Ölpreis-Prognose 2019

Wie enwickelt sich der Ölpreis? Hoffnungs-Rallye oder Nachfrage-Baisse?

Die Entwicklung der Ölpreise ist heutzutage für viele Investoren eine wichtigere Vorlage für die Richtung des weltweiten Wachstums, als es Konjunkturdaten oder die Trends am Anleihe- und Devisenmarkt sind. Steigt die Rohöl-Nachfrage, brummt der Konjunkturmotor. Jedenfalls wäre das logisch. Nur: Da liegt man oft falsch.

Denn die Rohöl-Kurse gehorchen keineswegs nur der reinen Angebots-/Nachfrage-Entwicklung. Eine Ölpreis-Prognose ist daher immer ein Abwägen zwischen Realität und Projektion, zwischen der echten Nachfrage und der Spekulation. Der Ölmarkt hat es in sich. Und eines ist er für uns Anleger damit nie: langweilig!

Nachfrage-Perspektive: bärisch

Würde es alleine nach der Perspektive von Angebot und Nachfrage gehen, würde die Aufwärtsbewegung des Ölpreises, die seit Ende Dezember den massiven Kursrückgang der wichtigsten Rohölsorten wie Brent Crude oder Western Texas Intermediate abgelöst hat, bald enden. Denn die Indikationen für das weltweite Wachstum weisen seit Mitte 2018 immer steiler abwärts. Im folgenden Chart sehen wir exemplarisch dafür den im ersten Quartal 2019 das vierte Quartal in Folge gefallenen ifo-Index des Weltwirtschaftsklimas. Und diese massive Abkühlung spiegelt sich unmittelbar in einer Verschiebung von Angebot und Nachfrage bei Rohöl wider.

Diese Verschiebung zu Gunsten des Angebots basiert vor allem darauf, dass der Anstieg der Ölpreise bis zum Herbst 2018 dazu geführt hat, dass vor allem die nicht in der OPEC organisierten Förderländer ihre Produktion hochgefahren haben, um die guten Ölpreise „mitzunehmen“. Allen voran die USA.

Dass das Wachstum zugleich schlagartig abkühlt, führte dazu, dass die wöchentlich mittwochs um 16:30 Uhr unserer Zeit veröffentlichten US-Öllagerbestände deutlich gestiegen sind. Seit Ende September gab es, ausgenommen die zwei Wochen um Weihnachten, die nahezu ohne Veränderung blieben, 15 Wochen mit zum Teil sehr markant steigenden Lagerbeständen und nur fünf Wochen, in denen es zu einem Rückgang kam. Das ist ein massiv bärisches Signal, das auch, wie wir im Folgenden, ganz langfristigen Monats-Chart für die Ölpreis-Entwicklung der Ölsorte Brent Crude Oil (für uns in Europa die wichtigste Ölsorte) sehen, zu einem scharfen Rücksetzer im Kurs führte. Aber ließe sich daraus ableiten, dass der Ölpreis 2019 unter dem Strich weiter fallen müsste?

Würde man allein auf Basis der fundamentalen Rahmenbedingungen urteilen können, wäre also die Nachfrage-/Angebots-Entwicklung am „Spotmarkt“, bei den realen Käufen und Verkäufen des schwarzen Goldes, allein entscheidend, könnte man das bejahen. Denn auch, wenn derzeit viele nicht wahrhaben wollen, dass das Wachstum wegbricht und das entweder ignorieren oder unterstellen, dass die USA ihre Handelskonflikte bald beilegen werden und es zu perfekten, allseits das Wachstum fördernden Lösungen kommen wird: Wahrscheinlich ist dieses rosige Szenario nicht, das Gegenteil schon eher.

Und der vorstehende Chart zeigt ja auch: Man könnte nicht behaupten, dass der Ölpreis sanft mit den Phasen von Wachstum und Kontraktion der Weltwirtschaft, die ja nie abrupt und abgehackt, sondern über Jahre hinweg fließend daherkommen, mitlaufen würde. Wieso nicht?

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Der Faktor Spekulation

Weil die Kurse am Rohstoffmarkt nicht allein von der faktischen Nachfrage bestimmt werden, sondern auf kurzfristiger, nicht selten aber sogar auf mittelfristiger Ebene von reiner Spekulation, vom Trading am Terminmarkt. Und da geht es um zwei Aspekte, die der Realität nicht zuwiderlaufen müssen, es aber oft tun: Emotionen und Chart- und Markttechnik. Und diese beiden Elemente setzen sich gerade in Phasen allgemeiner Unsicherheit und zunehmender Nervosität durch. Bevor wir uns dazu den folgenden Chart ansehen, gehen wir noch einmal zurück zum vorherigen Chart, der die Ölpreisentwicklung für die Rohölsorte Brent über die letzten 15 Jahre auf Monatsbasis zeigt.

