Zurück Oktober Weiter
Zurück 2018 Weiter

TecDAX: Historische Analysen der letzten 6 Monate

Index-Portrait und Kursentwicklung: TecDAX
Datum

Titel

Analysis

Die erste Woche im neuen Quartal begann mit Käufen. Aber sie endete unterhalb des Schlusskurses, den der TecDAX zum Ultimo des dritten Quartals eine Woche vorher auswies. Das ist ernüchternd, alleine, weil es eben ein Fehlstart wurde. Und wie so oft kommen dann Fragen wie „warum jetzt“ oder „warum fällt der TecDAX überhaupt“?

Die Antwort wirkt ebenso lapidar wie unbefriedigend, aber sie Börse funktioniert eben so: Offensichtlich war es mit dem Optimismus der Marktteilnehmer nicht so weit her wie viele hofften. Und bei einem Umfeld, das genügend Argumente liefern würde, um eher vorsichtig zu sein, reicht es oft aus, wenn die ersten Akteure das Handtuch werfen, um eine Massenflucht auszulösen. Zumal, der Chart zeigt es ja:

Kurzfristig hatte das bullische Lager den Trend nicht gerade zum Freund, der September war für den TecDAX ein äußerst schlechter Monat gewesen. Aber ob man es „Massenflucht“ oder „Lawine“ nennen will: Noch ist es dazu nicht gekommen. Der TecDAX wäre zwar jetzt für ein solches Szenario in Startposition. Aber erst, wenn die nächstgelegenen, jetzt angesteuerten Unterstützungen auch wirklich gebrochen sind, würde der Abwärtstrend des Index von der kurzfristigen auf die mittelfristige Ebene gehoben.

Sie sehen im Chart auf Wochenbasis, dass der Index durch den Abgabedruck des Donnerstags und des Freitags an eine massive Unterstützungszone herangelaufen ist, die auf der Unterseite durch die obere Begrenzung des aus dem Jahr 2014 stammenden Aufwärtstrendkanals bei 2.640 Punkten abgeschlossen wird. Bis dahin wären es noch vier Prozent Spielraum. Darunter allerdings dürfte es schnell herbstlich für die Bullen werden. Da wäre noch das Juni-Tief bei 2.625 Punkten als mögliche Haltemarke.

Aber diese Linie ist weit weniger mächtig als die darüber liegenden. Ob ausgerechnet die dann standhalten würde, ist daher fraglich. Ein Abrutschen in Richtung von 2.400 Zählern wäre dann die wahrscheinlichere Variante. Aber wie gesagt: Noch wäre der TecDAX zu retten.

Chart auf Wochenbasis vom 05.10.2018, Kurs 2.745,14 Punkte, Kürzel TDX

Denn mit den Abschlägen des Freitags ist der Index an die markante Kreuzunterstützung aus den Zwischenhochs vom Januar und März sowie der 200-Tage-Linie im Bereich 2.726/2.736 Punkte herangelaufen. Dass er nahe am Tagestief schloss, ihn also womöglich nur das Handelsende davor bewahrte, dort hindurch zu rutschen, ist eine Sache.

Aber zu diesem Zeitpunkt war völlig offen, ob die Wall Street, die in diesem Moment intensiv abwärts tendierte, weiter fällt, es womöglich zu äußerst negativen Vorgaben aus Übersee für den Start in die Woche käme. Doch dort gelang es, zumindest allzu heftige Abschläge zum Wochenschluss zu verhindern. Das kann eine Motivation sein, diesen jetzt äußerst dünnen seidenen Faden, an dem der TecDAX hängt, zu nutzen, um sich von dieser Supportzone aus wieder nach oben zu schwingen. Aber:

Der TecDAX müsste schon mindestens über 2.865 Punkten und damit über der jetzt nach unten durchbrochenen Seitwärtsspanne schließen, um kurzfristig wieder auf festerem Boden zu stehen. Auf der Unterseite aber würde der Bruch der jetzt erreichten Auffangzone 2.726/2.736 Punkte den ersten, ein Schlusskurs unter 2.640 Punkten den zweiten Streich zu Gunsten eines bärischen Herbsts bedeuten.

Chart auf Tagesbasis vom 05.10.2018, Kurs 2.745,14 Punkte, Kürzel TDX

Der DAX steigt, der TecDAX bricht einfach nach unten weg – das ist ungewöhnlich. Und jetzt taucht dieses Phänomen schon den zweiten Tag in Folge auf, was noch seltener ist. Bekommen die Bären hier bald ihren Einsatz? Ist das die Vorstufe zu einer größeren Baisse?

Das ist zwar möglich, aber nicht wegen dieser beiden Tage mit höchst ungewöhnlicher Schwäche. Denn dass der TecDAX in einem ansonsten charttechnisch bullischen Aktienmarkt so sehr aus der Reihe tanzt, liegt an einem nur auf den ersten Blick verblüffenden „Favoritensterben“.

Am Mittwoch war es unter anderem der Überflieger Evotec, der wegbrach. Gestern wurden mit Nemetschek und Wirecard die beiden Spitzenreiter in der bisherigen Jahresperformance massiv gedrückt, Nemetschek mit -12,79 Prozent sogar nahezu pulverisiert. Dass ausgerechnet die Super-Performer auf einmal – und allesamt ohne neue Nachrichten – derart heftig unter Druck geraten, kann kein Zufall sein. Aber was steckt dahinter?

Im ersten Moment könnte man sich der Gewohnheit vieler Investoren, auch großer Adressen, entsinnen, im Fall einer kritisch werdenden Gemengelage die Barreserven hochzufahren, indem man bei den am besten gelaufenen Aktien gewinne mitnimmt, statt Verlustpositionen konsequent zu verkaufen. Was eine typische emotionale Entscheidung ist, denn man fühlt sich einfach besser, wenn man Gewinne realisiert, statt ein Minus zu verbuchen.

Aber warum sollte das nur beim TecDAX so sein, während der DAX zeitgleich massiv zulegt und an der Wall Street am Donnerstag auch der Technologiesektor der Nasdaq stieg? Es muss also einen anderen Grund geben. Und den gibt es auch:

Den heutigen Abrechnungstermin an der Terminbörse. Grob formuliert machen diejenigen, die anderen Optionen verkaufen, die sogenannten „Stillhalter“, am meisten Gewinn, wenn die von ihnen verkauften Optionen wertlos verfallen. Bei Aktien wie Evotec, Nemetschek und Wirecard dürften äußerst viele auf trendkonforme Call-Optionen gesetzt haben.

Wären diese Aktien bis heute zur Abrechnung weiter gestiegen, hätten die Stillhalter diese Aktien an die Call-Besitzer liefern müssen und kräftig Verlust gemacht. Wenn die Aktien aber rechtzeitig wegbrechen, verfallen viele Call-Optionen wertlos. Und wenn man bedenkt, dass die meisten Stillhalter große Adressen sind, die imstande sind, solche Aktien zu bewegen, liegt es nahe, dass diese Abverkäufe ganz gezielt vorgenommen wurden. Was wiederum heißt:

Diese Schwäche des TecDAX könnte nur sehr kurzfristiger Natur sein. Denn sobald die Abrechnung der Optionen heute zum Handelsende vorüber ist, ist dieses Argument, diese Aktien und in ihrem Schlepptau automatisch den TecDAX zu drücken, vom Tisch. Es ist gut möglich, dass Evotec, Nemetschek, Wirecard und andere, gut gelaufene und plötzlich unter Druck geratene Aktien ihre Verluste ab Montag wieder aufholen. Aber Vorsicht, „möglich“ heißt nicht „sicher“:

Dass DAX, Dow Jones und der S&P 500 auf einmal wie geschnitten Brot laufen, ist auch auf diesen Abrechnungstermin, der nicht umsonst seinen Spitznamen „Hexensabbat“ trägt, zurückzuführen. Wenn diese wie magisch steigenden Indizes kommende Woche wieder nach unten drehen, kann das die Erholung des TecDAX ausbremsen.

