Donald Trump: Vom Rallye-Motor zum Risikofaktor?

Egal, was Donald Trump sagt oder tut, die Investoren verfolgen jeden seiner Schritte. Kein anderes Staatsoberhaupt wird von den Anlegern so intensiv beobachtet wie er. Ob das auf Dauer so bleibt, sei dahingestellt. Aber der Grund, weshalb der US-Präsident eine Art wandelndes Börsenbarometer darstellt, ist für die kommenden Wochen und Monate immer derselbe und immer ein Risiko: er ist unberechenbar.

Unsicherheit gehört zur Börse

Natürlich ist die Zukunft immer ein Problem, weil niemand absehen könnte, was sie bringt. Dass Anleger mit Unsicherheit nicht klarkommen, ist daher ein ebenso gängiger wie unsinniger Spruch. Im Gegenteil: Unsicherheit gehört zur Börse dazu. Aber im Fall des US-Präsidenten erfasst diese Unsicherheit alle relevanten Bereiche: Die Zinsen, den Devisenmarkt, die Konjunktur, die Geopolitik und das soziale Gefüge der USA. Zuviel auf einmal für einige Anleger. Und es stellt sich die Frage, ob es nicht bald auch der Mehrheit der Marktteilnehmer zu viel wird. Noch zeigt der Optimismus nur erste Ermüdungserscheinungen, wie der folgende Kursverlauf des Dow Jones-Index zeigt:

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Trump Rallye – Dow Jones Chartverlauf von Oktober 2016 bis April 2017

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Nach seinem überraschenden Wahlsieg sauste der Index nahezu senkrecht in die Höhe. Und egal, was zwischenzeitig an unangenehmen Nachrichten auf den Tisch kam: Bis Anfang März trösteten sich die Akteure immer wieder damit, dass Donald Trumps Wirtschaftspläne alles, aber auch wirklich alles kompensieren würden. Starkes Wachstum, steigender Wohlstand, kräftig zulegende Unternehmensgewinne: So würde es kommen, das stand für sehr viele Anleger fest. Doch dann begann der vorher in Stein gemeißelt wirkende Optimismus abzubröckeln.

Trumps 100 Tage-Bilanz: ein leeres Blatt?

Mehr und mehr US-Anleger beginnen, in Donald Trump mehr einen Risikofaktor als einen Heilsbringer zu sehen. Denn seine ambitionierten Ankündigungen haben bislang zu reichlich wenigen Fakten geführt. Die jetzt in Kürze anstehende Bilanz seiner ersten 100 Tage im Amt wird düster ausfallen:

Der Einreisestopp ist auch im zweiten Anlauf vorläufig ausgesetzt und Gegenstand einer gerichtlichen Prüfung. Am Mittwoch den 19. April reichten zudem 160 US-Unternehmen, darunter auch große, einflussreiche Firmen wie Google, Facebook und Microsoft, Beschwerde gegen dieses Dekret ein.

Die Gesundheitsreform wurde Ende März zurückgezogen, weil nicht einmal die eigene Partei geschlossen hinter ihm stand. Ob und wann sie wieder zur Abstimmung in den US-Kongress kommt, ist offen.

Die Steuerreform, die die Steuerbelastung für Unternehmen und Bürger deutlich verringern soll, verzögert sich. Zuletzt hieß es nur, man werde dafür länger brauchen als für die Erstellung der Gesundheitsreform-Vorlage.

Kurz: Was seine Wahlversprechen angeht, hat Präsident Trump noch nichts erreicht. Was besonders deswegen auf die Aktienkurse zu drücken beginnt, weil er im Vorfeld seiner Vereidigung vollmundig angekündigt hatte, alles, was er versprochen habe, im Eiltempo zu erledigen. Das hatten viele Investoren für bare Münze genommen. Jetzt ist Geduld gefragt. Aber die kann schnell schwinden, weil der US-Präsident noch weitere Brandherde erzeugt hat.

