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London Gold Spot: Historische Analysen der letzten 6 Monate

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Portrait und Kursentwicklung: London Gold Spot
Datum

Titel

Analysis

Gold ist zwar eigentlich kein Krisenbarometer mehr, zu sehr dominiert hier das kurzfristige Trading über die Käufe derer, die sich mit Gold gegen kippende Aktienmärkte absichern wollen. Aber man weiß, dass diese Korrelation den Anlegern einfach in den Hinterkopf gebrannt ist: Steigt Gold kräftig, stimmt etwas nicht. Aber in sechs Wochen stehen in den USA die für die US-Regierung äußerst wichtigen Zwischenwahlen an.

Da kann man keinerlei negative Stimmung an den Märkten gebrauchen, immerhin ist der Anteil der Menschen, die ihre Altersversorgung im Aktienmarkt haben, in den USA so hoch wie in kaum einem anderen Land. Die Wall Street hat im Vorfeld der Wahl zu steigen, der Ölpreis zu fallen und, natürlich, der Goldpreis ebenso. Das Phänomen, dass Druck auf den Goldpreis aufkommt, wenn eine US-Wahl naht, ist nicht neu. Und oft hat es auch funktioniert, Gold bis zur Wahl unter Druck zu behalten.

Was nach der Wahl passiert, ist eine ganz andere Sache. Nur: „Oft“ heißt nicht „immer“. Und die Marktteilnehmer am Goldmarkt werden nicht nur durch große US-Adressen gestellt, die entlang dieser gewohnten Mechanismen agieren. Dass Gold am Freitag nach anfänglichem Plus im Minus landete, ist zwar ein Signal, dass man sich bemüht, Gold nicht zur Unzeit der Vorwahlphase nach oben „entkommen“ zu lassen. Aber es ist keineswegs genug um zu attestieren, dass es nicht doch anders käme.

Expertenmeinung: Wir sehen im Chart, dass Gold seinen seit April laufenden Abwärtstrend Mitte August noch einmal markant intensivierte. Aber das währte nur kurze Zeit. Danach wurde der letzte Selloff umgehend aufgeholt, eine kleine V-Formation entstand. Und die ist jetzt in einen „Sockel“ übergegangen, was bei V-Formationen zur Formation dazugehört.

Gemeint ist eine Seitwärtsbewegung im oberen Bereich des „V“, die, soll die Wende vollendet werden, nach oben verlassen werden muss. Das wurde am Freitag versucht – und ist erst einmal misslungen. Aber Gold hielt seine 20-Tage-Linie, der Trendfolgeindikator MACD ist bullisch … und solange der Kurs nicht aus dieser zwischen 1.188 und 1.214 US-Dollar verlaufenden Seitwärtsspanne nach unten ausbricht, bleibt dieser Abwärtstrend vor den US-Zwischenwahlen einer auf Abruf.

Wirklich „durch“ wären die Bullen aber erst, wenn der Goldpreis nach der April-Abwärtstrendlinie auch das bei 1.237 US-Dollar gelegene, markante Zwischentief vom vergangenen Dezember überwinden würde; erst dann würde ein Aufwärtsimpuls von der kurzfristigen auf die mittelfristige Ebene gehoben.

Chart vom 21.09.2018, Kurs 1.198,97 US-Dollar, Kürzel XAUUSD

Man könnte denken, dass Gold angesichts der zunehmenden Krisenherde, die das weltweite Wachstum infrage stellen, ganz oben auf der Kaufliste der Investoren stünde. Aber davon abgesehen, dass hier, wie bei anderen Rohstoffen auch, auf kurzfristiger Ebene keine zwingende Korrelation zwischen faktischer Nachfrage nach dem Edelmetall und dem Kurs an der Börse bestehen muss, weil Trader die Tendenz deutlich stärker bestimmen als die Nachfrage nach körperlichem Gold, ist ein stetiger Abwärtstrend ein gutes Argument, um die Bullen vom Gold fernzuhalten.

