Das Phänomen Microsoft: Oft ungeliebt, aber immer bewundert

Es gibt nicht wirklich viele Unternehmen, deren Namen seit Jahrzehnten ganz vorne in der Liste der bekannten und wertvollen Marken stehen, die aber zugleich von den Anlegern nie so recht „geliebt“ wurden. Microsoft gehört dazu: Man „hat“ diese Aktie … aber zugleich haben sich viele über „Mr. Softee“, wie man Microsoft in den USA gerne nennt, geärgert – obwohl niemand in Frage stellt, dass das Unternehmen für das tägliche Leben in zahlreicher Hinsicht Meilensteine aufgestellt hat. Woher kommt dieser seltsame Zwiespalt in der Betrachtung dieses Unternehmens?

Er basiert darauf, dass Microsoft immer sehr darauf bedacht war, sich seine Machtposition, seine Vormarktstellung am Markt, zu sichern. Nötigenfalls auch mit Mitteln, die über die Grenze der Fairness und des Erlaubten hinausgingen. Apple beispielsweise sieht man als eleganten Schwan, Microsoft hingegen eher als Bullterrier.

Faszinierende Geschichte – mit schwarzen Flecken

Microsoft wurde von Bill Gates und Paul Allen zwar schon 1975 gegründet, erhielt aber erst Bedeutung, als 1981 das Betriebssystem MS-DOS entstand, das im Auftrag von IBM entwickelt wurde, weil man dort den Trend zu Personal Computern verschlafen hatte und dringend ein dafür taugliches Betriebssystem benötigte.

In aller Munde war Microsoft dann ab Anfang der Neunzigerjahre, als das Windows-System erschien und damit eine grafische Benutzeroberfläche für Jedermann entstand, die blitzschnell zum Standard wurde. Bald darauf folgte das Office-Paket, das auch heute noch mit Word, Excel, Outlook, PowerPoint u.a. zum Standard bei PCs gehört.

Diese Produkte wurden immer weiterentwickelt und damit immer wieder neu verkauft. Und da Microsoft sehr darauf bedacht war, sich da eine Quasi-Monopolstellung zu sichern, hatte man beinahe die Lizenz zum Gelddrucken erreicht. Umsatz und Gewinn wuchsen Jahr um Jahr. Und mit dem Siegeszug des Internets verstand es Microsoft, sich mit dem Browser Internet Explorer ebenfalls in eine stabile Position zu bringen.

Doch das lief nicht ohne Ärger ab. Ab Ende der Neunzigerjahre entstand der Eindruck, Berichte über Klagen gegen Microsoft und über neue Produkte des Unternehmens würden sich zu gleichen Teilen abwechseln. Einige Prozesse, die in Erinnerung blieben, sind z.B. die Klage von Sun Microsystems, der „Browserkrieg“ mit Netscape oder die Kartellprozesse der EU.

Bill Gates bekam dadurch den Nimbus eines Genies, der zugleich auch Machtpolitiker ist. Dieses Bild übertrug sich, auch wegen der Marktdominanz des Windows-Betriebssystems, auf das Unternehmen selbst und blieb bis heute erhalten, obwohl schon im Jahr 2000 Steve Ballmer und später Satya Nadella das Ruder des Unternehmens übernahmen.

Ein gemachtes Nest für alle Zeit? Durchaus nicht

Mit Windows und dem Office-Paket hatte man „Cash Cows“, die bei manchem Investor den Eindruck erweckten, Microsoft werde auf alle Zeit imstande sein, immer mehr und mehr Gewinne zu scheffeln, weil man nur jeweils neue Versionen herausbringen müsse und damit permanent steigende Einnahmen generieren würde. Aber so einfach ist es nicht, sich in einem stetig voranschreitenden Markt zu behaupten.

