Apple: Ist der Mythos wirklich unsterblich?

Was ist Apple? Einfach nur ein Unternehmen, das Computer und Mobiltelefone herstellt? Vielleicht ist es das heute. Aber kaum jemand sieht Apple so. Denn mit Apple verbinden sich Staunen, Erfindungsgeist und Charisma. Emotionen, die sich einprägen. Die Frage ist jedoch, ob sie derart hartnäckig sein können, dass der Mythos unsterblich und der Aufwärtstrend dieser Aktie damit unzerstörbar wird. Einigen Gedanken und Fakten zu dieser Frage gehen wir im Folgenden auf den Grund.

Die Apple-Geschichte: Sinnbild des „American Dream“

Gegründet in einer Garage vor gut 40 Jahren, mit einem Startkapital von 1.300 US-Dollar von drei jungen Kerlen, die nicht viel mehr hatten als ordentlich Grips und zahllose Ideen. Alleine das bleibt im Gedächtnis, denn es ist genau das, was vor allem die US-Bürger an ihrem eigenen Land so lieben: Vom Tellerwäscher zum Millionär, es ist eben möglich. Steve Jobs, Steve Wozniak und Ronald Wayne haben es bewiesen.

Apple – alleine der Name hatte Charisma. Es gibt alleine zwei Geschichten, wie er zustande kam. Der Rechtsstreit mit Apple-Records, die die Rechte an den Beatles-Songs hielten – unvergessen. Und dann der Siegeszug der Produkte. Innovationen, die die Welt staunen ließen: Der Apple I, der erste Personal Computer, den damals noch kaum jemand wahrnahm. Aber dann … die Maus, beim Apple erstmals als Bedienelement eingesetzt … die aktive Bildschirmoberfläche … und dann der iMac. Doch es gab auch kritische Phasen. Der folgende Chart, der die Aktie seit 1984 zeigt, macht deutlich: „Irgendwie Kult“ war Apple schon lange. Aber erst ca. 2005 begann der Aktienkurs, wirklich auf olympische Höhen zu klettern und den Dow Jones, der im Chart zum Vergleich abgebildet ist, so unfassbar deutlich hinter sich zu lassen.

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Entwicklung der Apple Aktie im Vergleich zum Dow Jones seit 1984

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Als Microsoft das Betriebssystem Windows entwickelte, geriet Apple ins Rudern. Die Produkte verkauften sich schlecht, mehrmals fürchtete man in den neunziger Jahren, dass Apple nicht überleben würde. Doch dann kehre der charismatische Steve Jobs 1997 zurück, nachdem er zuvor wegen schwerer Differenzen mit der Unternehmensleitung ausgestiegen war. Und mit ihm bekam auch Apple sein Charisma zurück. Die Köpfe wurden wieder auf Innovation und Genialität eingeschworen. Heraus kamen: iPod (2001), iPhone (2007) und iPad (2010).

Doch 2011 musste Steve Jobs wegen seiner Krebserkrankung aufgeben und im Oktober 2011 erlag er ihr. Seither leitet Tim Cook das Unternehmen. Aber dass heute, so viele Jahre nach Jobs Tod, Apple und sein Name immer noch in einem Atemzug genannt werden, macht sehr klar, wie entscheidend Jobs für dieses Unternehmen war, das seither eben doch „nur“ ein Unternehmen ist, dass Computer und Mobiltelefone herstellt.

Auch die einmalige Performance ist mittlerweile ein Mythos

Der Mythos bleibt: Apple ist etwas ganz Besonderes. Auch, wenn der prozentuale Anteil derer, die iMacs oder iPhones verwenden, nicht überwältigend ist (Anfang 2017 lag der iPhone-Anteil bei Smartphones in Deutschland um 20 Prozent), stehen diese Produkte doch für hohe Qualität und hohen Komfort. Der Haken dabei ist:

Die Produkte sind teuer. Und seit der AppleWatch 2014, die man nicht zwingend als wirkliche Innovation sehen muss, verwaltet Apple die Innovationen der Vergangenheit, während die Wolfsmeute der Konkurrenten immer mehr aufholt.

Entwicklung der Apple Aktie im Vergleich mit anderen US Technologieunternehmen seit 2012

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Und obwohl die Performance der Apple-Aktie über einen ganz langfristigen Zeitraum kaum zu überbieten ist … obwohl viele Anleger ebenso entschlossen und überzeugt an „ihrer“ Apple-Aktie festhalten wie an den Apple-Produkten … zeigt die obere Grafik doch eines: Viele der Schwergewichte im Nasdaq 100, wie Facebook, amazon.com, Priceline oder Microsoft, sind in den letzten fünf Jahren besser, teilweise sogar deutlich besser gelaufen als die Apple-Aktie.

Apple greift in die Trickkiste

Aber noch scheint es, als würde Apple die Lizenz zum Gelddrucken besitzen. Immerhin scheinen die Gewinne pro Aktie, die den Anlegern quartalsweise auf den Tisch flattern, immer weiter zu steigen. Aber das täuscht. Und Apple hilft dabei auf seine Weise mit. Die folgende Grafik zeigt, was manchem Anleger gar nicht bewusst ist: 2016 ist der Umsatz des Unternehmens erstmals seit Jahren gefallen. Und nicht nur das: Auch der Gewinn ging spürbar zurück.

