Tesla Inc. – Jahrhundertaktie oder Crash-Kandidat?

Von Tesla Inc., gerne auch – obwohl nicht ganz zutreffend – Tesla Motors genannt, geht eine unglaubliche Faszination aus. Nicht nur für Anleger. Auch die Produkte des Unternehmens haben eine besondere Strahlkraft. Dass es jemand im Automobilmarkt, der seit Jahrzehnten an die etablierten Hersteller verteilt schien, schafft, sich als Neuling mehr als einen Nischenplatz zu erobern, vielleicht sogar zu den ganz Großen aufzuschließen, erinnert an die Traum-Stories der Garagenfirmen, an Apple oder Microsoft. Und immerhin, Teslas Firmensitz ist da, wo Träume erschaffen werden: In Palo Atlo, im Silicon Valley in Kalifornien.

Tesla – der etwas andere Automobilkonzern

Von Tesla Inc. geht eine Dynamik aus, die die etablierten Autobauer nicht nur zwingt, die Elektrofahrzeuge des Unternehmens als Konkurrenz ernst zu nehmen, sondern sich auch selbst intensiver hinter die Thematik effektiver, bezahlbarer Elektroantriebe zu klemmen, um nicht von den Veränderungen des Automobilmarkts in den kommenden Jahren überrannt zu werden. Tesla könnte jedoch führend bleiben. Tesla könnte, sollte sich der Markt in einigen Jahren nennenswert in Richtung Elektroantrieb verlagern, immense Gewinne erzielen. Der Haken dabei ist nur: Da steht sehr oft „könnte“. Tesla kann zu einer dieser Jahrhundertaktien werden, wie es Apple, Microsoft oder amazon.com wurden. Oder Tesla scheitert grandios.

Immer mit Vollgas, aber von der Meute gejagt

Wäre ein Scheitern denn wirklich möglich? Ja. Aber Elon Musk, der charismatische Chef des Unternehmens, der entgegen der landläufigen Meinung nicht der Gründer von Tesla war, aber schon bald vom Investor zum Leiter des Unternehmens wurde, weiß das. Und er weiß, wie man diese Gefahr in eine Chance umwandeln kann:

Tesla muss Vollgas geben. Denn Tesla wird von der Meute gejagt. Nicht nur von anderen Autobauern, die versuchen, Schritt zu halten. Sondern auch von den Geldgebern und letzten Endes den Aktionären, die dieser Aktie extrem viele Vorschusslorbeeren zugebilligt haben. Sie sehen im folgenden Chart den Kursverlauf der Aktie seit ihrem Börsendebüt. Zuerst tat sich herzlich wenig, weil man davon ausging, dass Tesla ein kleiner Nischenanbieter bleiben wird. Das aber änderte sich 2013, als man bemerkte, wie gut sich das damals einzige Modell S verkaufte.

Tesla - Entwicklung der Aktie seit 2011

Tesla – Entwicklung der Aktie seit 2011

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Die Anleger rochen Blut und stürzten sich auf die Aktie, was dazu führte, dass sich in den letzten dreieinhalb Jahren der Kurs verzehnfacht hat. Eine große Hypothek, denn auch der Aktienmarkt ist eine Quelle zur Kapitalbeschaffung. Versiegt sie, weil die Aktie einbricht, wird es eng. Für diese Hausse der Tesla-Aktie kann Musk zwar nichts. Aber er muss damit leben und kann es bislang auch sehr gut. Denn bis jetzt geht seine Strategie auf:

Tesla muss in einem atemberaubenden Tempo wachsen. Nur dann kann a) die nötige Größe erreicht werden, um von der Konkurrenz nicht mehr untergepflügt zu werden oder sich im Fall eines unerwünschten Übernahmeversuchs zu behaupten und b) die Produktion rentabel werden. Und gelingt dieser Weg, muss er nicht bei mickrigen Gewinnmargen enden, mit denen z.B. Volkswagen zu kämpfen hat. Die Margen könnten so anwachsen, dass der momentane Aktienkurs wie ein Schnäppchen wirkt. Wie gesagt … könnten.

Die Anleger setzen darauf. Sie sehen in Tesla eine zweite amazon.com, was gar nicht so verkehrt ist. Denn Elon Musk hat dieselbe Grundeinstellung wie der nicht weniger charismatische amazon-Chef Jeff Bezos: Wachsen, wachsen, wachsen, bis die Konkurrenz abgehängt ist. Und dann, aber erst dann, wird Geld, das vorher in Expansion und Innovation gesteckt wurde, auch mal unter die Leute gebracht. Und ja, Tesla wächst, hat ebenso wie amazon.com beeindruckende Umsatzzuwächse zu verzeichnen. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Entwicklung von Umsatz und Gewinn (in diesem Fall des Verlustes) seit 2012. Und sie zeigt auch gleich, wo die Gefahr lauert:

Eine clevere Strategie: Erst der Luxus, dann das Jedermann-Auto

Wachstum kostet Geld, extrem viel Geld sogar, wenn es schnell gehen muss. Was bedeutet, dass Tesla darauf bauen muss, dass ihnen nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Finanziers wohlgesonnen bleiben. Da sorgte es für eine immense Beruhigung, dass Elon Musk offenbar mit US-Präsident Trump gut zurechtkommt und letzterer ihn in seinen Wirtschaftsrat berufen hat. Da Trump als erklärter Öko-Gegner gilt und Öl und Kohle wieder in den Vordergrund stellt, war man besorgt, ob das nicht auch die Perspektiven für Elektrofahrzeuge im riesigen US-Markt massiv eintrüben würde. Doch das scheint nicht der Fall zu sein. Das dürfte die Geldgeber beruhigen und ist für Tesla ein Segen.

