Börse Frankreich: Das neue Eldorado der Investoren?

Man rieb sich in der Nacht zum Montag, dem 24. April, verwundert die Augen, als die ersten Kurse des Euro und die Vorab-Indikationen für europäische Aktienindizes im fernöstlichen Handel auftauchten. Und manch einer wundert sich immer noch. Sicher, der erste Wahlgang in Frankreich im Rennen um das Präsidentenamt war so gelaufen, wie die Investoren es erhofft hatten. Aber das wirft zwei Fragen auf: Wieso kommt es zu einem solchen Kurssprung nach oben, obwohl präzise das passiert ist, was die Umfragen vorausgesagt hatten? Und warum setzt man eigentlich so große Stücke auf Emmanuel Macron, der am 7. Mai in der Stichwahl höchstwahrscheinlich siegen wird?

Der französische Leitindex CAC 40 hat dadurch Zeichen gesetzt: Dieser sehr langfristige Chart auf Monatsbasis zeigt, dass der April 2017 einen entscheidenden Durchbruch darstellen kann. Denn die langfristige, vom Allzeithoch 2000 über das Hoch 2007 führende Abwärtstrendlinie ist jetzt überwunden.

Entwicklung des CAC40 seit 1990

Entwicklung des CAC40 seit 1990

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Wird die Börse Paris nun zum neuen Eldorado für die Investoren? Vorsicht ist geboten, so grandios dieser Chart auch aussieht. Was zurück zu den vorher in den Raum gestellten Fragen führt.

Emmanuel Macron, ein französischer Donald Trump?

Dass die Akteure derart euphorisch reagierten, das Ganze angesichts der großen Kurslücken, die es bei den Aktienindizes europaweit gab, sogar wie eine Kaufpanik wirkte, lag daran, dass man den Umfragen aufgrund der Erfahrungen vor dem britischen Referendum, der US-Wahl und dem Referendum in der Türkei nicht über den Weg traute. Und da die vier Kandidaten an der Spitze mit Ergebnissen zwischen 19 und 23 Prozent alle eng beieinander lagen, hätte es durchaus auch zur ungünstigsten Konstellation Le Pen/Mélenchon in der Stichwahl kommen können. Dann hätten die Franzosen nur die Wahl zwischen einer äußerst rechts stehenden EU-Gegnerin und einem äußerst links stehenden EU-Gegner gehabt. Der Kurssprung war daher mehr Erleichterung als bewusster Vorgriff auf das, was kommt.

Denn das, was da jetzt kommen mag, liegt eigentlich im Nebel der Ungewissheit. Was übrigens, ebenso wie der Kandidat selbst, sehr an das Umfeld und den Ausgang der US-Wahl erinnert. Die Franzosen wollen dasselbe wie die US-Bürger es wollten: Einen, der etwas bewegt, der handelt, und nicht nur redet. Der den politischen Sumpf trockenlegt, der die Menschen aus den Ketten immer zahlreicher und komplizierter werdender Gesetze und Regularien befreit und dafür sorgt, dass die, die sich von der Politik vergessen fühlen, durch ihn wieder eine Stimme bekommen, die gehört wird. Aber …

… kann und wird Emmanuel Macron dieser „eine“ sein? Richtig ist zwar, dass Macron bereits politische Erfahrung hat und zuletzt zwei Jahre lang Wirtschaftsminister war. Aber das Beispiel des Donald Trump zeigt, dass viele Wähler unterschätzen, dass solche Hoffnungsträger auf ein etabliertes, politisches System prallen, das man nicht einfach mit einer Handbewegung verscheuchen kann, sondern sich mit ihm arrangieren muss. Mr. Trumps Ankündigungen, alle Probleme im Eiltempo zu lösen, konnten daher bislang wenige Taten folgen. Emmanuel Macron würde es kaum anders gehen.

Sicher, er wirkt dynamischer, weil er viel jünger ist. Aufgeschlossen, charismatisch, modern. Aber das französische politische und administrative System ist genau das nicht. Einer gegen alle? Das wird knifflig, zumal da noch ein anderes Problem existiert, das man seitens der Anleger kaum oder gar nicht wahrgenommen hat:

Die Zahl der Abgeordneten im französischen Parlament, die zu Macrons Partei „en marche“ gehören, beträgt: null. Denn diese Partei hat er erst im Herbst 2016 gegründet. Im Juni folgen die französischen Parlamentswahlen. Da muss sich dann erst erweisen, wie große Macrons Rückhalt im Parlament wäre und ob die etablierten Parteien der Konservativen und Sozialisten sich mit ihm arrangieren. Wenn nicht, wird Macron denselben Gegenwind zu spüren bekommen wie Trump. Denn ebenso wie in den USA ist das Präsidentenamt in Frankreich zwar mit immenser Machfülle versehen. Aber ganz ohne Parlament geht auch in Paris nichts.