Und der ist seit vier Monaten so dynamisch, wie er intensiver nicht sein könnte. Die relativ enge Korrelation zwischen Euro/US-Dollar und dem Goldpreis tut ein Übriges, um gar nicht erst den Gedanken aufkommen zu lassen, Gold könnte seinem alten Ruf, in kritischen Phasen ein „sicherer Hafen“ zu sein, gerecht werden.

Natürlich sollte man, wenn man hier auf der Short-Seite aktiv ist, immer im Hinterkopf haben, dass Gegenreaktionen gerade dann abrupt auftreten und schnell und weitreichend sein können, wenn sich zu viele in einem der beiden Lager tummeln und sich ihrer Sache zu sicher sind. Aber:

Expertenmeinung: Dazu bedarf es normalerweise entweder eines charttechnischen Auslösers in Form einer verteidigten, wichtigen Unterstützung oder eines Impulses auf der Nachrichtenseite. Letzteres müsste schon ein recht großes Kaliber sein, denn die Marktteilnehmer mussten anhand dieser so stetig ablaufenden Gold-Baisse feststellen, dass die bisherigen „bad news“ jedweder Art nicht ausreichten, um den Bann der Bären zu brechen.

Und was die Charttechnik angeht, wäre heute wohl die letzte Chance für die verbliebenen Bullen, das Ruder womöglich noch herumzureißen. Denn Gold fiel, wie dieser Chart auf Wochenbasis zeigt, am Montag mit Schwung durch die in den vergangenen zwei Wochen noch verteidigte Unterstützungszone 1.196/1.205 US-Dollar. Per Montagabend ist der Bruch dieser Zone noch nicht signifikant, das macht diese kleine Chance aus, den Kurs umgehend wieder über diese Auffangzone zu tragen.

Aber sollte Gold in den kommenden Tagen weiter an Boden verlieren und zum Wochenschluss nicht zumindest sehr nahe an dieser Zone 1.196/1.205 US-Dollar verharren, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs sich aufmacht, die nächste größere Unterstützungsmarke in Form des markanten Wendepunkts vom Dezember 2016 bei 1.123 US-Dollar anzusteuern, hoch. Und immerhin winkt mit einem Abwärtspotenzial von weiteren 70 US-Dollar ein „Lohn“, der das Bären-Lager dazu animieren wird, die Käufer wenn irgend möglich von einem Rebreak über den Bereich 1.196/1.205 US-Dollar abzuhalten.

XAUUSD_2018_08_14

Sie hatten ihre Chance. Und sie ließen sie liegen: Als sich Ende Juli knapp unterhalb des Dezember-Tiefs bei 1.236 US-Dollar der Abgabedruck erschöpfte, sah es so aus, als könnte dieser Widerstand schnell zurückerobert werden, vielleicht sogar die 200-Tage-Linie bei knapp 1.300 US-Dollar wieder in Reichweite gelangen. Immerhin war die Gemengelage weiterhin kritisch: Die US-Notenbank erhöht die Leitzinsen stur weiter, obgleich sie erkennen müsste, dass das US-Wachstum zu sehr auf künstlichem Einfluss basiert, um allzu hohe Leitzinsen aushalten zu können.

Hoffnungen, die US-Regierung könnte bezüglich ihrer aggressiven Handelspolitik auf einen moderateren Kurs einschwenken, zerschlugen sich. Und da weiter steigende Zinsen fallende Anleihekurse bedeuten und die Aktienmärkte unter dem Damoklesschwert der US-Politik wandeln, wäre ein Aufwärtsimpuls bei Gold nicht nur charttechnisch greifbar, sondern auch bezüglich der Rahmenbedingungen naheliegend gewesen. Aber es wollte niemand so recht zugreifen.