Denn eines ist klar: Die Gemengelage ist nicht bullisch, sondern von Unsicherheit geprägt. Handelskrieg, Brexit, die Problemzonen Türkei und Italien, der wieder spürbar anziehende Euro zum US-Dollar: All das sind Argumente, die dazu führen können, dass Investoren bei stark gestiegenen Aktien und Indizes das erreichte Niveau für Verkäufe nutzen könnten. Und allzu weit entfernt liegt die mittelfristig entscheidende Unterstützungszone des TecDAX nicht:

Chart auf Wochenbasis vom 20.09.2018, Kurs 2.824,77 Punkte, Kürzel TDX

Zwischen 2.630 und 2.730 Punkten verlaufen zahlreiche mittelfristig relevante Unterstützungslinien. Würde der TecDAX diesen Bereich mit Schlusskursen unter 2.600 Punkten hinreichend deutlich durchbrechen, wäre damit ein massiv bärisches Signal entstanden. Und was die Oberseite angeht, kann die relative Schwäche zum DAX zwar schnell verschwinden.

Aber das kann auch passieren, indem der DAX nach dem Abrechnungstermin dem TecDAX nach unten folgt. Daher wäre es riskant, auf eine Erholung des TecDAX zu setzen, ohne dafür entsprechende Belege im Chart zu sehen. Das Minimum wäre die Eliminierung der beiden letzten schwachen Tage und der Rebreak über die 20-Tage-Linie durch Schlusskurse über 2.950 Punkte. Unterhalb dieses Niveaus bliebe der TecDAX für eine mittelfristige Wende anfällig.

Chart auf Tagesbasis vom 20.09.2018, Kurs 2.824,77 Punkte, Kürzel TDX

Anfang des Monats kam der TecDAX kräftig unter die Räder, nachdem es misslungen war, an den Ende August erzielten Hochs vorbei zu ziehen. Mit einem „bearish engulfing pattern“ sackte der Index durch, sah am Folgetag umgehende Anschlussverkäufe – und seither ist Wassertreten angezeigt. Das wirkt deshalb seltsam, weil der Index nicht nur auf den ersten Blick in charttechnischem Niemandsland in eine Seitwärtsbewegung auf engem Raum übergegangen ist. Das bleibt auch bei genauerer Betrachtung und unter Einbeziehung des langfristigen Chartbilds auf Wochenbasis so. Wirklich seltsam?

Ungewöhnlich vielleicht, aber seltsam nicht, wenn man seinen Blick auf den Kalender richtet. Denn am Freitag ist ein Abrechnungstermin für Optionen auf Aktien und Indizes am Optionsmarkt, der übrigens weltweit immer am 3. Freitag eines Monats stattfindet, also z.B. auch an den Börsen in Tokio oder New York. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die großen Adressen am Terminmarkt versuchen, ein Abrechnungsniveau zeitig „festzuzurren“, das für ihre eigene Strategie optimal ist.

Gerade in Monaten wie dem September, in denen keine Quartalsbilanzen das Bild auf den Kopf stellen können und in einer Abrechnungswoche wie dieser, in der keine Notenbankentscheidung ansteht (Bank of England und EZB liegen hinter uns, die US-Notenbank steht erst kommende Woche an) hat man da gute Chancen, in einer solchen Seitwärtsrange ins Ziel der Abrechnung am Freitag zu kommen. Aber:

Zum einen kann es jederzeit noch zu einer unerwartet starken Bewegung kommen, die die großen Adressen an der Terminbörse zwingen würde, ihre Positionen abzusichern oder anders zu strukturieren. Zum anderen ist der Freitag nahe – und wie ginge es dann weiter, sollte der TecDAX im Bereich um die 2.900er-Marke ins Wochenende gehen?

Beide Fragen haben dieselbe Antwort: Die Charttechnik gibt die Vorlagen. Und weil eine wichtige Widerstandslinie ebenso nahe ist wie eine wichtige Kreuzunterstützung, versucht man, den TecDAX innerhalb der Zone zwischen diesem oberen und dem unteren charttechnischen Ankerpunkt zu halten um zu verhindern, dass er so kurz vor der Options-Abrechnung noch einen starken Impuls beginnt, der die „Pläne“ der Terminbörsen-Akteure auf den Kopf stellt. Deswegen schiebt sich der Index gerade in einer charttechnisch scheinbar irrelevanten Zone seitwärts. Aber ob das schiefgeht und ein solcher Impuls doch noch vor dem Freitag startet oder erst zu Beginn der kommenden Woche, wenn die Abrechnung über die Bühne ist: Die charttechnischen Ankerpunkte sind dieselben.

Chart auf Wochenbasis vom 17.09.2018, Kurs 2.904,21 Punkte, Kürzel TDX

Aus der Oberseite würde der TecDAX bullische Signale aussenden, wenn er mit Schlusskursen über 2.971 Zählern über den Monatshochs des Juni und Juli und zugleich über der 20-Tage-Linie schließen würde. Auf der Unterseite entstünde ein klar bärisches Signal, wenn die Kreuzunterstützung aus der April-Aufwärtstrendlinie und dem August-Tief bei 2.836 Punkten auf Schlusskursbasis gebrochen würde. Beide Entscheidungszonen liegen in Schlagdistanz. So gesehen sollte man auf den TecDAX ein Auge haben, denn dass die Erwartung der großen Adressen am Terminmarkt aufgeht, dass der Index bis Freitag in dieser relativ schmalen Zone bleibt, ist keineswegs sicher!

Chart auf Tagesbasis vom 17.09.2018, Kurs 2.904,21 Punkte, Kürzel TDX

Bei einem Anstieg von in der Spitze 20 Prozent in der bisherigen Bilanz des Jahres 2018 kann ein Minus von 1,25 Prozent, das der TecDAX am Dienstag hatte wegstecken müssen, doch kein Problem sein. Könnte man behaupten, sofern man felsenfest davon überzeugt ist, dass es sich dabei nur um einen kleinen Rücksetzer in einer Hausse handelt, die noch lange nicht am Ende ist. Doch wer ohnehin schon skeptisch den Kopf wog angesichts dieser die zahlreichen offenen Flanken des deutschen Aktienmarkts ignorierenden Aufwärtsbewegung, dürfte mit Blick auf dieses Minus konstatieren: Wehret den Anfängen!

Denn die Achillesferse von Aufwärtstrends, die ohne Geleitschutz bullischer Rahmenbedingungen ablaufen, ist der wankelmütige Faktor des Optimismus der Trader. Sobald der erst einmal anfängt zu wanken, kann es mit einem solchen Anstieg schnell vorbei sein. Denn solange die Rallye läuft, werden Gefahrenmomente gerne gelassen vom Tisch gewischt. Kippen die Kurse indes, kommen diese Risiken den vormals blind optimistischen Bullen schnell wieder in den Sinn. Und dann kommt es oft dazu, dass schon erste Warnschüsse dazu führen, dass die Wahrnehmung vieler Marktteilnehmer schlagartig von rosarot in schwarz umschlägt.

Solange die Bären einem intakten, dynamischen Trend gegenüberstehen, bleiben sie natürlich trotz aller Argumente, die sie für eine Wende nach unten ins Feld führen könnten, im Hintergrund. Wozu sollte man sich einem Aufwärtsimpuls entgegenstellen, der noch so viel Schwung zeigt, dass man darauf hoffen kann, Short-Trades auf noch höherem Niveau etablieren zu können. Ein Handelstag wie der gestrige wäre indes geeignet, die Stimmung umschlagen zu lassen.

Der Dienstag sah zunächst mit 3.049,60 Punkten knapp ein neues Jahres-Verlaufshoch, dann aber schloss der TecDAX unterhalb des Eröffnungskurses vom Montag. Daraus entstand ein „bearish engulfing pattern“, eine rote Kerze, die die grüne Kerze des Vortags komplett einhüllt und indiziert, dass die Bullen außerstande sind, neue Hochs zu verteidigen und das Bären-Lager die Kontrolle über das Geschehen erlangt haben könnte.

