Aktien leerverkaufen: So funktioniert es

Aktien „leer zu verkaufen“, das ist nur etwas für Zocker, hört man bisweilen. Für Zocker, die zudem auch noch sehr erfahren sein müssen, weil das eine höchst komplizierte Angelegenheit ist. Stimmt nicht! Weder noch! Leerverkäufe sind nicht kompliziert. Und Sie müssen weder eine Zocker-Seele besitzen noch ein alter Hase sein. Was Sie mitbringen müssen, ist nur eines: Disziplin!

Leerverkauf von Aktien: Etwas verkaufen, das man gar nicht hat? Das geht!

Grundsätzlich ist das Prinzip ebenso einfach wie einleuchtend: Sie sind der Ansicht, dass eine Aktie viel zu hoch steht. Womöglich haben Sie von deren Aufwärtstrend gut profitiert, haben mit schönem Gewinn verkauft und fragen sich, wie sie jetzt die Chance nutzen könnten, dass die Aktie zehn, vielleicht zwanzig Prozent Korrekturpotenzial hat.

Das könnten Sie mit Zertifikaten oder Optionsscheinen tun. Aber noch interessanter ist das durch einen Leerverkauf. Denn der ist mit einem geringen Kapitaleinsatz möglich, weil Sie sich die Aktien, die Sie leer verkaufen, leihen! Daher der Name: Sie verkaufen Aktien, die Sie eigentlich gar nicht besitzen, Ihr eigener Bestand ist dahingehend „leer“.

Oben verkaufen, unten einsammeln: eigentlich ganz einfach!

Unser Chart zeigt, was man konkret als Leerverkäufer tut: Man nutzt eine Gelegenheit, bei der man erwartet, dass eine Aktie fällt. Man verkauft sie wie hier die Lufthansa-Aktie im Zuge eines bärischen Signals. Zuerst wurde bei der Aktie ein Top vollendet, das nutzt der Leerverkäufer für seinen ersten Leerverkauf. Mit dem Bruch der 200-Tage-Linie stockt er den Leerverkauf noch einmal auf, verkauft also weitere Lufthansa-Aktien leer. Und sobald er erkennt, dass der Abwärtstrend enden könnte, kauft er die leer verkauften Aktien am Markt zurück, nimmt eine sogenannte „Eindeckung“ vor.

Mit dem Kauf der vorher leer verkauften Aktien kann er diese dem Verleiher zurückgeben. Und abzüglich der Leihgebühr und der Steuern, die er auf die Gewinne zu entrichten hat, ist die Differenz zwischen den Verkaufspreisen im Bereich von zunächst 28 Euro und beim zweiten Leerverkauf 25 Euro und dem Kurs, zu dem er die Aktien um 21,50 Euro eingedeckt hat, sein Gewinn. Das ist also gar nicht so schwierig. Im Folgenden werden wir uns das noch einmal genauer ansehen und durchrechnen.

Ein interessanter Effekt von Leerverkäufen in der Praxis: Short Squeeze – Ein bemerkenswertes Phänomen

Früher waren Leerverkäufe von Aktien schwieriger und riskanter

Aber wer verleiht denn hierzulande Aktien? Heute ermöglichen viele Broker Leerverkäufe. Früher war die Sache ein wenig kompliziert, denn man musste sich dazu an große Adressen oder Banken wenden, die immense Portfolios hatten, die langfristig angelegt waren. Da die ihre Bestände nicht bei jeder Auf- oder Abwärtsbewegung nennenswert veränderten, lagen die im Depot befindlichen, großen Aktienbestände quasi brach. Um daraus noch eine zusätzliche Rendite zu erzielen, verliehen diese großen Akteure Aktien gegen eine Leihgebühr aus ihren Beständen. Damit konnte man dann „leer verkaufen“. Aber:

Natürlich musste man diese Aktien wieder zurückgeben, meist waren diese Leerverkäufe klar befristet. Und wenn zum Rückgabetermin genau das falsche passierte, die leer verkaufte Aktie gestiegen und nicht gefallen war, musste man die Aktien teurer zurückkaufen als man sie verkauft hatte. Und da die Leerverkäufer keinen Kapitaleinsatz hatten außer dieser relativ niedrigen Leihgebühr, die üblicherweise um die 1,5 bis 2,0 Prozent beträgt (und zwar gerechnet für ein Jahr!), konnten Kursanstiege von fünf bis zehn Prozent schon fatale Verluste bedeuten, wenn man nicht absolut diszipliniert vorging. Denn natürlich locken diese geringen Leihgebühren, gleich mal Tausende von Aktien leer zu verkaufen. Und entsprechend übel konnte es ausgehen, wenn man da nicht mit konsequenten Stoppkursen agierte. Sehen wir uns dazu mal zwei Beispiele an. Eines, bei dem es gut ablief und eines, bei dem es schiefging:

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Zwei Beispiele für Leerverkäufe

Zwischen Sieg und Niederlage liegt oft nur ein kleiner Moment. Und beim Leerverkauf von Aktien ist das meist der Stop Loss in Form einer Stop Loss-Kauforder, d.h. einer limitierten, automatischen Kauforder (da man, um die Position einzudecken, d.h. zu schließen, Aktien kaufen muss). Nehmen wir einmal an, ein Anleger sieht im November 2017 in der adidas-Aktie eine Gelegenheit für weiter fallende Kurse. Er identifiziert die Unterstützung um 175 Euro als entscheidend. Bricht sie, will er 1.000 adidas-Aktien leer verkaufen.

Fall 1: Konsequente Absicherung, Gewinnmitnahme

Am Tag, nachdem diese Unterstützungslinie bei 175 Euro gebrochen wurde, gelingt es ihm, seine 1.000 adidas-Aktien um 173 Euro leer zu verkaufen. Die Aktie fällt schnell weiter. Er hat zwar einen Stoppkurs im Bereich der entscheidenden Linie bei 175 Euro gesetzt, aber als er sieht, wie schnell die Aktie bis auf 165 Euro fällt, nimmt er lieber den Gewinn mit und kann um 166 Euro „eindecken“. Der Gewinn berechnet sich dann sich wie folgt:

Eintausend zu 173 Euro leer verkaufte adidas-Aktien haben einen Wert von 173.000 Euro. Er kauft sie zu 166 Euro, d.h. zu 166 x 1.000 = 166.000 Euro zurück, macht also einen Gewinn von 7.000 Euro in kürzester Zeit.

Übrigens: Der Anleger braucht keine 166.000 Euro, um die Aktien zurückzukaufen, weil sie beim Broker als Leerverkauf laufen. Das Geld, das er beim Leerverkauf erlöst hat, landet auf einer Art „Sperrkonto“, wird erst verfügbar, wenn die Position eingedeckt, die Transaktion beendet wurde. Aber dieser Betrag ist eben dafür nutzbar, um die Aktien zurückzukaufen. Er hat also 173.000 Euro zweckbestimmten Kapitals, um einzudecken.

Das ist höchst verlockend, denn bei einer Haltedauer von zwei Tagen fällt die Leihgebühr von z.B. 1,5 Prozent pro Jahr überhaupt nicht ins Gewicht. Aber genau da liegt das Risiko, das man zu beherrschen hat: Es wirkt, als könnte man hier „umsonst“ traden. Und weil das so ist, haben die Broker dem heute einen sinnvollen Riegel vorgeschoben, dazu gleich mehr. Damit wird verhindert, dass man sich eine allzu blutige Nase holt, wenn man nicht diszipliniert vorgeht.

Was wäre passiert, wenn der Stoppkurs bei 175 Euro ausgelöst worden wäre? Dann hätte der Anleger zwei Euro Verlust hingenommen. Bei 173 Euro leer verkauft, bei 175 Euro eingedeckt, das macht bei 1.000 Aktien ein Minus von 2.000 Euro. Aber das geht ja noch. Was, wenn der Anleger diese wichtige Linie bei 175 Euro einfach ignoriert hätte, weil er sich selbst überschätzt hat und sicher war: adidas wird immer weiter fallen? Sehen wir uns mal an, was dann passiert wäre:

Die Bracket-Order: Intelligent Aktienposition absichern

Die Bracket-Order verbindet auf intelligente Art und Weise eine Limit-Order mit einer Stop-Order. Sie können Gewinnziel sowie maximalen Verlust festlegen – und wenn der Aktienpreis eine der festgelegten Schwellen erreicht, wird die entsprechende Order ausgeführt, während die andere automatisch gelöscht wird.