Der stete Abwärtstrend, den Gold in den Wochen zuvor, auch bei wackelnden Aktienmärkten, erlebte, hatte das Lager potenzieller Bullen offenbar spürbar ausgedünnt. Die Chance wurde vergeben – und die Verkäufe gingen folgerichtig weiter. Der Chart auf Wochenbasis zeigt, dass der Bruch der Ende Juli zunächst nur knapp unterbotenen, von Ende 2015 stammenden Aufwärtstrendlinie dadurch ebenso zementiert wurde wie der Bruch des markanten Zwischentiefs bei 1.236 US-Dollar. Und so geht die Reise für die Bären erst einmal weiter. Wie weit?

Kursziele zu fixieren ist immer so eine Sache, denn auch, wenn sie aus charttechnischer Sicht Ziele sind, müssen sie deshalb nicht erreicht werden oder der Kurs gar dort aufsetzen und drehen. Aber sie sind, wenn sie so auffällig sind wie beim Gold, Punkte, anhand denen die Trader festmachen, ob es noch lohnen könnte, neue Positionen einzugehen oder bestehende zu verstärken. Und das wäre durchaus der Fall.

Chart vom 07.08.2018, Kurs 1.210,05 US-Dollar, Kürzel XAUUSD

Eine leichte Supportzone hätte Gold jetzt bereits erreicht: Die Zwischentiefs vom März und Juli 2017 bei 1.195 bzw. 1.205 US-Dollar. Da könnte der Kurs drehen. Aber die weit markantere, ins Auge fallende Wendemarke wäre das Tief vom Dezember 2016 bei 1.123 US-Dollar. Es ist gut möglich, dass nicht wenige bärische Akteure sich das Erreichen dieser Marke auf den Schild geschrieben haben. Das ist zwar, wie gesagt, kein Grund, fest davon auszugehen, dass Gold wirklich bis dort durchgereicht wird. Aber es ist Grund genug, derzeit an Long-Trades nicht einmal zu denken. Zumindest so lange noch nicht, bis der kurzfristige Leitstrahl der Abwärtsbewegung, die 20-Tage-Linie, überboten wäre. Sie führt den Kurs, wie wir im Tageschart sehen, seit Wochen abwärts. Würde diese bei aktuell 1.226 US-Dollar verlaufende Linie ebenso zurückerobert wie die Widerstandslinie bei 1.236 US-Dollar, wäre eine interessante Basis für Long-Trades gegeben. Bis dahin aber werden die Bären das Feld wohl ohne große Gegenwehr dominieren.

Chart vom 07.08.2018, Kurs 1.210,05 US-Dollar, Kürzel XAUUSD

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Akteure am Rohstoff- und am Devisenmarkt schnell realisieren, was wirklich Fakt ist, während der Aktienmarkt blind irgendwelchen Gespenstern hinterherläuft. Ist das auch diesmal so? Das wäre sehr gut möglich. Denn es scheint, als habe man bei den Euro/US-Dollar-Tradern ebenso schnell realisiert wie bei den Edelmetallen, dass das, was Jean-Claude Juncker Donald Trump angeblich alles zugesagt ist, in Wahrheit nur etwas ist, was er mit nach Brüssel nimmt.

Dort müsste die gesamte EU ihr Plazet dafür geben, dass Europa nur gibt, aber so gut wie nichts dafür bekommt. Und das ist nicht allzu wahrscheinlich. Dementsprechend reagierte man bei Euro/US-Dollar kaum. Und bei Gold in die scheinbar falsche Richtung. Denn der Goldpreis stieg, während die US-Aktien zum Handelsende haussierten. „Nur“ um sieben US-Dollar ging es gegenüber dem Dienstags-Schusskurs höher. Aber wenn man genau hinsieht, ahnt man: Das ist jetzt die große Chance für die Gold-Bullen, etwas „Großes“ zu schaffen.

