Die Handelskrieg-Chronik – Im Auge des Taifuns!

Als EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump am Abend des 25. Juli vor dem Weißen Haus einen „Deal“ verkündeten, dachten nicht wenige Investoren, dass der Handelskrieg damit vorbei wäre, bevor er überhaupt richtig begonnen hat. Doch ich bin überzeugt, dass ich hier nicht den letzten Teil der Handelskrieg-Chronik verfasse. Denn der schöne Schein trog, sollte wohl auch trügen, um die Anleger und Wähler zu beruhigen.

Der Sturm ist keineswegs vorbei, wir befinden uns nur im Auge des Taifuns. Und genau wie bei einem Taifun kann es leicht dazu kommen, dass diejenigen, die sich jetzt im Glauben, die Gefahr sei vorbei, zu weit aus der Deckung wagen, erst recht davon gefegt werden. Denn was wurde da am vergangenen Mittwoch wirklich vereinbart?

Handelskrieg: USA kontra EU: Ein „Deal“, der keiner ist

Herzlich wenig. Oder besser: gar nichts. Außer, dass man a) jetzt ernsthafte Verhandlungen beginnen will und b) beide Seiten keine neuen Zölle erheben wollen, solange die Verhandlungen andauern. Alles andere, all die Dinge, die da verkündet wurden und so sehr nach Durchbruch klangen, waren reine, allgemeine Willensbekundungen:

Die EU würde mehr Soja und Flüssiggas aus den USA einführen, erklärte Jean-Claude Juncker. Aber das kann er alleine nicht verfügen, die EU in ihrer Gesamtheit müsste das billigen, sprich alle Mitgliedsstaaten.

Das gilt auch für die Erklärung, auf beiderseitig niedrigere Einfuhrzölle für Industrieprodukte außerhalb des Bereichs der Automobilindustrie hinarbeiten zu wollen. Und für Trumps Aussage, die Strafzölle auf Stahl und Aluminium zu überdenken. All das ist eigentlich nichts anderes gewesen als die Zusammenfassung der Streitpunkte nebst der Erklärung, das zu diskutieren.

Dass Jean-Claude Juncker und Donald Trump unmittelbar vor ihrem Gespräch laute Zweifel hegten, dass da bereits umgehend etwas Greifbares herauskommen werde, sollte eigentlich hellhörig machen. Zumal Juncker noch unmittelbar zuvor erklärte, er komme nicht mit einem Angebot und erwarte auch keinen „Deal“. Auf einmal erklärte er nach diesem Gespräch, er sei mit dem Willen gekommen, eine Einigung zu erzielen und genau das hätte man erreicht. Das klingt sehr nach „Wendehals“. Aber:

Das war vielmehr ein recht cleverer Schachzug. Juncker weiß ja, dass die EU für all das, was er da zugesagt hat, den Daumen heben müsste. Nicht einmal das Versprechen, während der Verhandlungen keine neuen Zölle zu erheben, wäre wirklich bindend, weil er das alleine eben nicht entscheiden kann. Er mag das Plazet der größeren EU-Mitglieder im Gepäck gehabt haben. Aber kommt es hart auf hart, könnte man sich mit bedauerlichen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Staatengemeinschaft herausreden. Aber ist das der US-Seite wirklich klar gewesen? Man darf es zumindest bezweifeln. Was Jean-Claude Juncker aus Washington mitgebracht hat, ist Zeit. Und genau die ist wertvoll, um sich als EU besser aufstellen zu können, sobald die USA feststellen, dass ihre Forderungen so nicht erreicht werden und wieder aggressiver agieren. Und dass es dazu kommt, damit sollte man rechnen, denn zwei Dinge sollten hellhörig machen:

Ein Separatfrieden USA/EU würde nicht viel helfen

Erstens wechselte Trump verbal schon wieder auf das aggressivere Gleis, kaum dass Juncker abgereist war. Und den zweiten Aspekt mögen manche gar nicht bemerkt haben: Bei der Willensbekundung, auf beiderseitig niedrigere Industriezölle hinzuarbeiten, wurde die Autoindustrie ja ganz gezielt ausgenommen, also der Bereich, auf den sich die Hoffnungen und Ängste der Investoren im Vorfeld besonders konzentriert hatten. Da ist nicht das Geringste vorangegangen!

Und dann wäre da ja auch noch China. Und Kanada, Mexiko … und der Rest der Welt. Der Handelskrieg beschränkt sich schließlich nicht auf Europa, die US-Regierung hat sich mit nahezu dem gesamten Rest der Welt angelegt. Selbst, wenn es gelingen würde, mit Europa eine Art Separatfrieden zu schließen: Solange das nicht mit den unmittelbaren Nachbarn Kanada und Mexiko gelingt, solange sich China und die USA weiter befehden, bleiben die Risiken für das weltweite Wachstum immens.