Sie sehen da 2007/2008 einen gigantischen Anstieg des Ölpreises. War das nicht die Phase der Aktienmarkt-Baisse und der Subprime-Krise? In der Tat. Aber damals kam eine absurde Argumentation auf, die umso schriller und lauter vertreten wurde, je höher der Ölpreis stieg: Man könne, ja müsse, so hieß es, einer gewaltigen Inflationswelle entkommen, indem man in „echte Werte“ investiert, in Rohstoffe wie z.B. Rohöl.

Die Behauptung, dass der Zusammenbruch der Spekulationsblase am Immobilienmarkt mit einer immensen Inflation einhergehen werde, war zwar schon im Ansatz fragwürdig. Aber die Anleger waren derart verunsichert, dass sie dieser Spekulationswelle wie Schafe folgten. Rohöl Brent stieg immer höher, erreichte im Hoch 140 US-Dollar pro Barrel … und brach dann, als klar wurde, dass a) die Hyperinflation nicht kommen wird und b) das Wachstum massiv wegbricht, völlig zusammen. Das ist eine Phase, die man immer im Hinterkopf haben sollte, denn sie belegt eines:

Gerade bei Rohöl, in dem es immens viel Spekulation gibt, können sich die Kurse völlig und auch lang anhaltend von der Realität ablösen. Da mögen sich Politik und Organisationen wie die OPEC bemühen, wie sie wollen: Der Markt ist frei … und die Kurse werden auf kurzfristiger Ebene in erster Linie von den Tradern bestimmt, die keineswegs immer dem Pfad der Vernunft folgen.

Und die OPEC?

Was dazu führt, dass man den Faktor der OPEC, der Organisation der erdölexportierenden Länder, kurz und klein halten kann. Ob die OPEC ihre Fördermengen steigert oder reduziert, hat schon auf die faktische Angebots-/Nachfrage-Situation relativ wenig Einfluss. Die Trader aber lassen sich erst recht nicht beirren. Um eine Prognose aufzustellen, wie sich der Ölpreis 2019 entwickeln könnte, ist es daher müßig, über mögliche Ziele und Maßnahmen der OPEC nachzudenken: Es wird, wenn, dann nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Aktuelle Tendenz der Ölpreis-Entwicklung zum Start 2019: Das Prinzip Hoffnung

Weit entscheidender ist, wie gesagt, der Faktor der Spekulation. Das lässt sich gut im folgenden Chart erkennen, in dem wir die Kursentwicklung von Brent Crude Oil und des Dow Jones übereinandergelegt haben:

Seit Weihnachten haussieren die Aktienmärkte, allen voran die in den USA. Und zeitgleich kam es bei Rohöl zur Aufwärtswende. Wieso? Die Konjunkturdaten werden ja gerade erst seit dem Herbst immer schwächer. Also seit dem Zeitpunkt, an dem der Ölpreis nach der Rallye im Sommer massiv unter Druck geriet und auch der US-Aktienmarkt seinen vorherigen Aufwärtstrend beendete. Dieser Kursanstieg ist also nicht logisch. Aber:

Da kommen eben der Faktor Spekulation und damit die Emotionen ins Spiel. Die Käufer setzen am Aktienmarkt ebenso wie bei Rohöl darauf, dass sich die Abschwächung des Wachstums in Kürze erledigen wird, weil der Handelskrieg zum allseitigen Vorteil beendet wird, die Steuerreform in den USA doch noch positiver wirkt als bisher und der BrExit keine nennenswert negativen Auswirkungen haben wird. Kurz: Man setzt auf ein Wunder. Das ist nicht rational. Aber die Erfahrung lehrt ja: Die Börse ist nun einmal oft irrational. Und daher stehen die Perspektiven des Wachstums und in ihrem Gefolge der Ölnachfrage der bullischen Spekulation gegenüber. Das bedeutet:

Wer eine Prognose darüber abgeben will, ob Rohöl zum Jahresende höher oder tiefer steht als aktuell, muss entscheiden, welche Seite siegt: Die graue Realität oder die rosa eingefärbten Hoffnungen. Und man muss immer im Hinterkopf haben, was wir weiter oben Anhand der irrwitzigen Phase 2007/2008 bereits aufgezeigt hatten: Bisweilen können die Marktteilnehmer sogar völlig unkontrollierte Impulse lostreten und sie stur verfolgen. Also?