Expertenmeinung: Denn mit diesem Kursanstieg des Mittwochs haben wir hier einen „Morning Star“ im Chart: Rote Kerze, Doji, grüne Kerze. Ein möglicher Wechsel in der Dominanz, zu Gunsten des bullischen Lagers. Ein „Morning Star“ bedarf einer unmittelbaren Bestätigung, also einer weiteren grünen Kerze, um als bullisches Signal gültig zu sein. Aber welche Chance präsentiert sich den Bullen da! Würde heute eine weitere grüne Kerze zustande kommen, würde das die Rückeroberung des markanten Widerstands in Form des Dezember-Tiefs bei 1.236 US-Dollar bedeuten, auch die gestern bei 1.242 US-Dollar verlaufende 20-Tage-Linie wäre dann nicht mehr weit.

Hinzu käme im Fall eines umgehenden, weiteren Kursanstiegs ein Kaufsignal im Trendfolge-Indikator MACD (unten im Chart eingeblendet). Und sollten die nachbörslichen, heftigen Abgaben an der Nasdaq, basierend auf einem nachbörslichen, von den Quartalszahlen ausgelösten Crash bei Facebook mit der Erkenntnis zusammenfallen, dass die Akteure am Aktienmarkt mit ihrer Rallye über ungelegte Eier gegackert haben, wäre das eine perfekte Ausgangsbasis dafür, dass die Musik in nächster Zeit am Goldmarkt spielt.

Chart vom 25.07.2018, Kurs 1.231,63 US-Dollar, Kürzel XAUUSD

Schon Mitte Juni verfestigte sich der Eindruck, dass das Bären-Lager den Goldpreis im Griff hat. Da wurde der Versuch einer Bodenbildung im Bereich 1.290/1.300 US-Dollar durch einen starken Abwärtsimpuls torpediert. Und seither lassen die Bären Gold nicht mehr aus ihren Fängen. Die einzige Gegenreaktion seither wurde Anfang des Monats genau auf Höhe der 20-Tage-Linie abgewiesen. Ein klares Signal für bärische Dominanz. Und die wieder anziehenden Aktienmärkte liefern den Bären die nötigen Argumente: Die Lage ist tadellos, der Handelskrieg kein ernsthaftes Problem, sichere Häfen damit nur unnötig gebundenes Kapital. So kann man es sehen, wenn man den Beteuerungen derer glaubt, die im Fall einer kippenden Weltwirtschaft viel zu verlieren hätten. Aber ob die Marktteilnehmer ernstlich glauben, dass die dunklen Wolken am Horizont nur Einbildung sind, ist nicht der Punkt:

Solange das bärische Lager imstande ist, das Abwärts-Momentum aufrechtzuerhalten, wagt kaum jemand, dagegenzuhalten. Und nachdem am Dienstag die markante Unterstützung in Form des Dezember-Tiefs bei 1.236 US-Dollar mit Schwung durchschlagen wurde, erst recht. Denn damit wäre das unmittelbare Kursziel eines Abwärtsimpulses unterboten. Und in Bezug auf dieses Niveau um 1.236 US-Dollar geht es nicht nur um dieses Dezember-Tief, wie unser Chart auf Wochenbasis deutlich macht: Dort verläuft auch die aus dem Herbst 2015 stammende Aufwärtstrendlinie. Sollte die fallen, läge die nächste mittelfristig relevante Unterstützung erst bei 1.123 US-Dollar, das war das Tief vom Dezember 2016. Da wären also grundsätzlich noch einmal 100 US-Dollar nach unten drin, sollte es den Bären gelingen, diese derzeit unterbotene Unterstützung auch auf Basis des Wochenschlusskurses am Freitagabend über sich zu lassen. Verlockend. Man wird es also wohl versuchen. Aber:

Grundsätzlich ist der Umstand, dass hier aus charttechnischer Sicht das Wochen-Zeitraster eine wichtige Rolle spielt, auch noch eine letzte Chance, diese Linie bis Freitag zurückzuerobern. Die Frage ist, wer dahingehend motiviert sein könnte. Antwort: Dieselbe Klientel, die diesen sich jetzt anbietenden Abwärtsspielraum nutzen könnte. Vorausgesetzt, man wäre hier massiv Short und hätte eigentlich ein Kursziel bei 1.236 US-Dollar, wäre es eine taktisch clevere Finte, Gold kurzeitig unter diese wichtige Linie zu drücken. Denn man darf erwarten, dass knapp darunter viele Stop Loss-Verkaufsorders von Long-Positionen liegen. Werden die ausgelöst, erzeugt das massiven Verkaufsdruck. Der auch entsprechend aufkam. In den hinein ließe es sich für bärische Trader perfekt Short-Positionen eindecken, ohne dadurch den Goldpreis unnötig weit nach oben zu ziehen. Was der Fall wäre, würden Eindeckungen, d.h. die Käufe zum Schließen von Short-Trades, über dieser Unterstützung stattfinden und so auf geringen Verkaufsdruck treffen. So gesehen:

XAUUSD_2018_07_19_Day

Erst, wenn Gold auch morgen Abend klar unter 1.236 US-Dollar schließen würde, ließe sich unterstellen, dass das Gros der Bären auf einen weiteren Abstieg Richtung 1.123 US-Dollar setzt … das wäre dann eine Basis, um sich den Ausbau bestehender Short-Trades zu überlegen und zugleich eine Möglichkeit, den Stop Loss Short enger, in die Region um 1.240 US-Dollar, nachzuziehen.

XAUUSD_2018_07_19_Week

Es ist zwar schon seit Jahren so, dass Gold keineswegs immer nach oben schießt, wenn die Nerven der Investoren am Aktienmarkt dünner werden. Aber in den letzten Monaten scheint das Edelmetall seine Funktion als sicherer Hafen vollends verloren zu haben. Das basiert zwar einerseits darauf, dass Gold tendenziell eher dann „funktioniert“, wenn die Investoren Angst vor Inflation bekommen und sich auf Gold als „Ersatzgeld“ stürzen. Es liegt aber auch daran, dass Gold in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer mehr von den Tradern „entdeckt“ wurde. Und die agieren stur nach charttechnischen Vorgaben, scheren sich um ein „eigentlich müsste doch“ nicht im Geringsten. Und da wären dann noch große Adressen verschiedenster Couleur, die Gold unter anderem deswegen gerne gezielt unter Druck setzen, weil sie genau diesen Nimbus des Edelmetalls als angebliches Krisenbarometer nutzen, um durch schwache Goldpreise zu suggerieren, dass die Lage eben nicht kritisch ist, nach dem Motto: „Seht her, wäre irgendetwas angebrannt, würde doch der Goldpreis steigen“. Und noch ein weiterer Aspekt will bedacht sein, wenn man sich fragt, wieso Gold an einem Tag wie dem Mittwoch, an dem es an der Wall Street zu einem ernüchternden Turnaround nach unten kam, fällt, statt zu steigen:

Wie gut taugt Gold als Geldanlage wirklich und welche Faktoren beeinflussen den Goldpreis? Jetzt lesen: Krisenbarometer Gold: Worauf es wirklich reagiert

Expertenmeinung: Große Adressen, seien es breit investierende Fonds, Hedgefonds, Versicherungen oder Pensionskassen, tendieren dazu, in kritischen, unübersichtlichen Situationen erst einmal sicherheitshalber in allen Bereichen die Barreserven zu erhöhen und erst, wenn der Pulverdampf sich lichtet, zu entscheiden, wo es sich lohnen würde, wieder einzusteigen. So betrachtet kann es nicht wundern, dass Gold an diesem für bullische Aktienmarkt-Investoren höchst problematischen Tag nicht in Fahrt kam. Aber bleibt das auch so? Genau die Beweggründe, die momentan noch den Druck unterfüttern, könnten sich schnell ins Gegenteil verkehren, unter folgenden Voraussetzungen: 1. Der am Mittwoch kräftig durchsackende Euro/US-Dollar-Kurs dreht wieder nach oben. Der weist eine enge Korrelation zum Gold auf und war gestern ein mit entscheidender Grund, warum Gold gedrückt blieb. 2. Charttechnische Kursziele werden erreicht oder fast erreicht, so dass Trader auf der Short-Seite dazu neigen, ihren Gewinn einzustreichen, indem sie Short-Trades durch Long-Positionen neutralisieren und den Kurs damit höher ziehen. Und 3.: Diejenigen, die versuchen, Gold als „Beruhigungspille“ zu instrumentalisieren, erkennen, dass sich die Nervosität mit Druck auf Gold auch nicht mehr eindämmen lässt und geben ihre Short-Positionen zumindest teilweise auf. Würden mehrere dieser Voraussetzungen erfüllt, kann Gold aus dem Stand heraus auf einmal durchstarten. Das nächste charttechnische Kursziel wäre das Dezember-Tief bei 1.236 US-Dollar. Sobald sich Gold bei weiter fallenden Aktienmärkten dieser Zone auf fünf bis zehn US-Dollar annähert, dürfte es lohnen, da regelmäßig genau hinzusehen.