Das ist indes zunächst nur ein Warnsignal. Ein „bearish engulfing pattern“ wird erst zu einem Verkaufssignal, wenn eine umgehende Bestätigung der Formation durch eine erneute rote Kerze erfolgt. Wenn, müsste das bullische Lager also umgehend dagegen halten, dieses Warnsignal durch einen Kursanstieg egalisieren. Das wird eine äußerst spannende Angelegenheit, denn kaum drehten TecDAX und die anderen deutschen Indizes ins Minus, rückten die zuvor wenig beachteten Belastungsfaktoren wie Türkei-Krise, BrExit, Italien und Handelskrieg sofort wieder in die Schlagzeilen.

Chart vom 04.09.2018, Kurs 2.986,39 Punkte, Kürzel TDX

Sollte den Bullen der jetzt nötige Kraftakt misslingen, wäre bereits ein Schlusskurs unter der Kreuzunterstützung aus dem Juni-Hoch und der 20-Tage-Linie bei 2.950/2.956 Punkten ein charttechnisch bärisches Signal auf Trading-Ebene mit einem ersten Kursziel in den Bereich 2.725/2.733 Punkte. Mittelfristige Short-Signale würden erst anstehen, falls der Index wieder in den aus dem Herbst 2014 stammenden Aufwärtstrendkanal zurückfallen würde. Die dazu erforderlichen Schlusskurse unter 2.600 Punkten wirken im Moment utopisch. Aber wieder gälte es anzuführen: Wehret den Anfängen, denn kippt die Stimmung, könnte der TecDAX auch auf der Unterseite so manchen überraschen.

Chart vom 04.09.2018, Kurs 2.986,39 Punkte, Kürzel TDX

Je öfter eine Widerstandszone von den Bullen angelaufen wird, desto größer wird die Chance, dass sie irgendwann bezwungen wird, weil die Verkäufer ihren Widerstand aufgeben. Und je öfter im Vorfeld „angeklopft“ wird, desto intensiver wird die Rallye im Anschluss an den Ausbruch nach oben, weil die Verteidiger der Hürde immer wieder auf der Short-Seite dagegen halten mussten. Damit werden deren dort leer verkaufte Positionen oder Short-Positionen im Future immer größer. So groß, dass sie ihre Stoppkurse knapp über die umkämpfte Hürde legen müssen, um die Verluste in Grenzen zu halten, falls sie doch überrannt werden. Die dann bei Auslösung der Stopps nötigen Eindeckungen der Bären intensivieren den Ausbruch daher noch. Soweit die durchaus oft zutreffende Theorie.

Aber das gelingt nicht immer. Es finden sich durchaus Fälle, bei denen eine Widerstandszone trotz mehrfacher Belagerung nicht fällt, sondern die Kurse kräftig nach unten abdrehen und dieser Widerstand dadurch nur noch massiver wird. Es stellt sich derzeit die Frage, welche Variante für den TecDAX gelten wird. Gar so leicht, wie sich das mancher immer noch vorstellen dürfte, wird es in jedem Fall nicht, denn:

Davon abgesehen, dass die Saison der Quartalsbilanzen keineswegs nur positive Ergebnisse brachte, ist der Glaube, dass Technologietitel, wie sie im TecDAX vereint sind, die Folgen einer Eskalation des Handelskrieges ebenso wenig zu spüren bekämen wie eine Beeinträchtigung der EU-Wirtschaft durch eine wirtschaftlich instabiler werdende Türkei, nicht mehr als das: eine Hoffnung, die ohne logisches Fundament auskommen muss. Hinzu kommt, dass auch dem Aufwärtstrend des Index selbst ein wichtiges, tragendes Element fehlt:

Die nötige Marktbreite. Nur 15 der 30 Aktien notierten aktuell über ihrer 200-Tage-Linie. Da geht es gar nicht darum, dass die Mehrzahl der TecDAX-Titel an mehrjährigen Hochs notieren müsste, wenn der Index selbst solche Hochs angelaufen hat. Diese Zahl weist aus, dass nur die Hälfte der Index-Werte auch nur einen mittelfristigen Aufwärtstrend vorzuweisen hat. Kurz: Die Marktbreite dieser Aufwärtsbewegung ist schwach. Zu wenige Aktien tragen diesen Anstieg. Das macht ihn anfällig für Rückschläge. Denn die Säulen der Hausse werden immer weiter gekauft und damit immer teurer. Was irgendwann zu einem Punkt führt, an dem die schwachen Aktien schwach bleiben, die starken Aktien aber zu teuer sind und damit jederzeit durch kräftige Gewinnmitnahmen unter Druck kommen und den Index kippen können.

Chart vom 22.08.2018, Kurs 2.936,41 Punkte, Kürzel TDX

Bevor der TecDAX die jetzt belagerte Widerstandszone zwischen dem Hoch des 15. Juni bei 2.950 Punkten und dem bisherigen Jahres-Verlaufshoch vom 27. Juli bei 2.971 Punkten nicht mit Schlusskursen über der runden Marke von 3.000 Punkten glaubwürdig nach oben verlassen hat, wäre daher hinsichtlich neuer Long-Trades Vorsicht geboten.

Ein erneutes Scheitern an dieser Hürde muss aber nicht automatisch eine aussichtsreiche Short-Trading-Chance bedeuten. Wirklich gescheitert wäre das Bullen-Lager erst, wenn mit dem letzten markanteren Tief von Ende Juni bei 2.625 Punkten auch die darüber wartenden Zwischenhochs vom Januar und März sowie die 200-Tage-Linie erneut unterboten würden.

Chart vom 22.08.2018, Kurs 2.936,41 Punkte, Kürzel TDX

Während die großen europäischen Standard-Indizes ins Wanken geraten und weit von ihren Jahreshochs entfernt notieren, hätte es der TecDAX bis zu seinem Jahres-Verlaufshoch von 2.971 Punkten, das er am 27. Juli erreicht hatte, nicht weit: Etwas mehr als ein Prozent fehlen da nur, dann wäre er „durch“. Wobei man einschränkend hervorheben sollte: Dieses Hoch Ende Juli hatte das vorherige, im Juni bei 2.950 Punkten markiert, nur knapp geschlagen – und danach drehte der Index sofort wieder ab, hatte also eine Bullenfalle produziert.

Um einen signifikanten Ausbruch nach oben unterstellen zu können, müsste also mehr kommen, als nur ein knappes Überbieten der bisherigen Bestmarke. Ein Schlusskurs über der runden Marke von 3.000 Zählern wäre da schon zu fordern. Aber wäre der TecDAX dann auf sicherem, bullischem Terrain unterwegs? Das ist fraglich, denn auch, wenn es der „große Bruder“, der US-Technologieindex Nasdaq 100, vormacht und ebenso unmittelbar unter seinen Hochs notiert: Der ist kein allzu gutes Argument. Denn auch der Nasdaq 100 wandelt auf äußerst dünnem Eis. Grund:

Expertenmeinung: Derzeit ist die Meinung weit verbreitet, dass die Unternehmen der Technologiebranchen weder durch eine Eskalation des Handelskrieges noch durch ein durch die Türkei in den Sog gerissenes Europa oder Konfliktherde wie Iran und Nordkorea nennenswerte Probleme bekommen würden. Klassische Industriebranchen ja, die Technologieunternehmen nicht. Aber diese Behauptung hält keiner Überprüfung stand, es ist eben einfach nur eine „Meinung“, die sich durch die Käufe derer, die sie vertreten, vorerst selbst stützt.

Was den Bullen in die Karten spielen könnte ist der Umstand, dass die meisten Quartalsbilanzen der TecDAX-Unternehmen bereits auf dem Tisch liegen, so dass es bis Ende Oktober/Anfang November dauern würde, bis in den nächsten Zahlenwerken offenbar werden könnte, dass man da ein wenig zu gelassen agiert hat. Bis dahin könnte der TecDAX steigen, so die Überlegung. Aber das dachte man im Juni auch – und bekam wider Erwarten eine heftige Korrektur serviert. Hier nicht zu locker, sondern vielmehr höchst wachsam bullisch zu sein, wäre angebracht. Noch ist der Befreiungsschlag nach oben nicht gelungen.

