Dojis: Die immense Macht der „körperlosen Kerzen“

Sobald das Umfeld an der Börse hektisch wird, die Volatilität zunimmt und die Trader nervös werden, tauchen sie immer öfter auf: Dojis. Und sie haben vor allem eins, die Macht, Trends zu beenden. Egal auf welcher Ebene: mittelfristig, auf Tagesbasis oder intraday.

Wer die Dojis, die „körperlosen Candles“ (i.e. Kerzen), zu deuten weiß, hat dadurch große Vorteile in seinem Trading. Sie warnen vor Richtungswechseln, bisweilen sind sie sogar deren unmittelbarer Auslöser. Was Sie über diese Dojis wissen müssen, erklären wir Ihnen in diesem Artikel.

HINWEIS: Wir gehen in diesem Artikel nicht explizit auf die Grundlagen der Candlestick-Charts ein, dazu finden Sie einen sehr ausführlichen Beitrag auf unserer Seite: „Das Super-Tool Candlestick-Charts: Was Sie wissen müssen

Die Doji-Familie: Welche Dojis Sie kennen müssen

Dojis sind Teil der Candlestick-Lehre (zu Deutsch der Kerzen-Charts). Sie nennen sich ebenfalls „Kerzen“, aber ihnen fehlt etwas, womit man bei einer „Kerze“ rechnen würde: der „Kerzenkörper“. Der fehlt gemeinhin fast ganz, bisweilen ist er sogar absolut nicht vorhanden. Aber das mindert nicht die Bedeutung der Dojis, im Gegenteil: Dadurch haben sie öfter als „normale“ Candles eine eigene Aussage. Ein einziger Doji kann einen Trend kippen!

Die wichtigsten Doji-Typen finden Sie in der folgenden Grafik. Wichtig ist dabei:

Dojis müssen nicht zwingend überhaupt keinen Kerzenkörper haben, wie das in dieser Grafik idealtypisch dargestellt ist. Ein kleiner Körper darf schon vorhanden sein, nur sollte er nicht mehr als maximal 10-15 Prozent der Gesamtlänge der Kerze ausmachen.

Der Balken links und rechts vom vertikalen Strich (dem sogenannten Docht, der die gesamte Kursspanne abbildet) zeigt links den Eröffnungskurs, rechts den Schlusskurs an. Bezeichnend für Dojis ist also, dass Eröffnung und Schluss des mit der Kerze abgebildeten Zeitraums (das kann je nach eigener Wahl ein Monat, eine Woche, ein Tag oder ein beliebiger, kürzerer Zeitraum sein) liegen sehr nahe beieinander oder, im Idealfall, auf gleicher Höhe. Man könnte denken, dass solche Tage, da sie ja letztlich „unentschieden“ ausgingen, keine wichtige Aussagekraft haben können. Aber nein:

Gerade ein solches Unentschieden kann sehr bedeutsam sein, je nachdem, wo diese Dojis auftauchen! Das werden wir gleich anhand zahlreicher Beispiele aufzeigen.

Von der Praxis für die Praxis: Die Wirkung der Dojis in konkreten, aktuellen Charts

Die vier Haupttypen unterscheiden sich in der Länge der Kerzen, aber vor allem darin, wo Eröffnungs- und Schlusskurs in Relation zum „Docht“ gelegen haben. Das ist entscheidend. Und dass die beiden rechten Dojis zwei verschiedene Bezeichnungen haben, macht das schon deutlich, denn sie tragen jeweils einen anderen Namen, je nachdem, wo sie in einem Kursverlauf auftauchen!

Wir wollen in diesem Beitrag nicht vorab mit Auflistungen zahlreicher, theoretischer „wenn–dann“-Überlegungen verwirren, wir zeigen Ihnen einfach anhand konkreter Fallbeispiele in ganz aktuellen Kursverläufen, was diese Dojis bedeuten und welche Wirkung sie haben. Vorab muss nur eines deutlich gemacht werden:

Wie jedes anderes Tool der Technischen Analyse haben Dojis eine hohe Wahrscheinlichkeit, bestimmte Folgen nach sich zu ziehen, aber nie ist das in allen Fällen gegeben. Dojis haben, ebenso wie z.B. komplexere Formationen in der Candlestick-Lehre, wie in der klassischen charttechnischen Analyse oder bei markttechnischen Indikatoren eine recht hohe Trefferwahrscheinlichkeit, aber sie zeitigen nicht immer einen solchen Effekt. Sehen wir uns das anhand von konkreten Beispielcharts an:

Gravestone Dojis kündigen Ungemach an

Gravestone Dojis und Inverted Umbrellas sind Dojis mit einem langen oberen Docht. Unter Eröffnung und Schlusskurs, sprich unter dem „Querbalken“, sollte nur ein kleiner, im Idealfall gar kein Docht sein. Ein kleiner Kerzenkörper darf sein, aber wie oben schon erwähnt, darf er nicht mehr als 10 bis 15 Prozent der gesamten Handelsspanne des Tages ausmachen.