Fall 2: Stoppkurs ignoriert

Die Aktie bewegte sich in einem volatilen Seitwärtstrend. In dieser Zeit wäre dem Leerverkäufer nichts angebrannt. Aber natürlich musste die Aktie diese Seitwärts-Spanne nicht nach unten verlassen. Sie hätte ebenso nach oben ausbrechen können … und genau das passierte!

adidas schoss auf einmal wie eine Rakete nach oben. Die Seitwärtsspanne hatte sich plötzlich in eine Bodenbildung und die Basis einer Rallye verwandelt. Wer sich da nicht konsequent abgesichert hätte, sieht dergleichen meist entsetzt zu. Und Schrecken bedingt in der Regel, dass man nicht handelt, sondern auf die in die „falsche“ Richtung laufenden Kurse starrt wie ein Kaninchen auf die Schlange. Man hofft auf eine Bullenfalle, hofft auf Gewinnmitnahmen, die die Kurse wieder drücken … und reagiert viel zu spät. Rechnen wir mal, was dem Anleger geblüht hätte, hätte er erst, wie im Chart markiert, zu 185 Euro eingedeckt:

Eintausend bei 173 Euro leer verkaufte adidas-Aktien haben einen Wert von 173.000 Euro. Er kauft sie zu 185 Euro und somit für 185.000 Euro zurück, macht einen Verlust von 12.000 Euro! Ohne Disziplin geht es also nicht!

Der „Zins“ ist niedrig, aber die „Margin“ bremst potenziellen Leichtsinn

Heute muss man sich nicht an Fonds oder Banken wenden, um Leerverkäufe vornehmen zu können, viele Broker bieten Leerverkäufe an. Und sie sorgen auch dafür, dass sich der Leerverkäufer nicht übernimmt.

Um zu verhindern, dass solche Leerverkäufe, wenn sie daneben gehen, gleich zu einem immensen Desaster werden und Situationen eintreten, in denen dem in die eigene Falle gegangenen Leerverkäufer das Geld ausgeht, d.h. er gar nicht mehr genug Kapital hat, um die Aktien in ausreichender Menge eindecken und zurückgeben zu können, verlangen die Broker neben der niedrigen, zu riskantem Zocken verleitenden Leihgebühr eine sogenannte „Margin“, eine Sicherheitsleistung.

Diese Margin ist von der Höhe her unterschiedlich, je nach Anbieter und je nachdem, ob man mit oder ohne Stoppkurs agiert, aber Größenordnungen um die 5 bis 20 Prozent sind da im Rahmen des Normalen. Das heißt: Angenommen, Sie wollten wie in unserem obigen Beispiel 1.000 adidas-Aktien zu 175 Euro leer verkaufen, müssten Sie schon eine Margin von bis zu 35.000 Euro hinterlegen. Das bremst so manchen, der ansonsten zu viel riskieren würde, und führt zu einem besonnenen Vorgehen und Positionsgrößen, die dem eigenen Kapital angemessen sind.

Fazit: Leerverkäufe von Aktien sind kein Hexenwerk

Leerverkäufe sind weder besonders kompliziert noch allzu riskant, sofern man – die an der Börse aber ohnehin immer geforderte – Disziplin mitbringt. Es ist wie bei diesem alten Sprichwort: Wenn man schon das Fell des Bären verkaufen will, bevor er erlegt ist, muss man eben sicherstellen, dass man des Bären auch in jedem Fall habhaft wird, wenn es daran geht, das Fell zu liefern! Wer sich nicht übernimmt, findet im Leerverkauf von Aktien eine sehr gute zusätzliche Gewinnbasis bei fallenden Märkten vor.

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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