Noch schleicht sich der Index an seiner 20-Tage-Linie entlang. Und der Trendfolgeindikator MACD hat bereits seine Signallinie knapp unterboten. Wenn die Bullen jetzt etwas „reißen“ wollen, muss der Ausbruch bald und mit Schlusskursen über 3.000 Punkten eindeutig erfolgen. Zieht sich das zu lange hin oder würde der TecDAX schnell zurückgeworfen, wäre ein Abrutschen unter das Anfang August markierte Zwischentief von 2.866 Punkten ein Signal, um sich erst einmal zurückzuziehen, sich ggf. sogar einen kleinen Short-Trade zu überlegen.

TDX_2018_08_14

Am Freitag hatte der TecDAX das bisherige, im Juni markierte Jahres-Verlaufshoch knapp überboten und den Handel nicht minder knapp auf einem Jahres-Schlusskurshoch beendet. Da waren Anschlusskäufe gefragt, um diesem höchst knappen bullischen Signal ein Fundament zu geben. Doch was folgte, waren keine Käufe, sondern Abgabedruck. Teilweise durch die wankende US-Technologiebörse Nasdaq verursacht, aber auch durch negative Reaktionen auf Quartalsbilanzen im TecDAX gelisteter Unternehmen, die die Erwartungen nicht zu erfüllen vermochten.

Noch wäre hier rein charttechnisch nichts angebrannt, noch ließe sich das als Rücksetzer deklarieren, ein „Anlauf nehmen“, bevor der Index deutlicher auf neue Hochs läuft. Ein Aspekt ist indes auffällig und Grund, zumindest eine gesunde Skepsis hinsichtlich des Aufwärtspotenzials an den Tag zu legen: Von den 30 im TecDAX notierten Aktien befinden sich gerade einmal 14 nahe an oder wenigstens einigermaßen in der Nähe ihrer Hochs der letzten zwölf Monate. Das ist verblüffend wenig.

Expertenmeinung: Der Index selbst hat seinen hohen Level durch eine Art Schaukelbewegung, eine regelmäßige Rotation bei denjenigen Aktien, die überhaupt einen Aufwärtstrend zeigen, erreicht. Für eine wirklich größere Bewegung nach oben müssten starke Quartalszahlen her, die imstande sind, auch bei den schwachen Aktien innerhalb des Index einen tauglichen Aufwärtsimpuls zu generieren. Aber derzeit reagiert man selbst bei erreichten Prognosen dünnhäutig. Gut ist da oft nicht gut genug, eine auffällige Parallele zur Nasdaq. Das Risiko, dass es sich hier mitnichten um einen kurzen Rücksetzer, sondern um eine Bullenfalle handelt, ist daher nicht zu unterschätzen.

Die 20-Tage-Linie, die Hochs aus dem Januar und März, die 200-Tage-Linie und das Juni-Tief bieten dem Index zwar gestaffelt Unterstützung. Aber dieses Juni-Tief liegt mit 2.625 Punkten fast zehn Prozent unter dem aktuellen Niveau – so weit sollte man sich auf der Long-Seite nicht mit nach unten ziehen lassen, sollte sich der Index tatsächlich nicht zügig fangen. Ein Stop Loss Long unterhalb der aktuell bei 2.847 verlaufenden 20-Tage-Linie wäre zumindest für aggressive Trader eine überlegendwerte, enge Absicherung für den „Fall der Fälle“!

Chart vom 31.07.2018, Kurs 2.883,22 Punkte, Kürzel TDX

Zwischen Mitte und Ende Juni zogen sich die Wolken über dem TecDAX immer dichter zusammen. Ein abverkaufter Ausbruch nach oben, das Unterschreiten wichtiger Unterstützungen, befeuert durch die Sorge, dass der seitens der USA angezettelte Handelskrieg nicht ohne Konsequenzen für die Gewinnperspektive der im TecDAX gelisteten deutschen Technologieunternehmen bleiben werde. Heute sieht das Bild plötzlich ganz anders aus:

Der TecDAX federte oberhalb seiner 200-Tage-Linie wieder nach oben. Die obere Begrenzung des 2014er-Aufwärtstrendkanals und die aus dem Herbst 2016 stammende Aufwärtstrendlinie, knapp unterhalb dieses wichtigen gleitenden Durchschnitts gelegen, wurden gar nicht erst touchiert. Pünktlich mit dem neuen Quartal kam Zug in den Index. Und jetzt ist er auf dem Sprung, das bisherige Jahres-Verlaufshoch, am 15. Juni bei 2.950 Punkten markiert, zu überwinden. Wie das?

TDX_2018_07_24_Day

Die Antwort auf diese Frage ist des Pudels Kern. Denn dafür gibt es keine Argumente, die wirklich belastbar wären. Die Unterstellung, dass dieser Handelskrieg schon nicht ausufern werde und wenn doch, dass er die Technologieunternehmen hinsichtlich möglicher Strafzölle ebenso verschonen würde wie in Bezug auf die Wachstumsaussichten, ist genau das: eine reine Unterstellung ohne taugliche Argumente.

Es ist die Hoffnung, die kauft, nicht die Faktenlage. Und das gilt umso mehr, als die Bilanzen für das zweite Quartal erst einmal auf den Tisch kommen müssten. Noch ist in keiner Weise absehbar, wie dieses Quartal für diese 30 im TecDAX vereinten Unternehmen gelaufen sein könnte.

Angenommen, die morgen anstehenden Verhandlungen zwischen den USA und der EU zum Thema Handel verlaufen positiv, dieser Sprung über das bisherige Jahreshoch könnte gelingen, die dafür noch fehlenden ca. 2,3 Prozent schnell überwunden ein. Aber wenn die wahrscheinlichere Variante eintritt, nämlich dass die Fronten sich danach eher noch verhärten, kann der TecDAX leicht schlagartig wegsacken.

Denn Hoffnungen gehören gemeinhin nicht zu den tragfähigen Fundamenten einer Rallye. Und dann bleiben ja zudem noch die Quartalsbilanzen, die in den kommenden zwei Wochen auch beim TecDAX zahlreicher eintreffen werden. Auch da müssen die Ergebnisse überzeugen. Zwei Fragezeichen und ein Index, der im Vorfeld der Antworten zehn Prozent in gut drei Wochen zugelegt hat:

Man sollte sich für den Fall wappnen, dass dieser Sprung an das bisherige Hoch in ein Luftloch führt. Die bei 2.781 Zählern verlaufende 20-Tage-Linie wäre eine taugliche Orientierung für einen Stop Loss Long. Und sollte er TecDAX wider Erwarten derer, die derzeit unbesorgt weiter einsteigen, mit Schlusskursen unter 2.625 Punkten die Kreuzunterstützung aus 200-Tage-Linie und dem Juni-Tief brechen, wäre er bereits wieder eine hochlukrative Beute für das Bären-Lager.

TDX_2018_07_24_Week

1,66 Prozent höher, ein starker Tag für den TecDAX. Und mit diesem Anstieg ist es gelungen, die Widerstandszone 2.726/2.733 Punkte zu überwinden. Knapp, noch nicht signifikant, aber immerhin. Jetzt noch über die 20-Tage-Linie bei aktuell 2.783 Punkten hinaus und der Weg wäre wieder frei an das Mehrjahreshoch, welches der Index im Juni erreicht hatte. Aber ob das alles wirklich so einfach ist? Kann, darf man diesem Braten trauen?

Vorsicht wäre da jetzt wirklich angebracht. Alleine der Anlass der gestrigen Rallye macht das deutlich. Eigentlich ist es ja schon ein dünnes Brett, dass die Automobilaktien und die Auto-Zulieferer am Donnerstag haussierten, weil ein die Politik umgehender Vorstoß der USA über das Sprachrohr des US-Botschafters die theoretische Chance auf die Vermeidung der von Trump angedrohten Strafzölle suggeriert. Denn hinterfragt man diese Vorgehensweise, kommt man zu dem Schluss: so nicht. Eine solche „Hintertürchen-Politik“ wird die EU nicht mit sich machen lassen.

Aber noch dünner ist das Brett beim TecDAX, denn was da am Donnerstag an der Spitze der Gewinnerliste stand, hatte mit dieser Strafzoll-Problematik gar nichts zu tun. Was beim TecDAX am stärksten stieg waren Aktien, die zuvor sehr spekulative Rallyes sahen und zuletzt kräftig gefallen waren. Und das lässt den Schluss zu, dass es hier vor allem Eindeckungen von Leerverkäufen gewesen sein könnten, die den Index höher getrieben haben, d.h. das Sichern von Gewinnen auf der Short-Seite durch den Kauf zuvor leer verkaufter Aktien bei den besonders volatilen TecDAX-Titeln wie Wirecard oder Siltronic.

