Das Jahr des Börsencrashs 1987 & 2017: Erstaunliche Parallelen

Ein wenig Aufmerksamkeit hatte es schon bekommen, das gerade absolvierte 30jährige Jubiläum des brutalsten Kurseinbruchs des Dow Jones in seiner Geschichte, der sich am 19. Oktober 1987 ereignet hatte. Aber so richtig betroffen fühlt man sich derzeit nicht. Was interessiert schon, was vor 30 Jahren war! Damals war doch ohnehin alles ganz anders. Wirklich? Das sehen wir uns im folgenden Artikel einmal an.

Sicher, der Crash 1929 war insgesamt heftiger, zumal er den Beginn einer jahrelangen, extremen Baisse darstellte. Aber 22,6 Prozent Minus an nur einem Tag, wie im Oktober 1987 passiert, das gab es auch damals nicht …

… und wird es auch nie wieder geben, behaupten manche. Aber warum nicht? Weil es jetzt Regeln gibt, die den Handel bei Verlusten in Höhe einer bestimmten Größenordnung aussetzen? Danach setzt er ja wieder ein. Nein, wer glaubt, es kann nie mehr zu einem Crash kommen, der irrt sich. Das dachte man im März 2000 an der Nasdaq oder am Neuen Markt auch. Oder im Herbst 2008. Und damals wie heute war eine Meinung weit verbreitet:

Der Aktienmarkt hat jetzt eine ganze Reihe negativer Aspekte weggesteckt und ist nicht gefallen. Also können diese Aspekte auch weiterhin nicht negativ wirken und überhaupt: Wenn die Aktien das alles wegstecken, was sollte sie dann überhaupt noch zum Kippen bringen?

Das wirkt im ersten Moment irgendwie logisch. Aber davon abgesehen, dass die Börse zwar nie eine Einbahnstraße ist, immer mehr Anleger das aber glauben, je länger eine Hausse währt, zeigt eine interessante Umfrage, die ein paar Tage nach dem „Black Monday“, dem Crash des 19.10.1987, durchgeführt wurde, dass es keineswegs irgendwelche letzte Auslöser geben muss, damit auf einmal alles dramatisch schiefgeht. Sie sehen die Ansichten der Befragten nach dem Grund des Crashs in der folgenden Tabelle:

Man sieht sofort: Eine einheitliche Meinung gab es dazu nicht. Und das gilt für alle scharfen Kurseinbrüche, die diesem Crash mit den Jahren folgten, ebenso. Aber die knapp favorisierte Antwort dürfte die richtige sein: Zu viel Optimismus unter den Anlegern. Dass nur 19 Prozent trotz dieser Eisdusche glaubten, es könnte an ihnen selbst gelegen haben, ist da mehr eine Bestätigung als alles andere. Heute wie damals denken immer mehr Akteure, dass der Aktienmarkt „unfallbar“ ist. Aber das begann nicht mit dem Startpunkt der letzten mittelfristigen Aufwärtsbewegung Ende September 1986, die Parallelen zur derzeitigen Aufwärtsbewegung hat, die mit dem Wahlsieg Trumps Anfang November 2016 einsetzte. Es begann in dem Moment, als der Aktienmarkt sich von den Rahmenbedingungen löste, als er einfach stieg, wo er normalerweise nicht gestiegen wäre und eben dieses Gefühl der Unverwundbarkeit entstand.

Dahingehend finden sich heute verblüffende Parallelen zu der Zeit vor 30 Jahren. Dass die kaum jemand bemerkt, ist nicht verwunderlich. Dass das Übersehen von solchen Aspekten aber das Risiko bannt, ist Unfug. Nicht zuletzt deswegen, weil es ja gerade das Ignorieren von solchen Warnsignalen war, das damals in den Crash geführt hatte! Sehen wir uns dazu mal einige Beispiel-Charts an, zuerst aber der Blick auf das Kursgeschehen des Oktobers 1987 selbst:

Konnte ja keiner ahnen? Der Chart beweist das Gegenteil

Um Crashs ranken sich gerne Legenden, auch, weil viele keinen Zugang mehr zu den damaligen Kursen haben. Wir schon. Sehen Sie sich hier einmal an, was bis zum Crash beim Dow Jones passierte:

Dieser Kursrutsch des „Schwarzen Montags“ am 19. Oktober 1987 kam keineswegs aus heiterem Himmel, wie heute viele glauben. Das Hoch war schon ganze zwei Monate vorher erreicht worden. Es entstand ein absteigendes Dreieck, das in der Woche vor dem Crash nach unten verlassen wurde. Alleine das war ein klar bärisches Signal. Und es waren drei immens schwache Tage unmittelbar vor dem Wochenende, an denen es immer schneller abwärts ging, die die zuvor so euphorischen Anleger über das Wochenende weichgekocht haben dürften. Das führte dazu, dass alle am Montag gleichzeitig aus dem Markt hinaus wollten und auf der Gegenseite kein Mensch die Hand aufhalten und kaufen wollte. Ein Szenario, das folgerichtig war und dessen Dimension nicht von fatalen Rahmenbedingungen so aufgeblasen wurde, sondern vom Grad des vorherigen Leichtsinns. Denn 1987 war keineswegs ein finsteres Jahr, an dem ein Crash kein Wunder gewesen wäre:

Das waren doch ganz andere Zeiten?

Dieses Argument hört man oft. Da war doch noch kalter Krieg und alles viel gefährlicher. Mitnichten. Reagan und Gorbatschow hatten sich angenähert, Abrüstungsverträge wurden unterzeichnet, es zeichnete sich ein erster Hauch von „Glasnost“ ab. Und wäre es ein gefährliches Jahr gewesen, wie hätte es vorher monatelang ungehemmt aufwärts gehen können mit dem Dow Jones, der übrigens DAX & Co. ebenso immer höher zog? Nein, der folgende Chart zeigt, dass der Leichtsinn in Zahlen zu fassen war:

Anfang 1986 hatte das Volumen der auf Kredit laufenden Börsengeschäfte noch bei knapp 30 Milliarden US-Dollar gelegen, im Spätsommer 1987 waren es schon 40 Milliarden – für die damalige Zeit ein Rekordvolumen. Man hatte schlicht zu viel gewollt und die alte Regel ignoriert: „Spekuliere niemals auf Kredit.“ Wo wir heute stehen, sehen Sie in diesem Chart auch. Das muss man wirklich nicht mehr kommentieren.

Damals wie heute: Die Parallelen zwischen Dow Jones und DAX

Der folgende Chart zeigt, dass Dow Jones und DAX über einen weiten Zeitraum parallel gelaufen sind. Doch etwa acht Monate vor dem Hoch und zehn Monate vor dem Crash ffindet sich eine etwa dreimonatige Phase, in der die Indizes auseinander liefen.

Bemerkenswert, dass das 2017 auch passierte, wie das folgende Chartbild zeigt:

Diesmal begann diese Phase im Juni und endete Ende im August. Die Dauer ist ähnlich. Und der Grund ebenfalls, wie die folgenden Grafiken zeigen:

Damals wie heute: Die Parallelen zwischen Dow Jones und dem Devisenmarkt

Seit Herbst 1986 stieg der Euro (damals natürlich noch die D-Mark) kräftig an, der US-Dollar gab nach. Diese Bewegung dauerte bis Februar, danach lief die D-Mark auf dem höheren Niveau seitwärts. Ein schwacher US-Dollar begünstigte die US-Exporteure und bremste die deutschen Exportunternehmen aus. Das war die Basis für das mehrmonatige Auseinanderlaufen von Dow Jones und DAX. Interessant ist in diesem Chart, dass wir sehen, dass dieser Euro bzw. D-Mark-Anstieg Ende Mai 1986 einen Hochpunkt erreichte. Danach lief der US-Dollar zu Ungunsten der US-Exportunternehmen, aber trotzdem stieg der Dow Jones wieder an – und das immens steil. Das war die letzte Phase der Hausse vor dem Hoch, die Phase blanken Leichtsinns und der Selbstüberschätzung. Vergleichen wir das mal mit der aktuellen Phase:

Wir sehen dasselbe Spiel. Bis Anfang September hatte der Dow Jones noch Geleitschutz durch einen den Export unterstützenden, steigenden Euro/US-Dollar-Kurs, seither steigt er trotz der für die USA ungünstiger werdenden Währungsentwicklung.

