Die Trump-Aktien: Welche Aktien fallen, wenn der Präsident fällt?

Am Morgen des 9. November 2016 wurde zwischen sechs und sieben Uhr früh eine Rallye geboren, die, was die US-Aktienmärkte angeht, bis heute anhält. Und viele fragen sich: Wie lange geht das noch gut? Denn der Aktienmarkt ist, was die Basis dieser Aufwärtsbewegung angeht, mittlerweile zum Einzelkämpfer geworden.

Donald Trump wird der neue Präsident der USA: Das zeichnete sich am frühen Morgen des 9. November, gerechnet nach europäischer Zeit, ab. Der Aktienmarkt brach ein, der Dollar fiel, Gold haussierte. Denn immerhin war man sich mehrheitlich darüber einig, dass die Pläne, die Trump durchsetzen will, zwar kurzzeitig einen wachstumsfördernden Effekt haben könnten, mittelfristig aber die Inflation aus dem Ruder laufen lassen und die Verschuldung immer höher treiben werden. Hinzu kam, dass man fürchtete, dass ein Mann seines Schlages, dazu ohne politische Erfahrung, für Probleme sorgen werde.

Doch eine Stunde, nachdem die Kurse am Aktienmarkt zu fallen begannen, begann eine unvergleichliche Aufholjagd. Das Minus im vorbörslichen Handel wurde beim US-Index-Flaggschiff Dow Jones noch am selben Tag in ein grandioses Plus verwandelt. Sie sehen es am folgenden Chart des Dow Jones, der diesen denkwürdigen Tag mit einer goldenen Tageskerze hervorhebt: Die Trump-Hausse war geboren.

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Die Geburt der Trump Hausse im November 2016

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Risiko: Der Präsident liefert nicht – aber der Aktienmarkt steigt weiter

Nüchtern betrachtet darf man zwar ausschließen, dass die Anleger weltweit am frühen Morgen allesamt und zeitgleich ihre Meinung über den gewählten Präsidenten änderten. Es war vielmehr eine konzertierte Aktion großer Adressen, die ihre Barreserven in den Ring warfen, um einen Crash zu verhindern, gefolgt von einer wilden Kaufwelle kurzfristiger Trader, die alle auf den Zug aufspringen wollten. Aber wie so oft bei extremen Kursbewegungen machten die Kurse die Nachrichten und nicht die Nachrichten die Kurse: Man sagte sich, dass die, die da kaufen, schon ihre Gründe haben – und machte mit.

Der Chart zeigt: Der Aufwärtstrend hält bis heute an. Doch diese Trump-Hausse entwickelt sich nach und nach zur Blase. Denn der US-Präsident liefert bis dato nicht. Der Einreisestopp ist, nach ewigen Hin und Her vor den Gerichten, in abgeschwächter Form das einzige, was bislang von Trumps Versprechungen eingelöst wurde. Und das ist etwas, dass der US-Wirtschaft bestenfalls nichts bringt. Auf der anderen Seite aber steckt die Gesundheitsreform fest, die Steuerreform ruht noch in der Schublade und vom gigantischen Infrastrukturprogramm wird gar nicht mehr gesprochen. Aber …

… genau darauf bauten all diejenigen, die dieser Rallye gefolgt sind. Darauf, dass Trumps „America First“-Versprechungen unliebsame Konkurrenz aus dem Feld schlägt, seine Programme schnell umgesetzt werden und perfekt wirken und den Banken wieder der rote Teppich ausgerollt wird. Noch hält sich der Glaube, dass all das noch kommen und genauso funktionieren wird, wie man es sich vorgestellt hat. Noch. Aber wie lange noch?