Und in einer globalisierten Welt kämen die Konsequenzen dieses US-Feldzugs dann durch die Hintertür, sei es in Form sinkender Aufträge aus Asien, in Form höherer Rohstoffpreise, sei es durch einen wieder anziehenden Euro, der den Export ausbremst. Nein, wir befinden uns in Bezug auf diesen von der US-Regierung losgetretenen Zwist wirklich bestenfalls im Auge des Taifuns. Was bedeutet: Relief-Rallyes, also Aufwärtsschübe, die auf der Erleichterung basieren, dass die Eiszeit zwischen EU und USA scheinbar beendet sei, können zum Bumerang werden. Dazu zeigen wir Ihnen gleich die interessantesten Charts. Vorab wieder der Blick ins Tagebuch, um die Ereignisse chronologisch und auf einen Blick zu sehen. Und da werden Sie bereits merken: Hier ist noch gar nichts vorbei!

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Das Tagebuch des Handelskriegs

Wir setzen Anfang Juni mit diesem Teil des Tagebuchs ein. Die vorherigen Ereignisse finden Sie in den ersten beiden Teilen unserer Chronik, die Sie hier lesen können: Teil 1 – Die Handelskrieg-Chronik – Was will Donald Trump erreichen? und Teil 2 –  Die Handelskrieg-Chronik – Auswirkungen der Strafzölle.

Am 6. Juli treten US-Strafzölle gegen chinesische Importe in Höhe von etwa 34 Milliarden US-Dollar in Kraft, weitere 16 Milliarden Warenwert werden ab dem 20. Juli höher besteuert. China kontert noch am selben Tag mit höheren Zöllen, vor allem auf US-Agrarprodukte.

Bereits am 10. Juli wird eine Liste veröffentlicht, die chinesische Warenimporte in Höhe von 200 Milliarden-US-Dollar umfasst, die ebenso höheren Zöllen unterliegen könnten. Laut Trump zeigt China keine angemessene Reaktion auf die US-Strafzölle (weil man Gegenzölle erhoben hat), so dass man die Schrauben enger anziehen müsse. Für diese Liste besteht eine „Prüfungsfrist“ von zwei Monaten, also bis Anfang September.

Am 13. Juli droht Trump den Briten, dass eine zu enge Bindung an die EU nach dem BrExit hieße, dass ein bilaterales Handelsabkommen mit den USA wohl nicht zustande kommen würde.

15. Juli: Donald Trump nennt die EU in einem Interview in Bezug auf den Handel einen „Feind“. Später will er das in „Gegner“ uminterpretiere

18. Juli: Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow behauptet, EU-Kommissionspräsident Juncker werde beim Treffen am 25. Juli mit einem Freihandels-Angebot der EU aufwarten, ohne das irgendwie belegen zu können. Der Verdacht, dass Kudlow die EU damit gezielt unter Druck setzen wollte, um ihr im Fall des Scheiterns der Gespräche den Schwarzen Peter zuschieben zu können, bestätigt sich, nachdem Juncker deutlich machte, dass er keineswegs mit Angeboten nach Washington reisen werde.

Ebenfalls am 18. Juli erklärt Trump, er könnte ein separates Handelsabkommen mit Mexiko abschließen und versucht so, Kanada unter Druck zu setzen.

20. Juli: Trump erklärt, er sei bereit, die Strafzölle gegen China auf eine Größenordnung von 500 Milliarden US-Dollar auszuweiten. Was dem Warenvolumen entspricht, das China in 2017 insgesamt in die USA importiert hatte.

Ebenfalls am 20. Juli wirft der US-Präsident der EU ebenso wie China wieder vor, ihre Währungen zu manipulieren, um den USA zu schaden. Das hatte er schon im Wahlkampf behauptet, 2017 aber zurückgenommen.

Am 23. Juli zeigt eine Umfrage des US-Senders NBC, dass vor allem Trumps Wirtschaftspolitik bei den Wählern gut ankommt. Was andeutet, dass die US-Regierung ihren handelspolitischen Kollisionskurs vor den Zwischenwahlen Anfang November wohl kaum nennenswert ändern wird.

24. Juli: Trump sagt den US-Farmern wegen der Auswirkungen des Handelskriegs in Form höherer Einfuhrzölle auf US-Agrarprodukte seitens China Unterstützung zu, es wird von zwölf Milliarden US-Dollar gesprochen.

25. Juli: General Motors veröffentlicht schwache Quartalsergebnisse und senkt die Prognosen für das laufende Jahr. Grund: Höhere Kosten durch den Handelskrieg. Ford und Fiat Chrysler werden im Wochenverlauf folgen und ebenfalls auf die Belastungen durch den Handelskrieg hinweisen.

25. Juli: Der angebliche „Deal“ zwischen Donald Trump und Jean-Claude Juncker.

26. Juli: Trump wirft China vor, den US-Farmern gezielt zu schaden. „Wir waren nett zu China … bis jetzt“, so der US-Präsident.