Risikofaktor Zinsen und Währungen

Trump sagt von sich selbst, er sei äußerst flexibel, immer bereit, einen Irrtum zuzugeben und sich neu zu orientieren. Davon abgesehen, dass das ein Charakterzug ist, den man an ihm im Vorfeld eher weniger hat beobachten können, ist das zwar eine grundsätzlich vorteilhafte Wesensart. Aber nur, wenn man zuerst nachdenkt und abwägt und dann redet und handelt. Ein US-Präsident, der im Licht der Öffentlichkeit allzu oft die Meinung wechselt, ist hingegen ein Risiko. Denn ob es nun die Unternehmen, die Bürger, das eigene Kabinett bzw. die Partei oder das Ausland betrifft: Dauernd damit rechnen zu müssen, dass morgen auf einmal doch wieder alles anders ist, führt zu einem lähmenden Stillstand.

Das zeigt sich aktuell auch in Bezug auf die Notenbank und den Außenwert des US-Dollars. Mr. Trump hatte an Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank, und deren Politik im Vorfeld kein gutes Haar gelassen. Mitte April änderte er seine Ansicht offenbar. Er schätze Mrs. Yellen und halte sich offen, sie für eine zweite Amtszeit zu nominieren. Aber er sagte im selben Atemzug, er sei für ein Umfeld mit niedrigen Zinsen, was wie ein Wink mit dem Zaunpfahl Richtung Notenbank wirkte. Und ein schwächerer US-Dollar sei sinnvoll, so Trump.

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Chartverlauf Euro/US-Dollar von Mai 2016 bis April 2017

Dass eine schwächere Währung für die eigene Wirtschaft in der Regel von Vorteil ist, ist jedem bekannt. Doch da es bei dem Rennen um die schwächste, den Export begünstigende Währung immer Verlierer und damit außenpolitisch böses Blut geben muss, versuchen die Regierungen normalerweise, das subtiler zu erreichen, als sich das offiziell zu „wünschen“. Was die Investoren bei Trumps Statement aber besonders verunsichert, ist Folgendes:

Er war es, der anderen Währungsräumen Manipulation in Form einer gedrückten Währung vorwarf, die deren Export begünstige und so ein massives Handelsbilanzdefizit für die USA nach sich zöge. Dass die USA mehr importieren als zu exportieren, liegt selbstredend nicht nur an einem relativ zu Euro, Pfund und Yen starken US-Dollar, sondern auch an der faktisch vorhandenen Nachfrage nach den Produkten seitens der US-Konsumenten. Aber natürlich würde ein schwächerer US-Dollar hilfreich sein, diesem Defizit entgegenzuwirken. Nur: Ist ein US-Präsident, der selbst tut, was er anderen vorwirft, ein Faktor, der zum Investieren anregt?

Noch hat der US-Dollar auf Trumps Aussagen nur geringfügig reagiert. Aber der Chart zeigt: Die Tendenz des Euro zum US-Dollar weist momentan nach oben, der Dollar beginnt also zu fallen. Für die US-Unternehmen von Vorteil. Für die deutschen Exportunternehmen wäre indes eine Trendwende des Euro nach oben fatal. Trump würde sein Ziel erreichen, indem die europäischen Produkte am US-Markt teurer würden – was ein greifbares Risiko für den hiesigen Aktienmarkt darstellen würde.

Risikofaktor Außenpolitik

Die „Flexibilität“ in Bezug auf eigene Ansichten und politische Richtungsvorgaben machen auch vor der Außenpolitik nicht Halt – und da kann es dann durchaus auch mal gefährlich werden.

Ursprünglich hatte Mr. Trump eine sehr negative und konfliktträchtige Sicht gegenüber China, sah aber in Russland einen möglichen Partner. Nachdem Russlands Präsident Putin ihm aber keinen roten Teppich ausgerollt hatte und der Vorwurf einer russischen Beeinflussung der US-Wahl zu seinen Gunsten immer wieder hochkocht, ist von einer Annäherung nichts mehr zu sehen. Jetzt ist es China, das Mr. Trump als interessanten Partner sieht:

China sei doch kein Währungsmanipulator, so, wie er es dem Land vor seinem Treffen mit dem chinesischen Präsidenten vorgeworfen habe. Und man habe einen guten Draht zueinander, so Trump sinngemäß nach diesem Treffen.