Optimismus ist ein höchst wankelmütiger Wegbegleiter der Investoren. Er hält sich oft hartnäckig – aber wenn er schwindet, dann schnell. Und gerade Investoren, die stur und hartnäckig an einer grauer werden Realität vorbeisehen, reagieren extrem hektisch bzw. panisch, wenn der Punkt erreicht ist, an dem Wegsehen nicht mehr hilft, weil die Kurse eben doch zu Rutschen beginnen. Was fehlt, ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, denn die Risikofaktoren sind bereits da:

Der US-Aktienmarkt wird zum Einzelkämpfer

Der folgende Chart zeigt, dass man beim US-Dollar längst auf die ausbleibende Performance der neuen US-Regierung reagiert hat. Der Chart bildet den immer weiter steigenden Dow Jones seit dem Wahltag ab, dazu unten den US-Dollar zum Euro, hier in der „auf den Kopf“ gestellten Variante, bei der abgebildet wird, wieviel Euro man für einen US-Dollar zahlen muss. Steigt dieser Kurs, steigt also der US-Dollar. Und Sie sehen: Als Ende März langsam deutlich wurde, dass schnell steigende Zinsen durch höheres Wachstum und damit eine höhere Nachfrage nach US-Dollars ausbleiben werden, fiel der US-Dollar wieder zurück. Dort ist der Trump-Bonus längst raus. Beim Dow Jones nicht. Und damit nicht genug:

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Die Entwicklung des Dow Jones und US-Dollar seit Dezember 2016

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Der nächste Chart zeigt, dass der Index am oberen Ende des langfristigen, die gesamte Hausse seit März 2009 einfangenden Trendkanals angelangt ist und rein von der Größenordnung in Punkten betrachtet die normale Dimension eines größeren Aufwärtsschubes bereits absolviert hat. Und noch etwas ist hochbrisant:

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Die Entwicklung des Dow Jones seit-2009

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Risiko: Die Marktbreite passt nicht und die Bewertung steigt

Die Marktbreite passt nicht! Nur 40 Prozent der 30 im Dow Jones gelisteten Aktien sind besser als der Index. Es gibt also eine Minderheit an „Stars“ und eine Mehrheit an Aktien, die nicht mithalten können. Was in Bezug auf die Marktbreite der Hausse noch dramatischer ist:

Derzeit, Mitte Juli, notieren nur 58 Prozent der an der New York Stock Exchange gelisteten Aktien über ihrer 200-Tage-Linie, der „Scheidemarke“ zwischen bullisch und bärisch. Das heißt, dass über 40 Prozent der Aktien nicht einmal bullish sind, von Dynamik und Rekordhochs ganz zu schweigen. Das ist, dafür dass alle drei großen US-Indizes auf Rekordniveau notieren, ein klares Signal: Es sind nur wenige Aktien, die die Masse der Käufe auf sich vereinen. Und das sind, abgesehen von der Technologiebörse Nasdaq, wo die Kaufwut und die fehlende Marktbreite nur teilweise auf Trump basiert (aber nicht weniger brisant ist):

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Die Kurse von US-Unternehmen steigen schneller als deren Gewinne

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„Trump-Aktien“. Also Aktien von Unternehmen, bei denen man sich gewaltige Gewinnsteigerungen verspricht, wenn Donald Trumps Pläne erst einmal greifen. Doch da sie noch nicht einmal als Gesetze existieren und so erst recht nicht greifen können, ist dieses Beharren auf dem erhofften Szenario brandgefährlich. Denn momentan steigen zwar die Kurse, die Gewinne der Unternehmen halten jedoch nicht mit. Basierend auf den Bilanzen des ersten Quartals (die für das zweite Quartal stehen zum Zeitpunkt dieser Analyse noch aus) sieht man, dass das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis der im Dow Jones gelisteten Aktien ein für eine Hausse ungewöhnlich hohes Niveau erreicht hat.

Wenn Trump strauchelt, welche Aktien straucheln mit?

Der folgende Chart zeigt vier Aktien des Dow Jones, die den Index deutlich hinter sich gelassen haben. und alle vier haben einen „Trump-Bonus“ im Kurs:

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Trump-Aktien, die fallen könnten

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Goldman Sachs, JP Morgan, American Express: Die Anleger setzen darauf, dass stärkeres Wachstum die Inflation treibt, dies höhere Zinsen nach sich zieht und das den „fixed income”-Bereich der Banken stützt. Hinzu kommt, dass die Akteure darauf wetten, dass lockerere Regulierungen den Banken wieder höhere Gewinne ermöglichen.