Chart vom 27.06.2018, Kurs 1.252,92 US-Dollar, Kürzel XAUUSD

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Was für ein Abverkauf! Rechnet man das Tageshoch des Donnerstags, als Gold den Ausbruch nach oben versuchte, mit hinein, waren es in der Spitze knapp 35 US-Dollar in wenig mehr als einem Handelstag, die der Goldpreis nach unten durchgereicht wurde. Aber ist das schon genug, um einen neuen Baisseschub einzuläuten? Richtig ist, dass der vergebliche Versuch, nach Wochen des lethargischen Seitwärts-Geschiebes im Handstreich über die 200-Tage-Linie hinauszukommen, dadurch sehr eindeutig ausgekontert wurde. Statt Rallye sahen die Akteure auf einmal rapide durchsackende Kurse, das ist angetan, den Bullen die Gegenwehr zu verleiden. Richtig ist ebenso, dass dadurch ein neues Jahres-Verlaufstief markiert wurde, das ist potenziell natürlich bärisch. Allerdings sehen wir im Chart, dass der Trendfolgeindikator MACD noch nicht ganz auf Verkauf gedreht hat und der Kurs an einer aus den Tiefs vom Juli und Dezember 2017 zu konstruierenden Aufwärtstrendlinie bei 1.272 US-Dollar erst einmal eine nahe liegende Unterstützung finden könnte. Diese Linie sollte ebenfalls auf Schlusskursbasis brechen, dann würde auch der MACD sein Abwärts-Signal generieren, dann wäre Abwärtspotenzial bis zur nächsten Auffanglinie bei 1.240 US-Dollar und die Weichen aus charttechnischer Sicht tatsächlich zu Gunsten der Bären gestellt. Kommt es dazu?

Expertenmeinung: Würde der Goldpreis noch allgemein als „sicherer Hafen“ bei kritischen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft angesehen, müsste er eigentlich mit Blick auf die aus den USA kommenden Risiken für den Welthandel und die anziehenden Zinsen zulegen. Aber das Auf und Ab des Goldes wird mehr und mehr von charttechnisch orientierten Tradern dominiert; als Krisenbarometer hat es, zumindest vorerst, ausgedient. Interessanter ist da die Korrelation von Euro/US-Dollar und dem Goldpreis. Fällt der Euro, steigt der US-Dollar, fällt Gold oft mit. So gesehen könnte man auf den ersten Blick unterstellen, dass dieser Abverkauf nur eine Reaktion auf den nach der EZB-Entscheidung markant abrutschenden Euro gewesen sei. Aber der Euro fiel vor allem am Donnerstag, Gold sah das Gros der Verkäufe hingegen erst am Freitag. Das wirkt sehr aufgesetzt. Fazit: Es spräche zwar nichts dagegen, dass Gold auch die in ihrer Tragfähigkeit noch nicht getestete Aufwärtstrendlinie bei 1.272 US-Dollar bräche, aber das ist auch keineswegs zwingend. Wir sehen hier bislang nur eine gezielte Attacke auf Trading-Ebene, die erst dann den Status eines tragfähigen Short-Signals erreichen würde, sollte Gold zeitnah unter eben dieser Linie schließen.