Es mag sein, dass dahinter auch die Erkenntnis steckt, dass China kein wichtiger, sondern ein entscheidender Handelspartner ist und das höhere Gewicht beiderseitiger Abhängigkeit auf Seiten der USA liegt, weil China ein immens wichtiger Käufer von US-Staatsanleihen und damit für die Refinanzierung von entscheidender Bedeutung ist. Es mag aber auch daran liegen, dass Donald Trump in Nordkorea eine Bedrohung sieht, derer man sich lieber nur gemeinsam mit China annehmen möchte.

Dass Trump in Bezug auf die Außenpolitik höchst wankelmütig agiert, zeigt sich auch in weiteren Beispielen. So hat er seine Sicht zur NATO auf den Kopf gestellt und betätigt sich jetzt in Bezug auf IS und Nordkorea doch als „Weltpolizei“, nachdem er genau das in seinem Wahlkampf als unsinnig eingestuft hatte und umgehend beenden wollte.

Schwache Zustimmung, offene Marschrichtung: Vorsicht ist angezeigt!

Egal, welchen sensiblen Bereich es betrifft, der US-Präsident ist eine nicht vorhersehbare Größe. Dies in Kombination mit dem Einfluss der USA und der Machtfülle des Präsidentenamts ist ein Risiko, das die Investoren zunächst nicht erkennen mochten und dann erst einmal ignorierten. Jetzt aber beginnt man immer zahlreicher wahrzunehmen, dass sich womöglich doch nicht viel gegenüber den früheren Regierungen ändern wird … und es auch leicht deutlich schlimmer kommen kann.

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Prozentuale Kursveränderung des Dow Jones und ausgewählter US-Aktien seit November 2016

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Der Chart zeigt den Kursverlauf von vier US-Aktien, die allesamt Anfang November in eine Rallye übergingen, weil man davon ausging, dass Donald Trump seine im Wahlkampf avisierte Politik schnell und vollständig umsetzen werde und diese Unternehmen davon profitieren werden.

Bei Goldman Sachs setzte man darauf, dass Trump viele oder gar alle Fesseln, in die die US-Banken nach der Subprime-Krise 2008/09 gelegt wurden, lösen werde und das umgehend zu massiv steigenden Gewinnen führen wird.

Bei Chevron stieg man ein, weil Mr. Trump die Öl- und Kohleindustrie der USA wieder vermehrt fördern und Umweltabkommen, die dem im Weg stehen, vom Tisch wischen will.

Bei Caterpillar und IBM haben wir große US-Unternehmen, die in den letzten Jahren fallende Umsätze sahen, weil sie sich gegen die ausländische Konkurrenz immer weniger durchsetzen können. Trumps „America first“-Politik würde diesen Firmen massiv unter die Arme greifen und deren Gewinne nebst Aktienkurs zu neuen Höhen verhelfen, wurde unterstellt.

Aber Sie sehen: Der Lack blättert gewaltig ab. Obwohl Mr. Trump durchaus einiges umgesetzt hat, so z.B. die Aufkündigung von Umweltabkommen, führen seine wankelmütige Vorgehensweise und die viel zäher als erwartet voranschreitende Umsetzung seiner wirtschaftlichen Pläne dazu, dass alle vier Aktien zuletzt wieder den Weg nach unten einschlugen.

Ob dieses Zaudern nach der vorherigen Euphorie in den kommenden Wochen und Monaten die gesamte Wall Street erfassen wird, wird mehr als von allem anderen davon abhängen, was Präsident Trump tun wird. Dass genau das aber völlig unvorhersehbar ist, ist ein Grund, jetzt äußerst vorsichtig zu agieren!

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Offenlegung gemäß § 34b WpHG zwecks möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den im Artikel erwähnten bzw. als Beispiele gezeigten Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.

Hinweis: Charts mit Trader Workstation & MarketMaker erstellt erstellt

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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