Frankreich, das große wirtschaftliche Mauerblümchen

Dass sich die französischen Wähler nach Veränderung sehnen, ist dabei verständlich. Frankreich bildet mit Deutschland zwar die Achse der Eurozone und der EU. Aber es hinkt wirtschaftlich seit vielen Jahren hinter Deutschland her. Nie wirklich so in Not wie es beispielsweise Spanien, Italien oder Portugal, von Griechenland ganz zu schweigen, zeitweise waren. Aber eben auch nie ganz vorne mit dabei. Die folgenden Charts zeigen, dass der Anstieg der Löhne über die Jahre immer geringer wird und seit einiger Zeit gerade noch die reale Inflation ausgleicht.

Prozentuale Entwicklung der Einkommen/Löhne in Frankreich seit 1985

Prozentuale Entwicklung der Einkommen/Löhne in Frankreich seit 1985

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Und man sieht, dass die Industrieproduktion des Landes nach den Verwerfungen der Subprime-Krise und der Eurokrise 2008 bis 2010 unter dem Strich nicht mehr wächst. Und dabei hatte man schon nach der Rezession 2000/2003 jahrelang auf der Stelle getreten.

Prozentuale Entwicklung der Industrieproduktion in Frankreich seit 1993

Prozentuale Entwicklung der Industrieproduktion in Frankreich seit 1993

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Hinzu kommen die sozialen Spannungen im Land. Seit dem Algerienkrieg (1954-1962) kamen immer mehr Menschen aus den ehemaligen nordafrikanischen Kolonien ins Land. Doch statt sich um Integration zu kümmern, wurden diese Menschen von einer Regierung nach der anderen in die Vorstädte abgeschoben und mehr oder weniger sich selbst überlassen. Das Problem dieser „Banlieues“ nimmt zu, seit der Flüchtlingsstrom durch die Entwicklung im Nahen Osten und in Afrika neue Dimensionen angenommen hat. Die Bürger wollen Lösungen. Und neben den radikalen Parolen von Marin Le Pen ist es alleine Emmanuel Macron, dem sie zutrauen, diese Lösungen auch zu erarbeiten. Aber:

Und die EU? Der Weg nach Eldorado ist gefährlich

Wie die Legende weiß, ist der Weg nach Eldorado schwierig und gefährlich. Dass Macron scheitert, ist sehr gut möglich. Und sollte es ihm gelingen, nicht nur die Bürger, sondern auch die Politik auf seine Seite zu bringen, muss dennoch klar sein, dass man hier durch den jüngsten Kurssprung Vorschusslorbeeren für Erfolge verteilt, die vielleicht 2018 und in den Folgejahren errungen werden, aber ganz sicher nicht in wenigen Wochen oder Monaten. Das Beispiel Trump sollte das deutlich genug machen. Klar ist:

Sollte Macron Erfolg haben, kann sich Frankreich mittelfristig im Rahmen der EU an den weniger beweglichen, starren Ländern vorbeischieben und so zu einem Land mit starkem Wachstum werden, das man als Anleger weit mehr beachten sollte, als es bislang mehrheitlich der Fall ist. Aber dass die anderen europäischen Aktienmärkte allesamt mit nach oben geschossen sind, macht schon deutlich, dass diese Käufe mehr ein Reflex als eine überlegte Handlung waren. Denn was will Macron?

Er will mit Frankreich ein wichtiger, wegweisender Teil der EU und der Eurozone sein, ja. Aber Macron fordert, dass die EU sich ändert. So soll und darf es nicht weitergehen. Das ist zwar eine Forderung, die nahezu jeder EU-Bürger sofort unterschreiben würde. Aber das bedeutet, dass Frankreich mit einem Präsidenten Macron ein unbequemer, fordernder Partner wird. Kurz: Da ist Ärger vorprogrammiert. Und ob sich Macron dann durchsetzen kann, ist völlig offen.

Ein Grund mehr, Frankreich zwar ab sofort genau im Auge zu behalten und starke Aktien aus dem CAC 40 engmaschig zu beobachten. Aber auch Grund genug, sich diesen Chart des französischen Leitindex noch einmal vorzunehmen, diesmal in einem weniger langen Zeitraum und auf Wochen- statt auf Monatsbasis.

Entwicklung des CAC40 seit Januar 2015

Entwicklung des CAC40 seit Januar 2015

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Sie sehen, dass das markante Hoch des Jahres 2015 bei 5.284 Punkten durch den Kurssprung dieser Woche zwar erreicht, aber noch nicht überwunden ist. Auch, wenn die langfristige Abwärtstrendlinie bereits überboten wurde: An dieser Hürde kann der CAC 40 noch seine Probleme bekommen, denn nach der Wahl ist vor der Wahl. Und auch, wenn Macron die zweite Runde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen wird: Je nachdem, wie viele Stimmen Marine Le Pen dann erreicht, wird deutlich, wie steinig Macrons Weg werden wird. Und dann kommt eben auch noch im Juni die Parlamentswahl. Spannend ist die Börse in Frankreich jetzt allemal. Aber ein Eldorado ist sie – auch, wenn sie es werden könnte – hier und heute noch nicht!

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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