Dieser Eindruck einer ewig steigenden Aktie entstand, nachdem durch die Presse ging, wie viele Millionäre das Unternehmen hervorgebracht hatte, weil es in frühen Jahren Aktienoptionen als Teil der Bezahlung der Mitarbeiter ausgegeben hatte, die dadurch zu immensem Wohlstand gelangten. Doch wenn man sich den Kursverlauf der Aktie im langfristigen Bild ansieht und dabei eine logarithmische Darstellung wählt, in der die prozentuale Veränderung immer denselben Abstand auf der Werteachse hat, wird deutlich: Den ganz großen Aufschwung hatte die Aktie bis zum Frühjahr 2000 – danach folgte eine sehr, sehr lange Durststrecke.

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Prozentuale Veränderung der Microsoft Aktie seit 1987

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Denn was die Anleger erwarten, sind stetig steigende Umsätze und dynamisch zulegende Gewinne. Das mit den bestehenden Produkten zu gewährleisten erschien problematisch, also suchte Microsoft nach neuen Möglichkeiten. Die Spielekonsole Xbox gehörte dazu. Oder der Versuch, sich im Bereich der Smartphones ein Standbein zu verschaffen, indem man 2014 die Handysparte von Nokia übernahm. Und, nicht zuletzt: Das Geschäft mit der Cloud, der „Datenwolke“.

Aber nicht alle diese Schritte waren so erfolgreich wie erhofft. Die folgende Grafik zeigt: 2015 fiel trotz Rekordumsätzen der Gewinn gegenüber dem Vorjahr. 2016 war es der Umsatz, der unter Druck kam.

Für das Jahr 2017 und 2018 sind die Analysten zwar optimistisch, dass sich Umsatz und Gewinn beide positiv entwickeln. Das setzt aber voraus, dass es weiterhin gelingt, sich gegen starke Konkurrenten im Cloud-Geschäft zu behaupten und die Gewinnmargen hoch bleiben. Doch bei Letzteren kann es schwierig werden, Anfang Mai meldete das Unternehmen selbst, dass man für das Jahr 2018 mit einem Rückgang der Brutto-Margen rechne.

Neue Dynamik in der Aktie … nur in der Aktie?

Vor allem zwei Aspekte sorgten dafür, dass die Microsoft-Aktie den Ruf einer lahmen Ente loswurde, den sie bekam, weil es über einen Zeitraum von zehn Jahren einer engen Spanne seitwärts ging:

Zum einen war es das Cloud-Geschäft, das neue Faszination auslöste, zum anderen die, siehe die Tabelle oben, stetig angehobene Dividende. Microsoft ist zu neuem Leben erwacht. Und auch die Analysten sind der Aktie heute deutlich mehr gewogen. Im Vergleich zum Mai des Vorjahres, siehe die folgende Tabelle, hat sich die Einschätzung der US-Analysten spürbar aufgehellt.

Ende 2016 gelang es endlich, das alte Rekordhoch des Jahres 2000 zu überwinden. Seither steigt die Aktie weiter. Aus charttechnischer Sicht ist bislang alles in bester Ordnung für das bullische Lager: Seit Anfang 2013 existiert ein solider Aufwärtstrendkanal, den die Aktie Ende 2016 sogar überwinden konnte und dessen obere Begrenzung seither als effektive Unterstützung fungiert.

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Entwicklung der Microsoft Aktie seit Juli 2012

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Microsoft – von vielen nicht gerade geliebt, aber von fast allen bewundert dafür, wie dieses Unternehmen seit über 40 Jahren von einem kleinen Startup zu einer der größten Marken des Planeten wurde und diese Position mit Zähnen und Klauen zu verteidigen vermag. Viele wurden mit dieser Aktie vermögend, manche reich. Aber dass das zwingend auf alle Zeit so weitergeht, ist deswegen noch lange nicht sicher.

Momentan nimmt man vorweg, dass „Mr. Softee“ in diesem und im kommenden Jahr solide Gewinnsteigerungen erreicht. Diese Hoffnung sollte besser nicht enttäuscht werden, denn ansonsten kann diese wieder erwachte Dynamik der Aktie schnell vorbei sein. Microsoft ist sicherlich eine Aktie, die in einem gut diversifizierten Depot dabei sein kann – aber nie ohne einen konsequenten Stoppkurs!

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