Wäre diese Vermutung richtig, müssten jetzt Argumente folgen, die nach Eindeckungen der Bären echte Käufe der Bullen auslösen würden. Und da wird es eben knifflig: Allzu rosig sehen die Perspektiven eben nicht aus. Genau das hatte den TecDAX seit Mitte Juni gedrückt. Und daran hat dieses so sorgsam öffentlich gemachte „Geheimtreffen“ des US-Botschafters mit den Chefs der deutschen Autokonzerne nichts geändert. Ein Argument, um die Käufe fortzusetzen gäbe es indes noch, nur hat das den Nachteil, nicht nachhaltig zu sein, denn:

So vielversprechend dieser Kursanstieg im Chart auf Tagesbasis auch wirkt, wer sich das längerfristige Bild auf Wochenbasis ansieht erkennt sofort: Mittelfristig entscheidende Unterstützungen, deren Bruch die Lage sofort in eine bärische Konstellation überführen würde, sind gefährlich nahe. Oft löst das bei großen Adressen, die fürchten, im Fall eines Kippens des Trends nicht schnell und umfassend genug aus dem Markt heraus zu können, eine Flucht nach vorne aus: Man kauft, statt zu verkaufen, um aktiv bärische Signale zu verhindern. Was oft auch funktioniert, aber beileibe nicht immer.

Chart vom 05.07.2018, Kurs 2.743,05 Punkte, Kürzel TDX

Im Moment ist die Gesamtsituation für einen tragfähigen Aufwärtsimpuls einfach nicht günstig. Dass trotzdem versucht wird, den Index von den entscheidenden Unterstützungen fern zu halten, ist normal. Aber sollten sie trotz dieser „Flucht nach vorne“ fallen, wäre reichlich Abwärtsspielraum gegeben. Die entscheidende Zone ist der Bereich zwischen der Kreuzunterstützung aus der November 2016-Aufwärtstrendlinie und der oberen Begrenzung des 2014er-Aufwärtstrendkanals bei 2.530 Punkten und der 200-Tage-Linie bei aktuell 2.609 Punkten. Die nächste charttechnische Unterstützung wäre dann das bisherige Jahres-Verlaufstief bei 2.406 Punkten … und darunter käme dann erst einmal gar nichts.

Chart vom 05.07.2018, Kurs 2.743,05 Punkte, Kürzel TDX

Crashs sind eine absolute Seltenheit. Aber es ist durchaus nicht so, dass man sie deswegen einfach ausschließen dürfte. Und es ist eine landläufige, aber falsche Ansicht, dass sie völlig unerwartet kämen, über Nacht über die Anleger hereinbrechen würden. Oft, so wie der Crash 1987, häufen sich im Chartbild vorher die Warnsignale. Nur werden die von vielen Akteuren ignoriert, die weiterhin stur Long bleiben. Nicht wegen positiver Rahmenbedingungen (die dann meist längst eingetrübt sind), sondern, weil es so lange gutgegangen ist. Hinzu kommt noch oft eine im Chart vorab erkennbare „Lawinengefahr“. Das heißt, dass sich unterhalb eines kritischen „Punkt X“ zahlreiche weitere, wichtige Unterstützungslinien befinden. Zu einer Verkaufslawine kommt es, wenn Stop Loss-Verkaufsorders, die durch den Bruch der obersten Linie ausgelöst werden, so massiven Druck auslösen, dass sie den Kurs gleich unter die nächste mit vielen Stop Loss abgesicherte Auffanglinie drücken, diese Stop Loss auslösen, erneuten Druck generieren und somit die nächste Supportlinie brechen und so fort.

Und das könnte dem TecDAX blühen? Ja, wobei man, wenn man von Crashs spricht, ganz dick „könnte“ dazuschreiben müsste. Besser wäre, hier über das Risiko eines „kapitalen Kursrutsches“ zu sprechen. Was die Rahmenbedingungen angeht, muss man die nicht lange ausführen. Jeder ist sich darüber im Klaren, dass die sich verhärtenden Fronten im Handelskrieg in die Eskalation führen dürften. Doch was genau passieren wird, weiß angesichts der Unberechenbarkeit der US-Regierung niemand, der Schaden ist weder in seiner Größe absehbar noch könnte man abschätzen, welche Unternehmen es treffen könnte. Das ist wie ein Minenfeld, bedeutet große Unsicherheit. Und das ist Gift für den Aktienmarkt.

Was die Charttechnik und die dort aufgetauchten Warnsignale angeht, hat der TecDAX allerhand zu bieten. Zunächst sehen wir im Chart auf Wochenbasis, dass das Kursverhalten nach dem Anstieg über die Hochs des Frühjahrs ungewöhnlich war. Wir sehen eine nur geringe Neigung zu Anschlusskäufen. Erst in der vorvergangenen Woche startete der TecDAX durch … und dieses Durchstarten endete in einem „Shooting Star“, einer zwar grünen Kerze, deren langer oberer Docht aber zeigt, dass diese Rallye teilweise abverkauft wurde. Aus „teilweise“ wurde in der vergangenen Woche „ganz“. Und zum Wochenstart fiel der Index wieder dorthin, wo er im Mai hergekommen war: an die Hochs vom Januar und März.

Der Chart auf Tagesbasis zeigt, dass der Abverkauf der Rallye am 15. Juni stattfand. Das war der Tag des „dreifachen Hexensabbat“, der Abrechnung von Optionen und Futures. Das weckt sofort die Aufmerksamkeit der Trader, denn es deutet an, dass die Rallye womöglich nur auf diese Optionsabrechnung ausgerichtet und deswegen kurzlebig war. Und da kommt der Gedanke auf, dass dieser gesamte Anstieg über die Hochs des ersten Quartals nur eine Trading-Rallye gewesen sein könnte. Dass der TecDAX beim Abverkauf an diesem 15. Juni auch noch ein „bearish engulfing pattern“ produzierte, war ein weiteres Warnsignal im Candlestick-Chart. Hinzu kommt das Verkaufssignal im Trendfolge-Indikator MACD und der vergangene Woche erfolgte Bruch der 20-Tage-Linie. Der Versuch, die 20-Tage-Linie zurück zu erobern, wurde abverkauft … und mündete am Montag darin, dass der TecDAX auf den Hochs vom Januar und März bei 2.726/2.733 Punkten aufsetzte. Und die Gegenwehr des gestrigen Dienstags? Die war überschaubar. Das macht deutlich: Man hat die Gefahr erkannt. Kaum jemand mag zugreifen, weil alle sehen: Der Deich kann jeden Moment brechen.

Chart vom 26.06.2018, Kurs 2.745,36 Punkte, Kürzel TDX

Was die „Lawinengefahr“ angeht, zeigt der Tageschart: Die 200-Tage-Linie ist relativ nahe (2.597 Punkte). Würde die durch den Schwung eines Abverkaufs fallen, kann das den Index schnell bis in den Bereich der unteren Wendemarken ab November zwischen 2.406 und 2.464 Punkten drücken. Und das hieße, wenn Sie sich noch einmal den Wochenchart ansehen, neue Jahrestiefs und den Rückfall in den langfristigen Aufwärtstrendkanal mit erst einmal viel Spielraum nach unten. Ob es zu einem solchen Abverkauf kommt, ist offen. Klar ist aber eines: Es könnte jederzeit passieren, es sei denn, die Gesamtsituation hellt sich deutlich auf und der TecDAX würde klar über der derzeit bei 2.823 Punkten verlaufenden 20-Tage-Linie schließen.

