Der Dollar-Mann: Donald Trump und die Währungen

Er hat reichlich davon, aber er beeinflusst ihn auch, den US-Dollar. Der neue US-Präsident Donald Trump ist wie kein anderer Mann im Weißen Haus vor ihm mit der Hochfinanz verbunden. Wirtschaft und Märkte werden ihm als Kernkompetenz zugeschrieben. Und so hatte sein überraschender Wahlsieg vom ersten Moment an massiven Einfluss auf die US-Währung.

Der Dollar stieg – und eine feste Währung ist immer eine gute Sache, könnte man meinen, denn sie spiegelt das Vertrauen der Investoren in den entsprechenden Wirtschaftsraum wieder. Aber war die Reaktion am Devisenmarkt wirklich Ausdruck des Vertrauens in den neuen Präsidenten?

Vor seinem Wahlsieg galt Trump als „worst case“

In den USA war es kurz vor Mitternacht, als die Auszählung der Wahlergebnisse andeutete, dass Donald Trump das Rennen, wider Erwarten der meisten Investoren, gewinnen könnte. Clintons Vorsprung schwand rapide, es ging noch um drei Bundesstaaten als Zünglein an der Waage. Mit jedem Zehntel Prozent, das Trump dort an Boden gewann, sackten die US-Index-Futures weiter durch. Der US-Dollar fiel zu den anderen Währungen wie ein Stein. Denn im Vorfeld hatte man sich festgelegt: Gewinnt Trump, wäre das eine Katastrophe für die US-Wirtschaft. Warum?

20170119-Dollarman-Donald-Trump-LYNXWeil seine im Wahlkampf propagierte, neue Wirtschaftspolitik zu einem Bumerang werden würde. Kurzfristig positive Effekte würden bald von mittel- und langfristig wirkenden Nachteilen abgelöst, sagte man sich. Mehr Staatsausgaben für mehr und besser bezahlte Jobs, zugleich weniger Staatseinnahmen durch Steuersenkungen – das würde nicht gutgehen.

Der gefährliche Bumerang-Effekt in Trumps Plänen

Trumps Pläne würden erfordern, die Notenpresse noch schneller laufen zu lassen. Das würde den Außenwert des Greenback massiv unter Druck setzen und dazu führen, dass das Kapital ausländischer Investoren abwandert. Die kurzfristige Belebung durch die Kombination „mehr Geld für die Bürger“ und „mehr Staatsausgaben“ würde dazu führen, dass zwar zunächst der Konsum zulegt und damit das Wachstum belebt. Aber es würde schnell zu Inflation kommen, weil die Unternehmen die Preise erhöhen können. Das wiederum brächte die US-Notenbank auf den Plan, die mit schnell und deutlich steigenden Leitzinsen versuchen werde, dieser Inflation Herr zu werden. Die Folgen wären fatal:

Denn die vielen Jahre extrem niedriger Zinsen waren das Fundament der wirtschaftlichen Erholung seit der Subprime-Krise 2008, siehe dazu die erste Grafik, die den US-Leitzins über die letzten 25 Jahre abbildet. Zahllose Häuser sind zu Niedrig-Zinsen finanziert worden, dazu kommen die günstige Refinanzierung der US-Unternehmen und des Staates. Steigen die Leitzinsen, würde das massiv auf die Geldbörsen der Verbraucher schlagen und die US-Konjunktur stärker aushebeln als gewünscht.

Würde die US-Notenbank jedoch passiv bleiben, käme es zu einer unkontrollierten Inflation, die höhere Löhne ihrerseits egalisieren würde. Kein Wunder also, dass man sich vor diesen Plänen fürchtete und unterstellte, dass Donald Trumps Idee einer Wachstumsbelebung mit der Brechstange über die Ausweitung der Geldmenge zu einer Dollar-Baisse führen würde, bevor der Dollar dann, wenn die Inflation anzieht, mittelfristig wieder steigen könnte. Es kam anders.

