Snapchat geht an die Börse: Muss man die Aktie haben?

Ein Börsengang (englisch IPO für „Initial Public Offering“) ist immer eine spannende Sache. Man bekommt die Chance, Teilhaber eines Unternehmens zu werden, indem man sich Anteile an der Börse kauft. Kursgewinne locken, Dividenden vielleicht, Mitbestimmung indes eher weniger. Sicher, als Aktionär und Teilhaber hat man in der Regel das Recht, in der Größenordnung seines Anteils Einfluss zu nehmen. Aber das, was ein normaler Anleger an Aktien bei einem solchen Börsengang zeichnen kann, ist zu wenig, um als Anteilseigener mehr zu sein als ein Sandkorn in einer Düne.

Nein, was reizt, ist der Gewinn, die Erwartung, dass die Aktie, die man sich da direkt im Zuge der Zeichnungsfrist oder aber sofort bei der ersten Notiz an der Börse beschafft, ordentlich zulegt. Wenn man da z.B. an Apple denkt … wer da am ersten Handelstag im September 1984 zugegriffen hatte (Schlusskurs damals zurückgerechnet und um Aktiensplits bereinigt: 0,47 US-Dollar) hätte sein Kapital in den gut 30 Jahren sehr profitabel angelegt – die Aktie kostet heute mehr als das 270fache. Der Chart zeigt die „Karriere“ dieser außergewöhnlichen Aktie seit dem ersten Handelstag auf Monatsbasis:

Aber nicht alle Neuemissionen, d.h. neu an der Börse notierte Aktien, werden Kursraketen. Eines von nicht wenigen Beispielen, bei denen sich die Anleger die Finger verbrannten, ist der Online-Messagedienst Twitter. Der folgende Chart zeigt, was passierte: Twitter ging Ende 2013 an die Börse und beendete seinen ersten Handelstag bei knapp 45 US-Dollar. Danach sauste die Aktie schnell bis auf knapp 75 US-Dollar nach oben, aber noch im Dezember 2013 war der kurze Höhenflug vorbei. Heute notiert das Papier bei kaum über 16 US-Dollar. Welches dieser beiden „Schicksale“ wird Snapchat teilen?

Snapchat kann als „Instant Message-Dienst“ bezeichnet werden und wurde in letzter Zeit bekannt, weil viele jüngere Menschen dieses Message-System WhatsApp vorzuziehen begannen und dort sogar mehr Videos aufrufen als bei Facebook. Snapchat bietet die Möglichkeit, sich eine Art eigenen „Kanal“ zu erstellen, Videos und Fotos in diesem Kanal einzustellen und diese selbst bestimmten Nutzern freizugeben. Dabei löschen sich verschickte bzw. eingestellte Fotos nach einer bestimmten Zeit wieder. Die erste Frage, die man sich beantworten muss, wenn es darum geht, ob man hier als Anleger einsteigen sollte ist somit: Kann sich diese App gegen die etablierten Kommunikationsebenen im Social Media-Bereich durchsetzen? Twitter konnte es nicht.

Es ist Snap Inc., das an die Börse geht

Dazu sollte man wissen, dass Snapchat sich im September 2016 in Snap Inc. umfirmiert hat. Neben der Snapchat-App bietet das Unternehmen bislang auch die Video-Sonnenbrille „Spectacles“ an, mit der man mit nur einem Knopfdruck kurze Videos aufnehmen und unmittelbar mit der App synchronisieren und freigeben kann. Und man sollte wissen, womit Snap bis jetzt Geld verdient … und dass „Geld verdienen“ vielleicht nicht die richtige Formulierung ist.

Mit der bis jetzt schnell steigenden Nutzerzahl (ca. 160 Millionen tägliche Nutzer werden genannt) wird direkt nichts verdient, denn die App ist kostenlos. Die Umsätze kommen aus der Werbung. Der Umsatz 2016 lag etwa bei 405 Millionen US-Dollar, 2015 waren es erst knapp 60 Millionen gewesen. Gewinn? Nein, Gewinn wird damit nicht erzielt, Snap Inc. verbrennt momentan noch kräftig Geld. Der Verlust lag 2016 höher als der Umsatz.

Das kann sich natürlich ändern, wenn zum einen die Zahl der Nutzer weiter kräftig zulegt und zum anderen die Webeeinnahmen steigen. Eine Milliarde US-Dollar will man da 2017 erreichen. Aber:

Es gibt auch Zweifler, die darauf hinweisen, dass die Zahl der Nutzer im vierten Quartal 2016 mit knapp 160 Millionen zwar 48 Prozent höher liegt als im vierten Quartal 2015, aber nur drei Prozent über dem Niveau des dritten Quartals 2016, sprich des Vorquartals. Aber:

Zum einen konzentriert sich der Nutzerkreis bislang auf die 18 bis 34jährigen, zum anderen verteilen sich die Nutzer nicht gerade gleichmäßig über die wichtigsten Länder. Wird das im Zuge des Börsengangs eingenommene Geld geschickt eingesetzt, werden auch die Werbeeinahmen steigen. Aber das ist eben eine Glaubensfrage, die jeder potenzielle Anleger für sich selbst beantworten muss. Garantien, dass das klappt, kann es nicht geben.

Einige Eckpunkte

Wie steht es denn um die Frage, ob der Börsengang für den Anleger günstige Einstiegskurse bieten könnte? Das ist eben nicht im Voraus absehbar.