Chart vom 26.06.2018, Kurs 2.745,36 Punkte, Kürzel TDX

 

Eigentlich, das war für erfahrene Trader nicht zu übersehen, sollte der TecDAX zur Abrechnung der Futures und Optionen am vergangenen Freitag auf einem neuen Jahreshoch aus dem Handel gehen. Aber der US-Präsident zeigte sich hinsichtlich der Wünsche der großen Akteure am Terminmarkt unsensibel und veröffentlichte ausgerechnet da seine Liste mit chinesischen Waren, die mit Strafzöllen belegt werden sollen. Der Index verlor dadurch einen Gutteil der Wochengewinne, schloss aber, rein auf Basis des Wochenschlusskurses betrachtet, dennoch auf einem neuen Hoch. Aber der lange obere Docht dieser Wochenkerze deutete schon Ungemach an. Denn kaum ein Index reagierte so heftig auf diesen nächsten Schritt im Handelskonflikt wie der TecDAX. Und das, obwohl typische „Opfer“ von gegen Europa gerichteten Strafzöllen eher in anderen Indizes zu finden wären. Und mit dieser einen Reaktion war es nicht getan. Der Zwischenstand auf Wochenbasis bis einschließlich Dienstag zeigt, dass dieser sehr schwache Freitag auf Anschlussverkäufe trifft. Am Montag blieb jeglicher Versuch, diese Scharte auszuwetzen, aus. Und am Dienstag sorgte erneut der US-Präsident für Druck, nachdem er in der Nacht seine potenzielle „Bestrafungsliste“ gegen China noch einmal erheblich verlängerte. Aber wieso trifft es den TecDAX so heftig?

Expertenmeinung: Das mag damit zusammenhängen, dass hier besonders viele Aktien zu finden sind, die eine hohe Aufmerksamkeit kurzfristig agierender, besonders spekulativer Tradern genießen. Und gerade diese Aktien, die Lieblinge der Trader wie Siltronic, Aixtron, S&T, RIB Software oder Wirecard, um nur einige zu nennen, zeigen sich seit Freitag extrem volatil. Hier geht ein kurzfristig zu hohes Risiko aus dem Markt heraus, könnte man sagen. Und das wäre eigentlich eine gesunde Entwicklung. Auf tieferem Niveau starke Aktien wieder einzusammeln, dafür könnte dieser Rücksetzer die Basis bieten. Aber nur, wenn die nächstliegenden, entscheidenden Unterstützungen halten. Und das werden sie nur, wenn sich die nicht zu unterschätzenden, zugleich aber in ihrer Größenordnung auch nicht einzuschätzenden Gefahren, die die US-Regierung mit ihrer „Strafzoll-Politik“ heraufbeschwört, verringern. Darauf zu setzen, wäre derzeit verwegen. Entscheidende Auffanglinien sind, das zeigt der Chart auf Wochenbasis besser als ein kurzfristiges Chartbild, zunächst die Zone der beiden Hochs vom Januar und März bei 2.726/2.733 Punkten. Darunter folgt dann bei 2.600 Punkten die 200-Tage-Linie und dann die wichtigste Unterstützung von allen: die obere Begrenzung des aus dem Herbst 2014 stammenden Aufwärtstrendkanals. Diese bei 2.530 Punkten verlaufende Linie stand zwischen Februar und Anfang April unter Dauerbeschuss, bevor sich der TecDAX zu dem jetzt erst einmal ausgebremsten Aufwärtsimpuls aufschwang. Würde diese Linie jetzt so zeitnah erneut getestet, wäre es fraglich, ob sie halten würde. Daher: Würde der TecDAX weiter korrigieren, kann das eine Chance sein, günstiger auf der Long-Seite hineinzukommen, aber da sollte man auf keinen Fall in fallende Kurse hinein einsteigen, sondern warten, bis zuvor unterbotene Unterstützungen zurückerobert wurden und so deutlich würde, dass die bullische Seite wieder genug Kraft hat, um das Ruder herumzureißen.

Chart vom 19.06.2018, Kurs 2.801,01 Punkte, Kürzel TDX

Es war mehr eine Flucht nach vorne als ein von positiven Nachrichten unterfütterter Ausbruch. Der Euro war auf dem Rückzug und stützte damit die Exportperspektiven europäischer Unternehmen, als der TecDAX Anfang Mai aus seiner zu Jahresbeginn etablierten, breiten Handelsspanne nach oben ausbrach und dadurch neue, mehrjährige Hochs erreichte. Aber schon da schien sich die Wachstumsdynamik weltweit abzukühlen. Und vor allem war klar, dass die US-Wirtschafts- und Handelspolitik mehr und mehr zu einer Wundertüte wird und Gefahren birgt, die schlicht nicht kalkulierbar sind. Anzunehmen, dass die schon zum ersten Quartal nicht mehr durchweg positiv überraschenden Quartalsbilanzen der TecDAX-Unternehmen im zweiten Quartal durchstarten könnten, wäre mit diesem Hintergrund verwegen, das kann nicht Basis dieses Ausbruchs gewesen sein. Zum Teil zog die Hausse des „großen Bruders“, der US-Technologiebörse Nasdaq, darüber hinaus dürfte es indes vor allem die vorgenannte „Flucht nach vorne“ gewesen sein, der Versuch, durch charttechnische Kaufsignale wieder Zug in den Index zu bekommen und damit aus Widerständen Unterstützungen zu machen, die den Index auffangen würden, sollte sich die Lage eintrüben. Man darf gespannt sein, ob das gelingt, denn:

Sie sehen in den Charts auf Wochen- ebenso wie auf Tagesbasis, dass der Ausbruch über die Hochs vom Januar und März bei 2.726 bzw. 2.733 Punkten relativ bald seinen Schwung verlor. Es fehlt an der unmittelbaren Motivation. Selbst wenn die Ergebnisse des zweiten Quartals gut ausfallen sollten, so muss man sich dahingehend doch noch über einen Monat gedulden, bis die ersten Zahlen einlaufen. Der Euro zieht aktuell schon wieder an, läuft somit in die falsche Richtung. Und was einen möglichen Handelskrieg angeht, war der G7-Gipfel am Wochenende keine Basis dafür, Entwarnung zu geben. Die Skepsis ist mit Händen zu greifen … und im Chart zu sehen:

Drei Warnsignale im Candlestick-Chart binnen drei Wochen: Das ist ein klares Signal dafür, dass das bullische Lager in die Defensive gerät. Sie sehen im Chart zwei Abendsterne (markiert mit 1 und 2), bei denen es gelang, die für die Wertung als bärisches Signal erforderliche Bestätigung durch eine unmittelbar folgende rote Kerze zu verhindern. Am Donnerstag folgte dann ein „bearish engulfing pattern (3). Auch da gelang es mit knapper Not, eine unmittelbar folgende, bestätigende rote Kerze zu verhindern und zum Handelsende die 20-Tage-Linie bei 2.803 Punkten knapp zu halten. Aber je öfter der Chart Schwäche andeutet, desto weniger Akteure dürften bereit sein, bärische Warnsignale durch eigene Käufe aktiv zu kompensieren. Und wie gesagt:

Chart vom 08.06.2018, Kurs 2.805,10 Punkte, Kürzel TDX
Eigentlich wäre der G7-Gipfel keine Motivation, hier heute beherzt zuzugreifen und den Index aus der aktuellen Handelsspanne nach oben hinaus zu tagen, einen Befreiungsschlag zu generieren. Sollte der TecDAX erneut Schwäche zeigen, sollte er unter 2.725 Zählern schließen, dann wäre die „Flucht nach vorne“ zum Bumerang geworden und der Index auf Trading-Ebene ein interessanter Short-Kandidat.