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Warum stieg der US-Dollar seit dem 8. November?

Unter diesen Rahmenbedingungen war es eine außerordentliche Überraschung, dass der US-Dollar gegenüber allen wichtigen Weltwährungen in der Nacht zum 9. November plötzlich nach anfänglichem Kurseinbruch auf dem Absatz kehrt machte und haussierte. Die zweite Grafik zeigt, wie sich dieser Turnaround zu Gunsten des Greenback im Verhältnis zum Euro abspielte. Wir sehen hier auch, dass der Anstieg des US-Dollar sich danach mehrere Wochen lang fortsetzte. Aber wieso? Hatte man seine Meinung geändert?

Zumindest schien es so. Denn was wir an diesem Morgen erlebt haben, der Turnaround des Greenback, die vergleichbare Aufwärtswende an den Aktienmärkten und ein zeitgleicher Abverkauf des „sicheren Hafens“ Gold, war eine unlogisch wirkende Reaktion, die indes nachvollziehbar wird, wenn man die psychologische Ebene einbezieht.

Ein Crash durch den Trump-Sieg hätte fatale Folgen gehabt. Niemand wollte das, weder beim Dollar noch am Aktienmarkt. Dass hier Barreserven großer institutioneller Investoren ins Feld geschickt wurden, um den Verkaufsdruck an diesem 9. November zu stoppen und umzukehren, war zwar erkennbar, wenn man es denn sehen wollte. Aber ähnlich wie kurz nach dem überraschenden Ausgang des EU-Referendums in Großbritannien hatten alle ein gemeinsames Ziel: Abwärtsdruck beenden und die wankende Marktstimmung stabilisieren.

Da dieser abrupte Schwenk des US-Dollars zu Euro, Yen, dem Schweizer Franken, dem Pfund und den anderen großen Währungen also im ersten Moment jedem recht war, war man auch bereit, auf den Zug aufzuspringen und – wie so oft bei extremen Bewegungen – die eigene Sicht der Dinge dem Kursgeschehen anzupassen.

Weiterhin hängt es an Trump: Kippt der US-Dollar wieder?

Auf einmal blendete man die erwartete Ausweitung der Geldmenge aus und fokussierte sich auf schnell steigende Leitzinsen als Folge der Trump-Pläne. Die wiederum würden die US-Anleihen für ausländische Anleger attraktiver machen. Da die, um an US-Anleihen zu kommen, aber zuvor US-Dollars haben müssen, würde der mehr nachgefragt, muss also steigen … fertig war die Begründung für diese überraschende Dollar-Hausse. Doch wie geht es jetzt weiter?

Die dritte Grafik zeigt, wie stark der Anstieg des US-Dollars zu Euro, Yen und Franken ausfiel. Sie zeigt aber auch, dass diese Rallye zuerst im Dezember verflachte und seit der Jahreswende sogar in eine Abwärtsbewegung überging. Wieso das – und wird sich dieser Anstieg des US-Dollars womöglich umkehren, der Greenback nun doch massiv unter Druck geraten?

Die Verkäufe im US-Dollar basieren tatsächlich erneut auf Donald Trump. Die Investoren reagieren beunruhigt darauf, dass er bis zu seinem Amtsantritt keine konkreten Pläne offerierte, wie er seine ambitionierten Wachstumsziele denn konkret erreichen wolle. Damit schwindet die Erwartung schnell steigender US-Leitzinsen, höherer Anleihezinsen … und das hieße, der US-Dollar würde womöglich in Zukunft doch nicht so attraktiv wie gedacht.

Natürlich wird die Bindung der Währungen an die Leitzins-Erwartung und damit an die Aussagen und Maßnahmen der großen Notenbanken erhalten bleiben. Aber eines ist sicher: Was die Notenbanken tun werden, wird in den kommenden Monaten sehr davon beeinflusst werden, was der „Dollar-Mann“ tun wird – Donald Trump.

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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