Anfang September entstand ein solcher Gravestone Doji auf Wochenbasis beim MDAX. Danach ging es abwärts – und das nicht zu knapp. Warum? Weil dieser Gravestone Doji deutlich machte, dass die Bullen an einem wichtigen Punkt gescheitert waren. Sehen wir uns den Chart genauer an:

Der Gravestone Doji zeigt, dass die Käufer in dieser Woche beim MDAX zunächst dominierten, den Index ein gutes Stück nach oben zogen. Aber am Ende der Woche schloss der Index da, wo er die Woche begonnen hatte … der Anstieg wurde abverkauft, die Gewinne waren nicht zu halten. Das alleine ist psychologisch negativ für die Käuferseite. Dass dieser Gravestone Doji aber auch noch in einer Widerstandszone aus den Zwischenhochs des Index zwischen Herbst 2017 und Sommer 2018 auftrat, intensivierte seinen Effekt noch. Denn das machte sehr deutlich: Ob Käufer dort, in diesem Widerstandsbereich, lieber Gewinne mitnahmen oder Bären gezielt dagegen hielten und die Gewinne eliminierten, es würde schwer werden, durch diese Hürden nach oben auszubrechen, denn da tauchte Abgabedruck auf.

Vergleichbares sehen wir im „Mikrokosmos“ des MDAX auf Tagesbasis im folgenden Chart. Hier entstand am 3. Dezember 2018 ein solcher Gravestone Doji. Und auch der verfehlte seine Wirkung nicht, wie Sie sehen. Die Story dahinter:

Im Vorfeld hatte es eine moderate Aufwärtsbewegung gegeben. Die basierte auf der Hoffnung, dass die am Wochenende vor diesem Gravestone Doji angesetzten Gespräche zwischen den USA und China zum Thema Handelskonflikt einen Durchbruch bringen würden. Am Montag, an diesem 3. Dezember, dachte man zunächst, genau das sei auch der Fall gewesen. Als sich indes herausstellte, dass die US-Seite die angeblichen Erfolge recht überzogen dargestellt hatte, wurde das zeitweise erreichte Plus sofort abverkauft. Es blieb zwar im Vergleich zum Vortag ein Gewinn übrig. Aber der entscheidende Faktor war, dass der MDAX am Ende dort landete, wo er den Tag begonnen hatte. Die Akteure erkannten, dass die Käuferseite das Ruder abgeben musste. Ein kritisches Signal, das, wie Sie sehen, in den folgenden Tagen zu weiteren Verkäufen führte.

Ganz rechts im Chart sehen wir einen Doji, der sich genauso darstellt wie ein Gravestone Doji, aber „Inverted Umbrella“ genannt wird. Das ist dann der Fall, wenn ein solcher Doji nicht nach einer Aufwärtsbewegung, sondern während oder nach einer Abwärtsbewegung auftritt. Hier ist die Aussage eine etwas andere, aber nicht unbedingt positiver:

Es wurde versucht, die schweren Verluste des Vortags aufzuholen. Die Bullen waren schon recht weit gekommen, wie der lange obere Docht des Doji zeigt … aber am Ende war das, was im Verlauf des Tages aufgeholt wurde, wieder dahin. Ein Signal, dass die Käuferseite sich nicht durchsetzen konnte – grundsätzlich also eine Indikation, dass die Abwärtsbewegung sich fortsetzen könnte.

Dojis als Teil von Wendeformationen

Wenn ein Doji nach einer längeren Aufwärtsbewegung auftaucht, ist das immer eine Warnung. Solange es aber nur ein „normaler“ Doji ist, bei dem der untere Docht nicht allzu viel kleiner als der obere ist, indiziert das nur, dass Bullen und Bären in diesem Zeitraum nicht über ein Unentschieden hinauskamen. Das kann das Ende der Dominanz der Käufer sein, eine Wende einleiten, muss es aber nicht. Aber wenn ein solcher Doji dann Teil einer größeren Candlestick-Formation wird, wie in diesen zwei im folgenden Daimler-Chart auf Wochenbasis hervorgehobenen Fällen, ist das ein markantes Signal.

