von Investoren und Tradern hervorhebt:

Sie sehen, auch als Investor sollte man tunlichst planvoll vorgehen. Auch, wenn eine Position wenn möglich jahrelang in Ihrem Depot ruhen soll: Sicher ist an der Börse nichts, man kann durch völlig unvorhersehbare Entwicklungen immer genötigt werden, seine Positionierung zu überdenken und umzubauen. Nur haben Sie als Investor den Vorteil, dass Sie das nicht jeden Tag, jede Stunde oder gar alle 15 Minuten überwachen müssen und ggf. zum Handeln gezwungen werden. Dazu ist Ihr Depot zu breit gefächert und enthält keine Derivate mit hohen Hebeln. Sehen wir uns im Folgenden mal zwei Beispiele an, wie man vorgehen könnte.

Ein Beispiel für eine ausgewogene Investment-Strategie

Als erstes ein Blick auf den auch für Investoren allgegenwärtigen DAX. Wie auch bei diesem Chart der Fall, nutzen mittel- und langfristig orientierte Investoren gerne Charts auf Wochenbasis, um das kurzfristige, für sie nebensächliche Auf und Ab der Trader auszublenden. Der Chart zeigt in blau die wichtige 200-Tage-Linie.

An ihr orientieren sich viele Investoren. Solange der Kurs, ob nun der des DAX oder jedweden anderen Assets, über diesem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Börsentage notiert, kann man dort Long investiert sein. Liegt er darunter, kommt dieses Asset für ein Investment nicht infrage. Was auch bedeutet: Ein Überkreuzen der Linie von unten nach oben ist, wenn es signifikant ausfällt (da wird in der Regel ein Prozent angesetzt, die der Kurs darüber schließen müsste), ein Kaufsignal. Verteidigt der Kurs, wie hier aktuell der Fall, diese Linie, wären Zukäufe möglich.

Dabei ist es aber sinnvoll, auch bei langfristigen Investitionen nicht nur auf ein Pferd zu setzen, das die Signale generiert. Hier im DAX ist zusätzlich der Trendfolgeindikator MACD eingeblendet. Liegt er über seiner roten Signallinie, ist seitens des Indikators ein Aufwärtstrend gegeben. Wer besonnen und behutsam agiert, wartet ab, bis beide Indikationen grünes Licht geben, bevor ein Einstieg erfolgt.

Man muss indes sich keineswegs auf diese beiden möglichen Signalgeber reduzieren. Sie bilden nur eine von vielen möglichen Kombinationen. Da ist man als Investor völlig frei und sollte einfach ausprobieren, was einem am meisten liegt. So ließe sich, wie in unserem folgenden Beispiel der BMW-Aktie der Fall, auch noch die Charttechnik mit einbinden.

In diesem Chart, ebenfalls auf Wochenbasis, sehen wir, dass BMW ein Doppeltief vollendet hat, eine klassische Trendwendeformation. Das ist schon einmal ein gutes Argument, um sich diese Aktie näher anzusehen, vorausgesetzt, man ist von den positiven Perspektiven des Unternehmens überzeugt, denn auch die sind für einen Investor ja entscheidend.

Manch einer mag da bereits zugreifen, weil ihm dieses charttechnisch bullische Signal genügt. Wer aber mehrere Werkzeuge nutzt, würde tendenziell noch abwarten. Denn man erkennt, dass der längerfristige Abwärtstrend zwar nahe, aber noch nicht überwunden ist. Auch die 200-Tage-Linie wurde noch nicht zurückerobert und der MACD steht knapp vor einem Kaufsignal, hat es aber noch nicht generiert. Wer hier die Tools Charttechnik, gleitende Durchschnitte und Markttechnik vereint, wartet also noch, bis alle drei Kriterien positiv werden. Was einem langfristigen Investor nicht schwer fällt, denn Geduld ist eine seiner herausragenden Eigenschaften!

Lesen Sie auch den ersten Teil!

Sind Sie der geborene Investor? Haben Sie die Ruhe weg und zugleich die Geduld, ein breit und vernünftig aufgefächertes Depot reifen zu lassen? Oder ist Ihnen das womöglich zu langweilig, weil Sie es schade finden, die vielen Chancen, die sich innerhalb eines Tages auftun, ungenutzt zu lassen? Sollte Letzteres der Fall sein, sind Sie eher ein Trading-Typ – dann empfehlen wir Ihnen die Lektüre unseres ersten Teils unseres zweiteiligen Artikels: Der Trader.

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Hinweis: Charts mit Trader Workstation erstellt

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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