Chart vom 08.06.2018, Kurs 2.805,10 Punkte, Kürzel TDX

Bis Montag hing der Himmel für das bullische Lager noch voller Geigen, doch seither bestimmt Nervosität das Geschehen bei den Technologiewerten des deutschen TecDAX. Auch, wenn man sich zu Recht wundern darf, wieso die Angst vor einer Zerreißprobe der Eurozone erst zehn Wochen nach deren potenziellem Auslöser, der Parlamentswahl in Italien, aufkeimt: Jetzt verfolgen die Anleger die dortige Entwicklung gebannt. Und es ist ja nicht die einzige Baustelle, die das Wachstum deutscher Unternehmen gefährden könnte. Morgen treten die Strafzölle auf europäische Stahl- und Aluminiumimporte in die USA in Kraft … und zuletzt gab es nicht einmal mehr den Versuch, das noch abzuwenden. Ein „Nachschlag“ in Form von Strafzöllen auf Autos hängt im Raum und natürlich fragen sich die Anleger, was als nächstes käme. Und dann wäre da noch der Euro. Zunächst war dessen Abstieg vor allem zum US-Dollar der Nährboden des Anfang April entstandenen, dynamischen Aufwärtsimpulses. Aber zuletzt wurde der Abstieg des Euro mit der Sorge um die Perspektive der Eurozone in Verbindung gebracht und damit negativ gewertet … und am Mittwoch, als es zu einer kräftigen Gegenbewegung kam, erst recht. Auf einmal geht die Angst um. Und dass der TecDAX zur Wochenmitte wieder etwas zulegen konnte, reicht noch nicht aus, um die Gefahr zu bannen.

 

Expertenmeinung: Eine grüne Kerze am vergangenen Freitag, ein Doji oberhalb dieser Kerze am Montag und dann eine lange rote Kerze am Dienstag: Das ergibt einen perfekten, regelkonformen „Evening Star“ (Abendstern). Ein Warnsignal in der Candlestick-Lehre, die einen möglichen Trendwechsel nach unten indiziert. Dass dieser Evening Star auch noch zweimal auftrat, da eine vergleichbare Konstellation schon in den Tagen zuvor aufgetaucht war, erhöht die Dimension der Warnung noch. Zwar wäre eine solche Formation erst gültig und damit als Verkaufssignal bestätigt, wenn unmittelbar darauf eine weitere rote Kerze auftritt, sprich Anschlussverkäufe folgen. Das war weder in der vergangenen Woche noch gestern der Fall. Aber wirklich eliminiert wäre diese brenzlige Indikation erst, wenn der TecDAX das bisherige Hoch von 2.848 Punkten überwinden könnte. Gestern hielt die 20-Tage-Linie als nächstgelegene Unterstützung. Aber angesichts dieser problematischen Rahmenbedingungen muss diese Gegenwehr nicht zwingend vorhalten. Würde der TecDAX unter 2.720 Punkte schließen und damit wieder eindeutig in die vorherige, bis 2.405 Punkte hinunter reichende Handelsspanne zurückfallen, wäre der Abwehrkampf der Bullen gescheitert und der TecDAX auf Trading-Ebene ein Short-Kandidat.

Chart vom 30.05.2018, Kurs 2.798,48 Punkte, Kürzel TDX

Sie möchten an der Börse in Aktien investieren?

LYNX bietet Ihnen den Börsenhandel von Optionsscheinen, Aktien  und anderen Wertpapierklassen direkt an den Heimatbörsen an. Damit profitieren Sie von einem hohen Handelsvolumen und engen Spreads. Sie haben über LYNX außerdem die Möglichkeit Aktien leer zu verkaufen, um auch von fallenden Aktienkursen zu profitieren.

Profitieren Sie als Daytrader, Anleger oder Investor von dem ausgezeichneten Angebot von LYNX, denn wir ermöglichen Ihnen den preiswerten Handel von Aktien, ETFs, Futures, Optionen, Forex u.v.m. Nehmen Sie sich die Zeit, unsere Gebühren mit denen der Konkurrenz zu vergleichen und handeln Sie in Zukunft über unsere professionelle Handelsplattform.

Sie möchten ausländische Aktienkurse in Euro umrechnen? Dann nutzen Sie unseren Währungsrechner für über 130 Währungen.

Artikelserie: Die Technische Analyse – Lassen Sie Charts für sich arbeiten!

  1. Trends, Widerstände und Unterstützungen: Das Fundament jeder Analyse
  2. Trendwende- und Konsolidierungsformationen: Die wichtigsten Chartmuster in Trends
  3. Markttechnik: Mit diesen Indikatoren sind Sie komplett ausgerüstet
  4. Absicherung: Stoppkurse richtig setzen
  5. Candlestick-Charts: Was diese Charts alles können

Während der „große Bruder“, die US-Technologiebörse Nasdaq, noch klar unterhalb ihrer bisherigen Rekorde festhängt, hat sich der deutsche TecDAX selbständig gemacht und neue Hochs erreicht. Eine solche Rallye ohne US-Geleitschutz wirkt mutig. Aber es kann funktionieren, wenn geschieht, worauf die bullischen Trader setzen: dass die USA mit ihrer aggressiven Wirtschaftspolitik gegen eine Wand in Form eines ihnen geschlossen entgegen tretenden Rests der Welt laufen.

Die Meinungen hinsichtlich der Erfolgschancen, sich dem Druck der USA zu entziehen, sind geteilt. Nicht wenige fürchten, dass die Omnipräsenz des US-Dollars alleine Russland, China und Europa in die Knie zwingen werde. Doch diese Machtposition kann leicht zum Bumerang werden. Wen die USA vom US-Dollar-Zahlungsverkehr abschneiden, der bekommt Probleme mit Anleihen, mit dem Rohstoff-Import … fällt aber als Handelspartner mit den USA aus. Und das kann sich die US-Wirtschaft eigentlich nicht leisten. Es ist gut möglich, dass die US-Wirtschaft selbst ihrer Regierung einen Stock in die Speichen wirft, um diesen irrwitzigen Kollisionskurs zu beenden und Schaden von Unternehmen und US-Bürgern abzuwenden. So gesehen sind die, die derzeit beim TecDAX zugreifen, keineswegs blauäugig, denn:

Schon jetzt hat man den Eindruck, dass die US-Regierung mit dem so nicht erwarteten Widerstand nicht zurande kommt. Man hatte offenbar gedacht, dass sich alle Welt umgehend beugen werde, solange man nur kompromisslos und drohend genug auftritt. Gerade die bislang widerstandslose Wende des zuvor seit Trumps Amtsantritt gedrückten UD-Dollars und die immer höher steigenden US-Anleihezinsen deuten an: Viele große Adressen an den Märkten setzen bereits darauf, dass die USA dieses Spiel verlieren wird. Denn auch die steigenden Renditen der US-Anleihen sind vor allem eines: das Ergebnis erheblicher Verkäufe. Denn steigende Renditen bedeuten fallende Anleihekurse. Man beginnt, den US-Markt, ob nun Anleihen oder Aktien, zu meiden und sieht einen wieder nachgebenden Euro, der für die europäischen Exporteure wie ein warmer Regen ist. Das Pendel neigt sich wieder in Richtung Europa. Also greifen die Investoren zu … und es ist nicht auszuschließen, dass bereits erste international agierende institutionelle Investoren im Zweifel lieber in deutsche statt in US-amerikanische Titel investieren. So gesehen kann dieser Ausbruch des TecDAX mehr sein als ein kurzer Ausflug, zumal er aus charttechnischer Sicht makellos daherkommt:

Chart vom 18.05.2018, Kurs 2.805,99 Punkte, Kürzel TDX

Der Index war Anfang des Monats aus seiner seit Jahresanfang geltenden Handelsspanne nach oben ausgebrochen und zeigt bislang keine Schwäche. Dass ein zeitweiliges Plus am Freitag abverkauft wurde, dürfte noch kein Problem sein, denn da fand eine Abrechnung von Optionen an der Terminbörse statt, die oft zu kurzfristigen Verzerrungen führt. Besonders positiv zeigt sich das Bild im längerfristigen Zeitraster. Im Chart auf Wochenbasis sehen wir, dass der TecDAX die wochenlange Belagerung der oberen Begrenzung des 2014er-Aufwärtstrendkanals durch einen „Morning Star“ abgeschlossen hatte, der die erneute Verteidigung der 200-Tage-Linie einschloss. Mit dem Break über die bisherigen Jahreshochs wurde dieses bullische Signal bestätigt – das passt. Nichtsdestotrotz muss man immer damit rechnen, dass etwas anders läuft als gedacht und auf eine konsequente Gewinnsicherung achten. Hierfür würde sich mit einem Niveau um 2.700 Punkte ein Bereich anbieten, der knapp unter den vorherigen Topps und der wichtigen 20-Tage-Linie angesiedelt wäre. Denn sollte der TecDAX diesen Bereich wieder unterschreiten, wäre das ein starker Hinweis darauf, dass die Bullen womöglich doch zu hoch gepokert haben.