Chart vom 15.06.2018, Kurs 62,32 Euro, Kürzel DAI

Immer, wenn die Lage an den Börsen ernst wird, wenn es in der Geopolitik knistert, Währungen wanken oder ein wirtschaftlicher Abschwung droht … also immer dann, wenn die Gefahr deutlich nachgebender Aktienmärkte besteht, ist Gold neben Anleihen ein sogenannter „sicherer Hafen“, in den die Anleger ausweichen und das dementsprechend steigt. Soweit die allgemeine Meinung und die Erfahrungen der Börsengeschichte. Aber historische Fakten sind an der Börse nicht in Stein gemeißelt. Gold ist mittlerweile kein sicherer Hafen mehr. Je mehr Derivate auf Gold zu handeln waren und dann auch gehandelt wurden, desto mehr bewegte sich Gold vom Sicherheitspolster eines Depots hin zu einer Spielwiese für kurzfristige Trader – und zu einem Werkzeug, mit dem sich die Stimmungslage der Anleger beeinflussen lässt. Denn der Nimbus des angeblich sicheren Hafens haftet dem Edelmetall weiterhin an, so schnell verschwindet das nicht aus den Köpfen. Und so lässt sich in diesem gegenüber Währungen und Aktien eher engen Markt trefflich „Stimmung machen“: Wenn Gold abwärts tendiert, kann die Lage an den Märkten nicht negativ sein, denken viele unterschwellig, sonst müsste hier doch eine Rallye entstehen. Oft war zu beobachten, dass Gold zügig unter Druck kommt, wenn insbesondere die US-Aktienindizes ins Wanken geraten. Da ist dann viel gezielte „Stimmungsmache“ im Spiel: Große Adressen drücken Gold, um zu verhindern, dass die Anleger am Aktienmarkt nervös werden. Was bedeutet:

Expertenmeinung: Man sollte sich heutzutage hüten, stur auf eine Goldpreis-Rallye zu warten, nur, weil derzeit Rahmenbedingungen herrschen, die das von zwanzig Jahren noch nahezu sicher ausgelöst hätten. Es ist unbedingt ratsam, beim Trading mit Gold stur die Charts als Orientierung zu nehmen, denn das tun die meisten, die hier aktiv sind, mittlerweile auch: sie traden. Und damit wäre die Wahrscheinlichkeit, dass der Goldpreis kurzfristig nach unten tendiert, hoch. Denn wir sehen hier eine abgeschlossene, von Januar bis Mitte Mai währende Toppbildung, die im Augenblick einen Pullback an den Ausbruchslevel sieht, mit guten Chancen, den Weg nach unten bald wieder aufzunehmen. Die für die Vollendung des breiten Topps entscheidende Zone zwischen 1.296 und 1.306 US-Dollar wurde Mitte vorvergangener Woche von unten wieder angegangen. Aber genau auf Höhe der diese Zone bei 1.308 US-Dollar als Widerstand verstärkenden 200-Tage-Linie wurde Gold vergangene Woche mehrfach nach unten abgewiesen, zudem gelang kein Schlusskurs über der fallenden, momentan bei 1.300 US-Dollar verlaufenden 20-Tage-Linie. Das zeugt von einer aktiven und effektiven Verteidigung entscheidender Charthürden durch bärische Trader. Würde Gold über diese Zone hinaus laufen können, wäre nach oben wieder einiges möglich. Aber solange das nicht gelingt, bleibt die Unterseite klar favorisiert und ein Anlauf an die Supportlinie bei 1.237 US-Dollar in Sicht, sobald der Kurs unter dem bisherigen Tief der Abwärtsbewegung bei 1.282 US-Dollar schließen sollte.