Erstens, weil dieser für März geplante Börsengang zwar bedeutet, dass Anleger für etwa drei Milliarden US-Dollar Aktien zeichnen dürfen, man aber davon ausgehen muss, dass da viele nicht zum Zuge kommen werden, weil die Emission überzeichnet sein wird und deutsche Anleger dann erst recht nur mäßige Chancen haben werden.

Also müsste man zusehen, dass man Snap-Aktien zu Beginn ihres Börsenhandels bekäme, wo sie dann aber wohl zunächst über der aktuell angepeilten Emissionsspanne zwischen 14 und 16 US-Dollar kosten würden.

Zweitens, weil Snap eben erst mit den eingenommenen Milliarden (es würden ca. drei Milliarden, wenn Snap bei der Emission bei 16 Dollar liegen würde) Gas geben müsste, um den Umsatz zu steigern und in die Gewinnzone zu kommen. So ließe sich nur festhalten: Bei einem Ausgabepreis um 16 US-Dollar würde das Unternehmen mit knapp 22 Milliarden US-Dollar bewertet. Eine horrende Summe. Da bewegt man sich dann in Regionen von Unternehmen wie Beiersdorf oder Henkel, nur, dass die eine ganz andere Substanz zu bieten haben.

Kurz zusammengefasst das, was man bislang weiß bzw. anpeilt:

  • Termin des Börsengangs: März 2017
  • Ausgabepreis zwischen 14 und 16 US-Dollar
  • Emissionsvolumen ca. 3 Milliarden USD
  • Bewertung des Unternehmens danach etwa 22 Milliarden US-Dollar
  • Umsatz 2016: ca. 405 Millionen US-Dollar
  • Gewinn 2016: keiner, es wurde ein Verlust von knapp 515 Millionen USD gemeldet

Geld geben ja, mitreden nein!

Was nicht Wenigen unangenehm aufstößt sind zwei Punkte:

Zum einen war ursprünglich einmal ein höherer Ausgabepreis der Aktien angepeilt worden. Man hatte eine Börsenbewertung von 25 bis 35 Milliarden US-Dollar gesehen, mit dem jetzt angestrebten Ausgabepreis zwischen 14 und 16 US-Dollar läge man mit 22 Milliarden unter dem unteren Ende der Spanne. Warum? Könnte man seitens des Unternehmens klar fixieren, was es wert ist bzw. wert sein sollte, könnte man einen Preis ansetzen und klar sagen: „Take it or leave it!“

Zum anderen sind die neu auszugebenen Aktien stimmrechtlos. Die Neuaktionäre dürfen also ihr Kapital geben, aber nicht mitreden. Die beiden Gründer Spiegel und Murphy behalten die volle Kontrolle. Denn es wird Aktien der Kategorien A, B und C geben. C ist das, was an stimmrechtlosen Aktien neu ausgegeben wird. B-Aktien erhalten die bisherigen Anteilseigner, diese Aktien haben je eine Stimme. Die A-Aktien jedoch sind ausschließlich für Spiegel und Murphy und haben pro Aktie zehn Stimmen!

Fazit:

Snap bzw. Snapchat kann sich als eine bemerkenswerte Chance entpuppen, aber es ist nicht einschätzbar, ob es wirklich dazu kommt. Niemand könnte heute abschätzen, ob Snap als Aktie eine Apple- oder eine Twitter-Karriere machen wird. Da nicht zu erwarten ist, dass man als deutscher Anleger bei der Zeichnung eine Chance hat, muss man an der Börse einsteigen, nachdem die Emission vorüber ist. Das Problem dabei:

Würde diese Aktie dann weit über dem Ausgabepreis notieren, wäre das zwar ein Zeichen immenser Nachfrage. Aber dann würden die Aktie und damit die Bewertung des Unternehmens eben noch höher liegen als das ohnehin schon der Fall wäre. Da dann hinterherzulaufen, wäre riskant.

Würde die Aktie indes an der Börse gleich unter Druck geraten oder müde um den Ausgabepreis herumdümpeln, wäre das zwar eine Chance, zu einem Kurs einzusteigen, als wäre man bei der Zeichnung der Aktie dabei gewesen. Aber es wäre auch ein Indiz dafür, dass die Anleger die Sache skeptisch sehen.

Also, was tun? Dass Snap Aktien ohne Stimmrechte ausgibt und sich beim Ausgabepreis nachgiebig zeigt, sollte man im Hinterkopf behalten. Agieren die beiden Köpfe des Unternehmens weiterhin geschickt, kann Snap eine Erfolgsstory werden, aber das ist eben nicht zu garantieren. Somit meinen wir:

Wenn die Aktie im ersten Handel anzieht, aber nicht mehr als 20 Prozent über dem Emissionspreis liegt, könnten wirklich risikofreudige Anleger, die sich auch der Risiken bei Snap gewärtig sind, versuchen, eine kleine Position als Beimischung zu einem gut gestreuten Depot einzusammeln. Aber geht der Kurs extrem durch die Decke oder rutscht im Gegenteil unter den Emissionspreis, ist Vorsicht angesagt: Dann wäre es auch für risikobereite Trader dringend geraten, erst einmal zu schauen, wie sich Snap in den ersten Wochen an der Börse schlägt!

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Offenlegung gemäß § 34b WpHG zwecks möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den im Artikel erwähnten bzw. als Beispiele gezeigten Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.

Hinweis: Charts mit MarketMaker pp erstellt

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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