Damals wie heute: Die Parallelen zwischen Dow Jones und Gold

Auch beim Vergleich zur Entwicklung des Goldpreises gibt es interessante Aspekte, die heute erneut auftauchen. Der folgende Chart zeigt wieder die Zeit bis zum Crash 1987:

Die letzte große Aufwärtswelle wurde zunächst von einem fallenden Goldpreis unterstützt. Das suggerierte: Man muss sich keine Sorgen machen. Denn wenn niemand in den „sicheren Hafen“ Gold hineinwill, muss alles in bester Ordnung sein. Damit beruhigten sich diejenigen, die den Anstieg des US-Dollars, sprich die fallende D-Mark/Dollar-Relation registrierten. Solange Gold fällt, kann das ja wohl kein Problem sein, hieß es. Gold fiel indes nicht weiter, der Dow Jones stieg trotzdem – in der oben erwähnten letzten Phase, der des Leichtsinns. Der folgende Chart zeigt das aktuelle Szenario: Dieselbe „Beruhigungspille“ wird seit Ende August erneut verabreicht.

Belegen die Charts, dass noch genug Zeit ist?

Es gab in den letzten Tagen tatsächlich Leute die feststellten: Jetzt, da der 19. Oktober 2017 keinen Crash brachte, ist die Gefahr gebannt. Da bleibt einem ob dieser grandiosen Logik der Mund offenstehen. Dementsprechend könnte man angesichts dieser Charts jetzt mit dem Argument kommen:

Wir sehen aufgrund dieser Vergleiche zwar, dass da etwas auf uns zukommen könnte, aber es ist ja noch Zeit … ein paar Wochen bis zum Hoch, drei Monate bis zum Crash. Oder? Es stimmt schon, dieser folgende Chart, der die Entwicklungen von Euro/US-Dollar und Dow Jones 1987 und heute übereinanderlegt, zeigt

  1. große Ähnlichkeiten in den Strukturen der Kursverläufe, wenn man den Wendepunkt am Devisenmarkt als Orientierung für die Zeitachse verwendet und
  2. dass es, würde alles weiterhin im Takt der Phase von 1987 verlaufen, etwa sechs Wochen bis zum Hoch und fast drei Monate bis zum Crash wären.

Aber selbstverständlich muss die Antwort auf die Frage, ob jetzt logischerweise noch reichlich Zeit bliebe, um beherzt und vor allem sorglos auf immer steiler steigende Kurs zu spekulieren, lauten:

Natürlich nicht! Dass diejenigen, die sich der Geschichte nicht erinnern, dazu verdammt sind, sie zu wiederholen, ist eine Sache. Darauf folgt aber nicht, dass sie sich genau im Maßstab 1:1 wiederholen müsste. Was heißt:

Es muss keineswegs zwingend einen Crash geben, aber die Gefahr ist derzeit höher als üblich.

Es kann morgen dazu kommen, in vier Wochen, in einem halben Jahr oder noch später. Das hängt nicht davon ab, wie genau es damals lief, sondern wann genug Akteuren die Nerven durchgehen, um auch die großen Fonds zum Ausstieg zu zwingen. Das sind emotionale Parameter. Und die sind auf der Zeitachse nie berechenbar.

Was als Fazit bleibt, ist: Seien Sie auf der Hut und agieren Sie besonnen, achten Sie auf konsequente Stoppkurse und überwachen Sie Ihre Long-Trades engmaschig, anstatt, wie zu viele es bereits tun, die Füße hochzulegen in der fatalen, vermeintlichen Gewissheit, dass Crashs wie der des Oktobers 1987 der Vergangenheit angehören!

Handeln über LYNX

Profitieren Sie als Daytrader, Anleger oder Investor von dem ausgezeichneten Angebot von LYNX, denn wir ermöglichen Ihnen den preiswerten Handel von Aktien, ETFs, Futures, Optionen, Forex u.v.m. Nehmen Sie sich die Zeit, unsere Gebühren mit denen der Konkurrenz zu vergleichen und handeln Sie in Zukunft über unsere professionelle Handelsplattform.

Hinweis: Charts mit MarketMaker pp erstellt

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

Handeln Sie über den Online Broker LYNX:
Ein Depot, viele Vorteile
  • stabile und zuverlässige Handelsplattform
  • kompetenter Service durch Experten
  • günstige und transparente Gebühren
  • umfangreiches Wissensportal
Mehrfach ausgezeichnet
Handelsblatt Auszeichnung: Bester Online-Broker
Broker-Wahl: Top Futures-Broker
Contact icon KOSTENFREI ANRUFEN
0800 5969 000
Contact icon SCHREIBEN SIE UNS
SERVICE@LYNXBROKER.DE
Contact icon FREUNDSCHAFTSWERBUNG
KUNDEN EMPFEHLEN LYNX
Contact icon HÄUFIG GESTELLTE
FRAGEN