Aber wie kann das sein? Schließlich stieg doch auch die Dividende immer weiter? Und die Prognosen der Analysten wurden ein ums andere Mal übertroffen! Nun, das ist schon richtig. Aber die Schätzungen der Analysten sind gemeinhin defensiv. Man ist bestrebt, da nicht zu optimistisch zu sein und daneben zu liegen. Und die Dividende kann, muss aber nicht an den unmittelbaren Unternehmenserfolg gekoppelt sein. Vor allem nicht bei einem Unternehmen wie Apple, das Ende 2016 alleine an reinen Barbeständen über 67 Milliarden US-Dollar verfügte, dieses Geld aber nicht für Expansion und Innovation verwendet, weil das der Markt aktuell offenbar nicht hergibt. Also greift man in die Trickkiste:

Zum einen erhöht man regelmäßig die Dividende, um die Aktionäre bei Laune zu halten und zu zeigen: Bei uns ist alles in bester Ordnung. Zum anderen, und das ist der wichtigere Aspekt, kauft Apple in gewaltigem Umfang eigene Aktien am Markt zurück. Alleine das laufende Aktienrückkaufprogramm hat ein – gerade mit der Veröffentlichung der letzten Quartalsbilanz am 2. Mai noch einmal aufgestocktes – Volumen von 210 Milliarden US-Dollar. Das hat zwei Effekte:

Zum einen stützt Apple damit den Kurs der eigenen Aktie durch aktive Käufe. Zum anderen verringert sich die Zahl der vorhandenen Aktien, so dass sich der nominale Gewinn auf weniger Aktien verteilt. Der Gewinn pro Aktie gerät dabei, wenn es mit dem Gesamtgewinn bergab geht, also weniger unter Druck. Da zudem viele Anleger nicht auf das große Ganze der Bilanzdaten achten sondern sich damit zufriedengeben, das „Ist“ mit den Analystenprognosen zu vergleichen, ist vielen gar nicht aufgefallen, dass das Jahr 2016 für Apple ein problematisches war.

Die Anleger kaufen weiter – noch?

Aber selbst die Analysten liegen zuletzt öfter mal zu hoch. Die Bilanz des ersten Kalenderquartals 2017 zeigte, dass die Probleme für Apple keineswegs bereits vom Tisch sein müssen. Zwar wurde die Gewinnprognose pro Aktie übertroffen, aber geht man von der durch das Aktienrückkaufprogramm beeinflussten Betrachtung des Gewinns pro Aktie weg und sieht sich den rein nominalen Gewinn an, so lag dieser nur knapp fünf Prozent über dem des ersten Kalenderquartals 2016. Der Umsatz blieb sogar unter der Analystenprognose und die Verkaufszahlen der iPhones und iPads ebenso. Aber die Aktie stieg in den vergangenen zwölf Monaten um in der Spitze gute 50 Prozent, wird also, was die Bewertung angeht, immer teurer.

Das führte jetzt sogar dazu, dass sich die vor einem Jahr noch extrem positive Sichtweise der Analysten etwas moderiert hat. Dass da jemand Apple auf „verkaufen“ oder auch nur „underperform“ einstuft, war in den letzten Jahren fast undenkbar – siehe die folgende Grafik.

Trotzdem, die Anleger reagierten auf diese Bilanz nicht mit Verkäufen. Warum? Eben weil Apple mit der Aufstockung der Aktienrückkäufe und der Anhebung der Dividende köderte und den Eindruck vermittelte: Wer Apple verkauft, ist selber schuld.

Aber der untenstehende Chart seit Mai 2007 zeigt, dass diese Aktie sich dadurch sehr weit von ihrem längerfristigen Aufwärtstrend und der in blau eingezeichneten 200 Tage-Linie entfernt hat. Und dieser Chart zeigt auch, dass sehr deutliche Korrekturen bei dieser Kult-Aktie nicht ausblieben. Vorsicht wäre jetzt also angezeigt, denn diese Sorge, beim „Mythos Apple“ nicht mehr in den Markt hineinzukommen, wenn die Aktie erst einmal den Turbo zugeschaltet hart, führt zu leicht dazu, ungeduldig nahe kurzfristiger Hochs einzusteigen, statt in aller Ruhe immer dann bestehende Positionen aufzustocken, wenn wichtige Unterstützungslinien im Rahmen von Korrekturen dem aktuelle Kurs nahe kommen und man so mit deutlich engeren Stoppkursen agieren kann!

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Entwicklung der Apple Aktie seit 2008

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Fazit: Apple ist ein Mythos, Apple ist Kult. Aber das basiert auf der faszinierenden Geschichte dieses Unternehmens. Nichts garantiert – und viele Rückschläge in den letzten Jahrzehnten belegen das – dass die Aktie deswegen nicht auch einmal deutlicher unter die Räder kommen könnte.

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Offenlegung gemäß § 34b WpHG zwecks möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den im Artikel erwähnten bzw. als Beispiele gezeigten Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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