United Health ist ein großer US-Krankenversicherer. Hier setzen die Investoren darauf, dass die Trump’sche Gesundheitsreform den Versicherern zugutekommen wird.

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Trump-Aktien aus dem Bereich der Rüstungsindustrie

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Und noch ein anderer Bereich ist nach der US-Wahl deutlich gestiegen: Die Rüstungsaktien. Als Beispiele zeigt der vorstehende Chart Boeing, Raytheon, Northrop Grumman und Lockheed Martin im Vergleich zum marktbreiten S&P 500-Index. Die aggressive Außenpolitik, die bei Trump schon früh die eher isolationistisch wirkenden Aussagen im Wahlkampf ersetzt hat, lässt die Anleger hoffen, dass hier die Kasse klingen wird. Einerseits, weil man wohl weit weniger Hemmungen haben wird als die Obama-Regierung, Waffen an alles und jeden zu verkaufen. Andererseits, weil einige vermuten, dass die USA zumindest im Nahen Osten militärische Auseinandersetzungen provozieren könnten, die der Rüstungsindustrie in die Karten spielen.

All diese Aktien sind potenzielle „Absturzkandidaten“, wenn sich der momentane, mehrheitlich eben noch ausgeblendete Prozess stockender Wachstumsprogramme bei zeitgleicher politischer Isolierung der USA fortsetzt und Donald Trump weiter den Rückhalt seiner eigenen Partei verliert. Wobei man da auf keinen Fall „aus dem Bauch heraus“ agieren sollte: Die Charttechnik wird klare Signale geben, wann es Zeit wäre, bei solchen Aktien auszusteigen und/oder Short-Trades zu erwägen.

Und wer könnte gewinnen, wenn Trump verliert?

Doch ebenso finden sich im Dow Jones auch Verlierer der Erwartungen an Trumps Politik:

Die Pharmaaktien Merck & Co sowie Pfizer sind weit schlechter gelaufen als der Index. Denn dort fürchtet man, dass Trump seine Ankündigung wahrmacht, die Preise bei Medikamenten zu kappen und Phantasiepreise, basierend auf Monopolstellungen, zu bekämpfen. Wenn Trumps Gesundheitsreform, die derzeit im Senat festsitzt, scheitert oder in weit abgeschwächter Form käme, können diese Aktien zu Hausse-Kandidaten werden. Und …

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Trump-Aktien, die steigen könnten

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… auch die Ölaktien Exxon und Chevron würden eine Chance haben, deutlich zuzulegen. Sie stehen unter Druck, weil Donald Trump zwar die heimische Erdölindustrie fördern will, um sich von Energielieferungen aus dem Ausland unabhängig zu machen und mehr Jobs zu schaffen. Aber die Gewinne dieser Ölkonzerne basieren auf hohen Ölpreisen. Und der Ölpreis gerät dadurch, dass Trump die Förderung in den USA massiv unterstützt, wegen des steigenden Angebots bei zugleich noch ausbleibendem stärkeren Wirtschaftswachstum unter Druck und bremst so steigende Gewinne bei Exxon und Chevron aus.

Fazit

Der US-Aktienmarkt befindet sich in einer Phase, in der große Erwartungen das Handeln bestimmen, obwohl die Chance, dass diese Erwartungen Realität werden, schwindet. Daher kann es jederzeit zu einem Szenario kommen, in dem plötzlich alles auf dem Kopf steht:

Was stieg, würde fallen, was fiel, markant zulegen. Ob und wann das passiert, kann man nicht vorhersagen, denn Hoffnungen können sich hartnäckig halten und, auch, wenn das zusehends unwahrscheinlicher wird, erfüllt werden. Aber es ist eine Situation, die zahllose und immens spannende Trading-Chancen liefern würde, wenn Trump strauchelt … und die Trump-Blase platzt.

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Hinweis: Charts mit Trader Workstation & MarketMaker erstellt

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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