Glaskugel vs. Charttechnik: Folgen Sie dem Trend im Ölpreis!

Sie sollten es mit der Ölpreis-Prognose wie mit allen Prognosen halten: Verlassen Sie sich nicht nur darauf, was am wahrscheinlichsten ist. Denn gesetzt den Fall, man könne eine 70 Prozent-Wahrscheinlichkeit dafür ausmachen, dass der Ölpreis Ende 2019 tiefer notiert:

Erstens bleiben schließlich noch 30 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass doch alles ganz anders kommt. Und:

Es könnte in den Monaten bis Dezember mehrere lukrative Trendimpulse in beide Richtungen geben, die man allesamt mitnehmen könnte, wenn man sich nicht vorab auf eine Richtung festlegt. Lösung:

Folgen Sie den Trends, bleiben Sie flexibel, orientieren Sie sich an den charttechnischen Signalen, die der Ölpreis generieren wird. Dazu ein Blick auf die aktuelle Lage:

Sie sehen im vorstehenden Chart auf Wochenbasis, dass Brent Crude Oil nach dem scharfen Abriss des vierten Quartals 2018 eine tadellose Aufwärtswende vollzogen hat. Das mittelfristige Ziel ist der Bereich um 72 US-Dollar. Dort haben wir neben zwei markanten Wendemarken des Jahres 2018 die 200-Tage-Linie als Widerstand. Und ob die Nachfrage und die konjunkturellen Perspektiven es hergeben würden oder nicht: Sollte Brent Crude Oil diese Zone überwinden, wäre der Weg hin zu höheren Ölpreisen erst einmal frei.

Auf der Unterseite ist es der „Leitstrahl“ der Rallye seit Weihnachten, auf den es zu achten gilt. Dazu der nächste Chart, der Brent Crude auf Tagesbasis in einer kürzeren Zeitspanne abbildet:

Ölpreis-Prognose 2019: Kurzfristige Entwicklung des Ölpreises für Brent von Januar 2018 bis Februar 2019 | LYNX Online Broker

Hier sehen wir, dass sich die entscheidenden Unterstützungen derzeit im Bereich 63/64 US-Dollar ballen. Diese Zone sollte nicht unterboten werden. Geschieht das doch, dürfte das „Prinzip Hoffnung“, dem viele Trader derzeit folgen, schnell von einer Rückkehr auf den bärischen Boden der Tatsachen in Form der Rahmenbedingungen abgelöst werden. Kommt es so?

Die Trailing Stop-Order: Gewinne sichern, Verluste begrenzen.

Die Trailing-Stop Verkaufsorder ist eine abgewandelte Stop-Order. Hierbei wird der Stop-Preis in einem festgelegten Folgeabstand (Trailing-Wert) an den Kurs gekoppelt. Wenn dieser Wert steigt und somit der Abstand größer als der Trailing-Wert ist, wird der Stop-Preis nach oben angepasst.

Fazit unserer Ölpreis-Prognose 2019: Der Ölpreis sollte eher fallen, aber …

Es ist gut möglich, aber, weil eben die Spekulation nicht rational ist, nicht sicher. Daher bleibt es dabei: Aus aktueller, nüchterner Betrachtung der Gemengelage heraus ist Brent Crude Oil mit der derzeitigen Rallye mittelfristig in die falsche Richtung unterwegs. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs bis Jahresende fällt, womöglich sogar an oder unter 40 US-Dollar, wäre daher leicht höher als ein Szenario mit Ölpreisen über 80 US-Dollar, bei dem die Spekulation sich länger als üblich gegen die faktische Entwicklung der Rahmenbedingungen stemmt. Aber!

Neben dem Umstand, dass die konjunkturelle Richtung von heute in sechs Monaten eine andere sein kann, könnten massive Veränderungen der Fördermengen oder Ausfälle durch Streiks, Unruhen oder allein technische Aspekte die Rahmenbedingungen erheblich verändern. Daher ist es nicht ratsam, sich stur auf ein Szenario festzulegen. Unser Rat: Behalten Sie den Ölpreis im Auge, denn hier haben wir dynamische und damit potenziell sehr lukrative Impulse … und folgen Sie diesen Trends!

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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