Chart vom 04.06.2018, Kurs 1.291,85 US-Dollar, Kürzel XAUUSD

Dass der US-Präsident das Iran-Atomabkommen am Dienstag aufkündigen würde, hatten die Spatzen in den Tagen zuvor schon von den Dächern gepfiffen. Dass er es aber sofort und bedingungslos tun würde und sofortige Sanktionen in Kraft treten werden, es also keine Schonfrist für letzte Verhandlungen geben werde, hatten wohl nur wenige erwartet. Aber der große Kursrutsch am Aktienmarkt und ein gewaltiger Sprung der Ölpreise, beides blieb am Dienstag zunächst aus. Denn noch ist offen, ob sich die Konsequenzen dieses Schritts auf die verbale Ebene beschränken oder ob daraus eine deutlich kritischere Sicherheitslage weltweit und eine zusätzliche Abkühlung des politischen Klimas zwischen den USA und dem Rest der Welt entstehen werden. Ohne entsprechend negative Reaktionen und ohne nennenswerte Bewegungen des Euro/US-Dollar-Kurses mochten sich beim Gold weder die Bullen noch die Bären am Abend zu weit aus dem Fenster lehnen. Der Tag endete ohne nennenswerte Kursveränderung zum Vortag und damit grundsätzlich mit einem Patt. Aber die charttechnische Konstellation ist dergestalt, dass man davon ausgehen darf, dass sich diese Seitwärtsbewegung nicht lange halten kann: Eine Entscheidung ist fällig – und die kann in beide Richtungen einen Impuls um die 50 US-Dollar nach sich ziehen. Sehen wir uns den Chart an:

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Expertenmeinung: Sie sehen, dass der Goldpreis seit Januar in einer Toppbildung begriffen ist. Versuche, nach oben auszubrechen, wurden in der Region zwischen 1.357 und 1.366 US-Dollar abgewiesen. Und selbst wenn höhere Kurse erreicht worden wären: Bei 1.375 und 1.392 US-Dollar hätten gleich weitere, längerfristig relevante Widerstände gelauert, bevor der Weg nach oben frei gewesen wäre. Doch dass sich diese Toppbildung bereits Monate hinzieht bedeutet auch, dass das Lager der Bullen noch nicht das Handtuch geworfen hat, die Chance auf einen Ausbruch nach oben weiterhin bestünde – vorausgesetzt, eben dieses Topp würde nicht vollendet. Nahe dran ist das Bären-Lager zwar, aber noch nicht „durch“. Die entscheidende Unterstützungszone ist der Bereich zwischen 1.296 und 1.306 US-Dollar. Am oberen Ende dieser Zone verläuft zudem die wichtige 200-Tage-Linie. Und genau die hält seit sechs Handelstagen stand. Mehr aber auch nicht, das heißt, die Käufer sind bislang nicht imstande, aus der Verteidigung der Linie ihren Nutzen zu ziehen, den Goldpreis wieder in Richtung der oberen Begrenzung der das potenzielle Topp ausmachenden Handelsspanne zu ziehen. Wer wird sich durchsetzen? Das wird entscheidend davon abhängen, wie die Investoren insgesamt den US-Ausstieg aus dem Iran-Atom-Deal werten, sobald deutlicher wird, wie sich die Konsequenzen genau darstellen. Aber die charttechnischen Ankerpunkte, deren Überkreuzen für das jeweilige Lager den Weg freimachen würden, die lassen sich bereits jetzt gut fixieren: Schlusskurse klar unter 1.296 US-Dollar würden aus charttechnischer Sicht den Weg in Richtung 1.240 US-Dollar freigeben. Schlusskurse über der 20-Tage-Linie bei 1.328 US-Dollar als nächstgelegenem Widerstand würden einen erneuten Anlauf an die Widerstandszone 1.257/1.266 US-Dollar erwarten lassen. Es sollte lohnen, Gold in den kommenden Tagen nicht aus den Augen zu lassen.

Chart vom 08.05.2018, Kurs 1.314,37 US-Dollar, Kürzel XAUUSD

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