Chart vom 18.05.2018, Kurs 2.805,99 Punkte, Kürzel TDX

Im März hatte der TecDAX das im Januar markierte, mehrjährige Hoch nur sehr knapp überboten. Dieser Versuch eines Befreiungsschlags endete in einer Bullenfalle. Diesmal steht die Chance besser, dass der Index sich über den bisherigen Hochs etablieren kann, denn diesmal haben die bullischen Trader gleich zwei Argumente für anziehende Kurse auf ihrer Seite. Zum einen zieht das US-Vorbild, die Technologiebörse Nasdaq, aktuell ebenfalls an und liefert so motivierende Vorlagen. Zwar sehen wir an der Wall Street derzeit Käufe, die sehr nach einer „Defensiv-Rallye“ aussehen. Das heißt, es wird gekauft, um den Bruch wichtiger Unterstützungen zu verhindern und einen tauglichen Sicherheitsabstand zu diesen Linien zu schaffen. Das geht nicht selten daneben und hält noch öfter nur kurzfristig vor. Aber der Vorteil der Bullen hierzulande ist, dass einer der entscheidenden Gründe dafür, dass man an der Wall Street darauf bedacht ist, die Aktienindizes ja nicht in charttechnische Schieflagen geraten zu lassen, ein guter Grund ist, hierzulande optimistisch zu sein: Der Euro gibt nach, der US-Dollar zieht an, wodurch sich das Pendel der günstigen Währung zumindest wieder ein wenig in Richtung der europäischen Unternehmen neigt. Konsequenz:

Expertenmeinung: Auch, wenn nicht gerade wenige deutsche Unternehmen im Zuge ihrer Quartalsbilanzen des ersten Quartals den zu hohen Euro als Grund für verfehlte Analystenerwartungen bei Umsatz und Gewinn nannten, hoffen diejenigen, die derzeit einsteigen, darauf, dass sich dieses Problem im laufenden zweiten Quartal durch den Abstieg des Euro zum US-Dollar von alleine erledigt. Und in der Tat: Würde man diesen Währungsfaktor herausrechnen, hätte so manche Bilanz, die „nur“ ordentlich daherkam, ganz hervorragend ausgesehen. So betrachtet wirkt es, als könnte den TecDAX-Bullen überhaupt nichts passieren: Fällt der Euro, ist es gut. Fällt die Nasdaq, weil der US-Dollar steigt, macht es auch nichts, weil dafür der Euro fällt. Und fällt der Euro und die Nasdaq steigt trotzdem, wie es am Montag der Fall war – umso besser. Aber auch, wenn es derzeit aus charttechnischer Sicht eine gute Chance gäbe, dass Euro/US-Dollar weiter, zumindest in Richtung 1,1550/1,1615 US-Dollar, nachgeben würde: Sicher ist an der Börse bekanntlich nichts. Es kann durchaus auch passieren, dass beide derzeit positiven Vorlagengeber in die falsche Richtung laufen. Noch also sollte man eine Bullenfalle nicht einfach ausschließen. Ein Aufstocken bestehender Long-Trades sollte mit einem konsequenten Nachziehen der Gewinnsicherung einhergehen, wobei sich derzeit ein Level um 2.640 Punkte anbieten würde, ein Niveau, das heute von der 20-Tage-Linie erreicht würde, die sich beim letzten kleinen Rücksetzer Ende April bereits als Unterstützung bewährt hatte.

Chart vom 07.05.2018, Kurs 2.754,28 Punkte, Kürzel TDX

Betrachtet man sich alleine den Tageschart des TecDAX, kommt man zum Schluss, dass der sich seit Oktober in einer Seitwärtsbewegung befindet. Das klingt harmlos. Dass mehrere Versuche, sich aus dieser Spanne nach oben abzusetzen, misslungen sind, ist sicherlich nicht optimal, aber kein Grund für die Bullen, es nicht erneut zu versuchen und dann erfolgreich zu sein. Immerhin hat die Zone zwischen 2.400 und 2.450 Punkten mehrfach gehalten. Und gerade zuletzt wurde die nur für einen Tag leicht unterbotene 200-Tage-Linie dabei verteidigt. Und der Stochastik-Oszillator auf Tagesbasis generiert gerade aus der überverkauften Zone heraus ein Kaufsignal. Kein Grund also, sich allzu viel Gedanken über einen größeren Abwärtsimpuls zu machen. Oder doch?

Blickt man über den kurzfristigen Tellerrand hinaus und sieht sich den Index auf Wochenbasis an, sieht das schon ganz anders aus. Da wird deutlich, dass die Gegenbewegung der vergangenen Tage äußerst dringlich war. Man sieht, dass sich ein Doppeltopp herausgebildet hatte, welches vollendet worden wäre, wenn der TecDAX in der vergangenen Woche nicht wieder nach oben gelaufen wäre. Und nicht nur das: Die 200-Tage-Linie als mittelfristig wichtige Unterstützung war nicht die einzige mittelfristig relevante Linie, die für den Moment gehalten wurde, in diesem Bereich findet sich auch die bei 2.480 Punkten verlaufende, obere Begrenzung des bis in den Herbst 2014 zurück reichenden Aufwärtstrendkanals. Was bedeutet:

Das bullische Lager kann jetzt noch keineswegs erleichtert aufatmen, sondern muss am Ball bleiben, um hier einen tauglichen Sicherheitsabstand aufzubauen. Sollte der TecDAX das Vorwochentief von 2.406 Punkten unterschreiten, wäre das ein markantes Short-Signal. Und auch, wenn sich auf kurzfristiger Ebene schon im Bereich 2.310/2.330 Punkte die nächsten potenziellen Auffanglinien fänden: Grundsätzlich wäre es dann auch denkbar, dass der TecDAX die untere Begrenzung dieses Trendkanals, die derzeit bei nur 1.920 Punkten verläuft, testet. Was müsste dazu passieren?

Die wichtigsten Vorlagen für den TecDAX kommen vom US-Technologie-Index Nasdaq 100. Wenn der unter 6.164 Punkte fiele und damit neue Jahrestiefs markieren würde, ist es wahrscheinlich, dass der TecDAX mitzieht. Auch ein weiter anziehender Euro zum US-Dollar würde problematisch wirken, eine Eskalation der US-Handelspolitik ebenso, denn das würde die Perspektiven der TecDAX-Unternehmen im Ausland behindern. Und natürlich könnten auch die Ende des Monats nach und nach eintrudelnden Quartalsergebnisse für Druck sorgen, wenn sie hinter den Erwartungen zurückbleiben sollten.

Chart vom 09.04.2018, Kurs 2.528,91 Punkte, Kürzel TDX

Und wo wären das rettende Ufer für die Bullen und ein Long-Trade mit einem guten Chance/Risiko-Verhältnis ausgestattet? Das ist in einem Seitwärtstrend nicht ganz so einfach. Ein Schlusskurs über der bei aktuell 2.688 Punkten verlaufenden 20-Tage-Linie wäre zwar ein gutes Zeichen. Aber um für einen Long-Trade wirklich charttechnischen Rückenwind zu haben, müsste der TecDAX aus dieser bis 2.733 Punkte hinauf reichenden Handelsspane nach oben ausbrechen. Für die Bären wäre die Beute derzeit also leichter zu greifen – und es ist fraglich, ob sie sich diese Chance wirklich entgehen lassen werden.

Chart vom 09.04.2018, Kurs 2.528,91 Punkte, Kürzel TDX

Handeln über LYNX: Ein Depot, viele Vorteile
  • stabile und zuverlässige Handelsplattform
  • kompetenter Service durch Experten
  • niedrige und transparente Gebühren
  • umfangreiches Wissensportal
Mehrfach ausgezeichnet
Contact icon KOSTENFREI ANRUFEN
0800 5969 000
Contact icon SCHREIBEN SIE UNS
SERVICE@LYNXBROKER.DE
Contact icon FREUNDSCHAFTSWERBUNG
KUNDEN EMPFEHLEN LYNX
Contact icon HÄUFIG GESTELLTE
FRAGEN