In beiden Fällen stieg die Daimler-Aktie in der Woche nach diesen Dojis zunächst an, eröffnete dabei über dem Schlusskurs der „Doji-Woche“. Dann aber fielen die Notierungen zurück, bildeten lange rote Kerzen. Das ist zum einen die Bestätigung, dass diese Dojis tatsächlich die Dominanz der Käufer beendet hatten. Zugleich bildeten sie mit den roten Kerzen die bärische Formation namens „bearish engulfing pattern“ (mehr zum „bearish engulfing pattern“ in unserem Beitrag „Das Super-Tool Candlestick-Charts: Was Sie wissen müssen“.

Besonders heftig ist die Signalwirkung, wenn z.B. wie im vorstehenden Daimler-Chart auf Tagesbasis ein „Evening Star“ entsteht (auch der wird in o.a. Beitrag ausführlich erläutert), und der in der Mitte liegende Doji auch noch ein Gravestone Doji ist, der für sich alleine schon negativ gewesen wäre. Ein weiterer Gravestone Doji tauchte dann am 3. Dezember auf, an diesem schon beim MDAX erwähnten, für den Aktienmarkt sehr ernüchternden Tag.

Übrigens: Die bullische Variante stellt diese Dinge einfach auf den Kopf: ein „Dragonfly Doji“, das Gegenteil des „Gravestone Doji“, am Ende einer Abwärtsbewegung, wäre entsprechend sehr positiv zu werten. Ein „Morning Star“, das Spiegelbild des im Daimler-Chart zu sehenden „Evening Star“, wäre ein sehr positives Signal.

Das Sonderphänomen „Hanging Man“

Dojis sind internationale und marktübergreifende Signale. Egal, ob bei Aktien, Indizes, Währungen, Anleihen oder Rohstoffen: Ihre Aussage ist immer gleich.

Im folgenden Apple-Chart sehen wir u.a. Mitte November 2018 einen „Inverted Umbrella“, der eine Abwärtsbewegung fortsetzt. Weiter links, Mitte Oktober, gab es indes einen, der sich nicht auswirkte – wie oben schon erwähnt: Nicht alle Dojis wirken sich zwingend aus. Interessanter ist indes der sogenannte „Hanging Man“, den wir rechts im Chart sehen. Was ist das?

Eigentlich handelt es sich hier um einen normalerweise positiv zu wertenden Umbrella-Doji. Aber dieses Exemplar taucht nicht, wie ein „echter“ Umbrella-Doji, der fünf Tage zuvor entstand, nach einer Abwärtsbewegung auf, sondern nach einer Aufwärtsbewegung. Und dann haben wir eine Sondersituation, denn hier ist die Aussage nicht positiv, sondern negativ, daher auch der Name dieses Doji:

„Hanging Man“ wird er genannt, weil man sagt: Wer hier einsteigt, kann sich auch gleich aufhängen. Grund: In diesem Fall unterstellt man, dass die Bullen den zeitweiligen Rückgang eines anfänglich ansehnlichen Kursgewinns mit aller Macht wieder aufholen, weil sie fürchten, dass ansonsten die Schwungkraft der Aufwärtsbewegung verloren geht und die Bären deswegen aktiv werden. Beileibe nicht jeder „Hanging Man“ zeigt dann das, was bei Apple passierte: Die Bären erkannten diese Angst und schlugen erst recht zu. Aber das Risiko, dass es so läuft, ist beim Auftauchen eines solchen „Hanging Man“ relativ hoch.

Je volatiler der Markt, desto öfter generieren Dojis wichtige Signale

Dass Dojis vor allem in volatilen Phasen der Märkte permanent auftauchen und sich sehr oft sehr deutlich auswirken, zeigt dieser Chart des marktbreiten US-Index S&P 500.

Seit Mitte Oktober gab es alleine vier Fälle, in denen Dojis beim S&P 500 kurzfristige Richtungswechsel korrekt indizierten, teils alleine stehend als Umbrella und Hanging Man, teils als Teil von Formationen wie einem „bearish harami“ oder einem „Evening Star“. Das unterstreicht: Wer sich mit Dojis auskennt, hat als Trader große Vorteile!

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