Elon Musk hat eine Strategie, die ebenso untypisch wirkt wie logisch ist. Zuerst hat er mit dem Modell S einen sportlichen Luxuswagen mit beeindruckender Leistung herausgebracht, der alles war, nur nicht billig. Aber:

Mit dem Geld, das damit verdient wurde, wurde die Entwicklung des SUV Model X finanziert. Und jetzt ist das Modell 3 dran. Das soll ein Wagen für nahezu jedermann werden, mit einem Preis von ca. 35.000 – 40.000 US-Dollar recht günstig für einen elektrobetriebenen Wagen.

Hinzu kommt, dass sich Tesla auch noch auf andere Beine stellt, warum es auch nicht ganz korrekt ist, das Unternehmen als reinen Autobauer anzusehen:

  • Man stellt die Powerwall her, ein auch für Privatleute nutzbares, erschwingliches Energiespeichersystem.
  • Man verdient Geld damit, sogenannte Zero Emission Vehicle Credits (ZEV) zu verkaufen. US-Autobauer haben u.a. in Kaliforniern nachzuweisen, dass sie auch im umweltfreundlichen Bereich produzieren. Dafür erhalten sie diese ZEVs. Aber tun sie es nicht, können sie diese ZEVs von anderen kaufen und sich somit von den Auflagen freikaufen. Und da Tesla ausschließlich Elektrofahrzeuge herstellt, generiert das Unternehmen so viele ZEVs, dass man sie an andere verkaufen kann – was Millionen einbringt
  • Man arbeitet an Autopilot-Systemen, die ggf. auch an andere Hersteller verkauft werden können.

Die Giga-Factories: Das Zünglein an der Waage

Aber Sie sehen in der Tabelle oben, dass der Verlust in 2017 trotzdem massiv anschwellen wird. Wieso? Weil Tesla jetzt immer schneller wachsen will, um die Produktionskosten zu senken. Dazu dienen auch die sogenannten Giga-Factories. In der ersten in Reno geht es vor allem um die Produktion der Batterien. Eine zweite, die in Europa entstehen soll, soll neben den Batterien dann auch die Fahrzeuge für den Europa-Markt herstellen.

Diese Vorgehensweise fußt auf Musks Strategie, vom Großen zum Kleinen vorzugehen, was die Fahrzeuge bzw. deren Verkaufspreise angeht, zugleich aber in der Produktion exponentiell zu expandieren. Denn mit jeder Verdoppelung der Produktionsmenge sinken die Produktionskosten pro Fahrzeug nach Vorab-Berechnungen um 20 Prozent. Kurz: Je mehr gebaut wird, desto billiger wird das Produkt, desto höher wird der Absatz, der wiederum genug Geld bringt, um noch mehr zu bauen und die Preise noch weiter zu senken. Genial – wenn die Geldgeber und die Käufer mitspielen.

Bislang tun sie es – und die Aktionäre auch. Tesla meldete Anfang Mai für das erste Quartal 2017 einen Absatz von 25.000 Fahrzeugen und dürfte damit das eigene Ziel von 50.000 verkauften Fahrzeugen im ersten Halbjahr 2017 gut erreichen. Für 2018 will Elon Musk aber bereits 500.000 Fahrzeuge herstellen. Gelingt das? Es ist möglich, sonst würde Musk diese Zahl nicht in den Raum stellen. Aber:

Die Aktie wird nur von Zuversicht getragen

Diese Giga-Factories sind einerseits das Mittel, in den Bereich der Profitabilität vorzudringen, andererseits eine immense Investition, die Tesla zeitweise von anderen abhängig macht. Das Problem der Anleger ist dabei: Der Kurs der Aktie, die Anfang Mai mit knapp 328 US-Dollar ein neues Rekordhoch markierte, wie der folgende Chart zeigt (Zeitraum 13 Monate auf Tagesbasis), wird nicht von Gewinnen unterfüttert, sondern nur von der Überzeugung, dass Tesla und Elon Musk schaffen werden, was sie vorhaben. Und ja, Tesla kann es schaffen. Aber:

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Tesla – Entwicklung der Aktie seit Mai 2016

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Bei einer derart hoch gelaufenen Aktie, der der Unterbau schwarzer Zahlen fehlt, sollte man sich als Investor aber immer darüber im Klaren sein, dass jeder Schritt nach vorne, gerade, wenn es noch besser vorangeht, als von Telsa selbst gedacht, weitere, kräftige Gewinne nach sich ziehen kann … Enttäuschungen oder ernste Rückschritte, die man niemals ausschließen sollte, aber ebenso heftige Kursverluste. Tesla ist eine Aktie, die risikofreudige Akteure durchaus in ihrem Depot haben können. Aber nur als Beimischung mit kleinem Kapitaleinsatz und auf keinen Fall als Rückgrat der Altersvorsorge!

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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