27. Juli: Reuters meldet, Trump wolle bewusst den Hebel zur Verhängung weiterer Zölle gegen die EU nicht aus der Hand geben, für den Fall, dass Europa sich nicht zu einem Deal durchringen sollte. Das zielte konkret auf die beim Treffen ausgenommene Automobilindustrie ab.

27. Juli: Frankreichs Staatspräsident Macron sieht den „Deal“ zwischen Trump und Juncker kritisch, erwartet eine klare Geste der USA bezüglich der Stahl- und Aluminiumzölle und möchte die Landwirtschaft im Fall einer Vereinbarung ausgenommen sehen. Was unterstreicht: Juncker hat nicht für die ganze EU gesprochen.

Rallyes trotz haushoher Warnsignale: Das ist brandgefährlich!

Der erste Chart zeigt die Reaktion der Marktteilnehmer auf die wegen der ersten Auswirkungen der US-Handelspolitik schwach ausgefallenen Quartalsergebnisse der US-Autobauer (Fiat Chrysler in Euro, da die Aktie ihre Heimatbörse in den Niederlanden hat) und deren gesenkte Perspektiven: Scharfer Verkaufsdruck erfasste alle drei Aktien.

Umso erstaunlicher ist, was der nächste Chart zeigt: Die drei deutschen Automobilaktien ziehen seit Anfang Juli wieder an. Und die steigende Tendenz hielt sich, obwohl beim angeblichen Deal zwischen Juncker und Trump die Automobilindustrie ausdrücklich aus den Bemühungen um niedrigere Industriezölle ausgeschlossen wurde. Strafzölle gegen europäische Autobauer sind noch in keiner Weise vom Tisch – das macht diesen Anschein einer Bodenbildung bzw. sogar einer Trendwende zu einer äußerst wackligen Angelegenheit!

Auch die Stahlaktien zogen kräftig an, obwohl Trumps Aussage, man werde sich daranmachen, das Problem der Strafzölle gegen Stahl- und Aluminiumimporte anzugehen, eine extrem schwammige Aussage war. Auch hier heißt es: Vorsicht!

Unser letzter Chart zeigt ein weiteres Opfer von Trumps Handelspolitik an der US-Börse, die Aktie des „Weiße Ware-“, i.e. Haushaltsgeräte-Herstellers Whirlpool. Der Chart zeigt die Aktie seit der letzten US-Wahl in Relation zum S&P 500-Index. Während letzterer und damit der Gesamtmarkt weiter steigt, weil man an den Erfolg von Trumps Wirtschafts- und Handelspolitik glauben will, ist diese Aktie dramatisch nach unten ausgeschert. Eigentlich hatte man darauf gebaut, dass Whirlpool von den Strafzöllen gegen asiatische Importe im Bereich der Weißen Ware profitieren würde. Aber das Gegenteil trat ein: Whirlpools Produkte blieben in den Lagern liegen. Und steigende Stahlpreise trafen auch dieses Unternehmen. Es wird nicht das letzte sein, für das dieser US-Handelskrieg zum Bumerang wird.

Zwei Gründe, warum dieser Handelskrieg noch nicht einmal richtig begonnen hat

Wie weiter oben schon erwähnt, wäre ein Separatfrieden mit Europa nicht gleichbedeutend mit einem Ende der negativen Auswirkungen der aggressiven US-Handelspolitik. Aber ob ein solcher „Friede“ überhaupt zustande kommt, ist fraglich.

Denn für Donald Trump und seine Minister kommen kleine Erfolge nicht infrage: Ganz oder gar nicht, ist dort das Motto. Hinzu kommt, dass man dort weiterhin nicht realisiert, wie extrem negativ die Folgen der eigenen Maßnahmen auf die US-Wirtschaft sein können, obgleich schon die ersten, noch überschaubaren Strafzölle ihre Folgen zeitigen, schneller noch als von Seiten vieler Volkswirte befürchtet.

Und dann ist da eben noch diese Zwischenwahl am 6. November, die „Midterm Elections“. Trump muss die Mehrheiten in den beiden Kammern des US-Kongresses behalten, um seine Ziele durchsetzen zu können. Aber das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats werden da neu gewählt. Dementsprechend wird er nichts tun, um den Sieg der Republikaner zu gefährden. Und damit stehen neben seinem Charakter, nie zurückzuziehen, auch Wahlinteressen dahinter, wenn er diesen Kollisionskurs im Welthandel weiterführt. Denn wie oben im Zuge des Tagebuchs schon erwähnt, ist es gerade seine Wirtschaftspolitik, die bei den Wählern positiv gesehen wird. Also wird er damit weitermachen … auf Biegen und Brechen!

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  4. Absicherung: Stoppkurse richtig setzen
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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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