Schreckgespenst Zinswende: Was ist da dran?

Wie beeinflussen Zinsen die Aktienmärkte und Anleihemärkte?

Volkswirte geben Alarm: Die Gefahrenschwelle bei den Anleiherenditen ist erreicht. Der Zinsanstieg kann, so hört man in den Medien, die Hausse der Aktien stoppen, womöglich sogar zu einer Trendwende nach unten führen. Manch einer munkelt hinter vorgehaltener Hand sogar von Crashgefahr. Stimmt das? Brennt jetzt am Anleihemarkt etwas an, das Aktionären gefährlich wird? Wir schauen genauer hin.

Grundsätzlich klingt es logisch, wenn man unterstellt, dass Anleihen umso mehr eine Konkurrenz für Aktien darstellen, je höher deren Verzinsung, sprich ihre Rendite ist. Aber das Wort „grundsätzlich“ muss man dabei dick und rot unterstreichen, denn ganz so simpel ist die Sache nicht: Diese Sache mit den steigenden Zinsen hat einen Haken. Und der findet sich nicht bei den Akteuren am Aktienmarkt, sondern bei denen, die in Anleihen investieren. Aber fangen wir „vorne“ an:

Worauf basiert diese Gefahrenschwelle?

Richtig ist, dass die Verzinsung für US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit an den Level von 2,6 Prozent herangelaufen ist. Dieses Niveau wird als gefährlich bezeichnet. Andere sprechen von einer Warnschwelle bei 3,0 Prozent Rendite. Wieso? Der Chart zeigt es:

Hier handelt es sich eigentlich nur um charttechnische Marken, die mit der Entwicklung des US-Wachstums, der Inflation, der Notenbankpolitik oder anderen normalerweise für das Zinsniveau ausschlaggebenden Aspekten nichts zu tun haben. Diese Warnungen basieren nur auf der Annahme, dass diese Anleiherenditen weiter steigen, wenn diese charttechnischen Hürden überboten würden und es dann gefährlich für den Aktienmarkt würde. Vorab: Gilt das auch für Deutschland?

Hier haben wir zwar auch steigende Renditen. Und auch hier, bei den Renditen für zehnjährige Bundesanleihen, nähern wir uns einer markanten Hürde. Würde die derzeit bei 0,53 Prozent liegende Rendite über 0,58 Prozent steigen, wäre das der höchste Level seit zwei Jahren. Aber zum einen ist das weitaus weniger, als man aktuell bei US-Anleihen bekäme. Zum anderen droht in der Eurozone noch keine Zinswende, denn solange die EZB die Leitzinsen nicht erhöht, können die Renditen am Anleihemarkt zwar steigen, aber wirklich „von der Leine“ würden sie nicht gehen. Aber in den USA?

Die Stop-Loss Order: Verluste richtig begrenzen

Die Stop-Verkaufsorder hilft Ihnen dabei, Gewinne abzusichern oder Verluste zu begrenzen. Mit dem Stop-Preis geben Sie eine Kursschwelle für den Verkauf Ihrer Position an. Sinkt der Aktienkurs auf den Stop-Preis, wird automatisch eine Market-Order übermittelt und Ihre Position zum nächsten ausführbaren Kurs glattgestellt.

Steigende Leitzinsen: normalerweise kein Problem für den Aktienmarkt!

Da steigen die Leitzinsen in der Tat. Und man rechnet damit, dass die derzeit bei 1,50 Prozent liegende Fed Funds Rate in diesem Jahr noch auf etwa 2,25 Prozent steigen wird. Damit könnten auch die Renditen am Anleihemarkt steigen. Aber ist das wirklich ein Problem?

Nicht unbedingt. Der folgende Chart zeigt nicht nur die Entwicklung der US-Leitzinsen seit 1991, sondern auch die des Dow Jones. Am Dow Jones-Chart grün markiert sind die Phasen, in denen die US-Notenbank die Leitzinsen in nennenswertem Umfang angehoben hat. Sie sehen: Das hat den Dow Jones nicht in eine Trendwende nach unten gedrückt. Und das ist auch nachvollziehbar, denn:

Es ist zwar grundsätzlich richtig, dass die Zinsen bei Anleihen mit den Gewinnchancen des Aktienmarkts konkurrieren, wobei dort auch die Dividendenrendite der Aktien als „Rendite“ des Aktienmarkts zählt. So gesehen könnte man ja in der Tat pauschal sagen: Je höher der Zins, desto schwieriger wird es für den Aktienmarkt, weil die Anleger in Richtung Anleihen abwandern. Aber der folgende Chart zeigt, wieso diese Überlegung einen Haken hat:

Hier sehen wir die Kursentwicklung zehnjähriger US-Staatsanleihen anhand des US-Anleihe-Futures. Und Sie sehen: Die Kurse fallen! Das tun sie, weil steigende Renditen bei Anleihen bedingen, dass sich die bereits umlaufenden Anleihen dem aktuellen Zinsniveau anpassen. Was sie, da der Zins (der Kupon), der den jeweiligen Anleihen anhaftet, ja fixiert ist, nur können, indem ihr Kurs niedriger wird. Beispiel:

Eine Anleihe mit einem Zinskupon von 2,0 Prozent wird mit einem Kurs von 100 US-Dollar ausgegeben. 2,0 Prozent Zins heißt: Jedes Jahr gibt es für einen 100 Dollar-Anteil zwei US-Dollar Zinsen. Steigt der allgemeine Zins für Anleihen dieser Laufzeit auf 2,5 Prozent, würde der Kurs der Anleihe auf 80 US-Dollar fallen. Dann würde auch diese Anleihe, wenn man sie an der Börse kauft, 2,5 Prozent Rendite abwerfen: 2 US-Dollar Zins ./. 80 US-Dollar Kurs = 2,5 Prozent Rendite. Also:

Steigen die Zinsen, fallen die Kurse umlaufender Anleihen. Würde man also heute eine US-Anleihe kaufen und die Renditen am Anleihemarkt würden weiter steigen, würde man Kursverluste mit dieser Anleihe erleiden – der vorstehende Chart der recht deutlich fallenden Kurse für zehnjährige US-Bonds macht das deutlich. Und auch diese folgende Abbildung zeigt, dass steigende Anleiherenditen normalerweise keine Basis für kippende Aktien sind:

Kräftig steigende Renditen bei US-Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit konnten dem Dow Jones in den letzten Jahren nichts anhaben. Also wäre man eigentlich schlecht beraten, ausgerechnet jetzt dem Aktienmarkt den Rücken zu kehren und in den Anleihemarkt zu wechseln. Es sei denn, man wäre von vornherein sicher, dass man die Anleihen bis zum Ende dieser zehn Jahre behalten will. Denn dann kann es einem egal sein, ob deren Kurs bis zum Laufzeitende steigt oder fällt, am Ende der Laufzeit gäbe es die 100 US-Dollar, auf die die Anleihe lautete, zurück. Aber wer will sich mit seinen Investments schon zehn Jahre fix binden? Zumal: Wenn die Zinsen weiter steigen, wäre es ja viel klüger, erst dann solche Anleihen zu kaufen, wenn man davon ausgehen könnte, dass der Zinsanstieg vorüber ist und man so das vermutliche Maximum an Zinsen erzielt. Und ja, das ist auch so, sehen wir uns das mal an:

Erst, wenn die Leitzinsen wieder fallen, kippen die Aktien!

Der Anleihemarkt wird in der Tat dann zu einer ernsthaften Konkurrenz, wenn die Leitzinsen wieder fallen. Sehen wir uns diesen obenstehenden Chart, der die US-Leitzinsen und den Dow Jones abbildet, dazu noch einmal aus einem anderen Blickwinkel an:

Sie sehen, dass der Aktienmarkt dann ins Rutschen kam, wenn die Leitzinsen wieder fielen! Wieso? Weil die Leitzinsen angehoben werden, weil die Wirtschaft so stark wächst, dass höhere Zinsen die Inflation bremsen müssen. Und sie werden dann wieder gesenkt, wenn die Wirtschaft stimuliert werden muss, indem man so für billigere Kredite und eine bessere Geldversorgung sorgt. Was heißt: Wenn die Leitzinsen gesenkt werden, dann vor allem deshalb, weil es der Wirtschaft schlecht geht, die Unternehmensgewinne sinken. Und dann fällt der Aktienmarkt! Und nicht nur das:

Dann, bei fallenden Leitzinsen, sinkt das Renditeniveau, sprich die Kurse bereits umlaufender Anleihen steigen. Was hieße: Man sichert sich nicht nur einen optimal hohen Zinskupon, wenn man am Leitzinshoch einsteigt, während ihrer Laufzeit erzielen diese Anleihen bei fallenden Leitzinsen auch noch Kursgewinne, so dass man nicht auf die volle Laufzeit fixiert wäre, sondern vorher aussteigen und dabei gute Kursgewinne obendrauf realisieren kann. Also: Ist diese Warnung vor steigenden Zinsen am US-Anleihemarkt nur ein Sturm im Wasserglas?

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Das Risiko liegt bei den kurzen Laufzeiten

Nicht ganz. Grundsätzlich bestünde derzeit wegen der steigenden Zinsen der langlaufenden US-Anleihen keine große Gefahr für Dow Jones & Co. Wobei hier dick unterstrichen werden muss:

Der unterliegt trotzdem Risiken, aber die finden sich in einer problematischen US-Politik und einer ungewöhnlich hohen Bewertung, sprich die US-Aktien sind immens „teuer“. Das kann ihnen viel eher zum Verhängnis werden als eine Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen über 2,6 oder 3,0 Prozent. Aber einen Aspekt sehen wir am Anleihemarkt, der in der Tat ein Problem werden kann, der folgende Chart zeigt es:

Das ist die Rendite für US-Staatsanleihen mit zwei Jahren Laufzeit. Und da geht es rapide nach oben, diese jetzt überbotene Schwelle von zwei Prozent hatten die Zweijährigen zum letzten Mal im Jahr 2008 gesehen! Und ja, das kann problematisch werden. Der Grund:

Ob Investoren am Aktienmarkt einsteigen oder nicht, basiert auf einer Vielzahl von Faktoren. Die werden abgewogen und dann entschieden, ob man mehr Chancen oder mehr Risiken sieht. Derzeit haben wir senkrecht steigende Kurse am Aktienmarkt. Das beeindruckt viele, aber erfahrene Investoren schwant da Böses. Die dürften in der Tat überlegen, ob da ernstlich kurzfristig noch mehr Luft nach oben als nach unten ist und sehen dann: Für 2,6 Prozent Rendite müsste man sich bei US-Bonds zwar zehn Jahre binden. Aber:

Für nur zwei Jahre Bindung, sprich für Anleihen mit zwei Jahren Laufzeit, bekommt man satte 2,0 Prozent Rendite. Und das ist dann sehr wohl eine interessante Alternative. Was man jetzt am Bondmarkt im Auge behalten muss, sind jetzt, außerhalb der normalen Phase, in der Anleger Anleihen favorisieren würden, also die kurzen Laufzeiten von drei und sechs Monaten, einem und zwei Jahren. Wenn die Renditen da weiter zulegen, kann es – zumindest kurzfristig – für die Aktien in der Tat turbulent werden!

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Hinweis: Charts mit MarketMaker pp4 und mit Trader Workstation erstellt

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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