Börsenblick

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Aktuelle Analyse:
Gerry Weber hört sich wie ein Krimi an. Bafin, Rücktritt, sturmreif schießen

Gerry Weber AG ist im Wesentlichen im Bereich Damenoberbekleidung tätig. Neben den Kernmarken Gerry Weber, Gerry Weber Edition und G.W. vertreibt das Unternehmen die Marken Hallhuber, Samoon, Taifun und talkabout. Erweitert wird das Produktportfolio durch Lizenzprodukte wie Taschen, Schmuck, Schuhe und Brillen, die den Lifestyle-Gedanken der Kernmarke unterstreichen. Im Laufe der letzten Jahre hat sich das Unternehmen zu einem vertikalen Systemanbieter entwickelt, der die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung bis zu eigenen Stores abdeckt.

Probleme wohin man schaut

Bereits in der letzten Analyse zu Gerry Weber, damals notierte die Aktie noch bei knapp 6 Euro, hatten wir auf die zahlreichen Probleme hingewiesen. Das Modehaus kämpft mit denselben Problemen wie die gesamte Branche. Trends ändern sich ständig, hinzu kommt die zunehmende Konkurrenz aus dem Internet und die rückläufigen Zahlen im stationären Handel.

Der Umsatz stagniert bereits seit 2013 und war ab 2016 dann spürbar rückläufig. Der Gewinn hat sich im selben Zeitraum in Luft aufgelöst und ist von ehemals mehr als 1,70 Euro je Aktie auf unter null gesunken.
Beim Cashflow sieht es nicht besser aus, denn in den letzten drei Jahren lag der freie Cashflow bei insgesamt -41 Mio. Euro – ein Drittel des aktuellen Börsenwerts.

Auch den Ausblick hatten wir damals angezweifelt, denn das Geschäftsjahr von Gerry Weber endet im Oktober. Es erschien daher doch sehr unwahrscheinlich, dass man in der zweiten Jahreshälfte, ohne Weihnachtsgeschäft, ähnlich Resultate erzielen kann.

Unser Gespür hat uns nicht im Stich gelassen, denn im dritten Quartal sank der Umsatz weiter. Das EBIT lag in den neun Monaten insgesamt bei -9,8 Mio. Euro.

Es gab also ausreichend Gründe, Gerry Weber zum Verkauf zu empfehlen. Anschließend brach die Aktie von knapp 6,00 auf 2,55 Euro ein.

Ein Krimi

Inzwischen ist die Geschichte noch deutlich kurioser geworden.

Im August hat Finanzvorstand Stüber das Unternehmen verlassen. Im September gab man bekannt, dass man den „Umbau des Geschäftsmodells vorantreibe, während Umsatz und Ergebnis weiter nachgeben“.
So weit so schlecht.

Als dann Ende September bekannt wurde, dass Gerry Weber ein Sanierungsgutachten eingeholt hat, ging die Aktie in den freien Fall über und brach am nächsten Handelstag um knapp 25% ein.

An dieser Stelle schaltete sich die Bafin ein, denn es könnte Unregelmäßigkeiten gegeben haben. In der Xetra-Schlussauktion vom 21.September wurden mehr als 600.000 Aktien von Gerry Weber gehandelt – knapp 95% des Tagesumsatzes.

Das ist sehr auffällig, auch zeitlich. Denn die Meldung zum Sanierungsgutachten wurde erst knapp eine Stunde später vom Branchendienst „debtwire“ veröffentlicht.

Einem Insider zufolge sollte die Firma durch den Leak „sturmreif“ geschossen werden.

Gerry Weber selbst veröffentlichte die Informationen erst vier Stunden später, nachdem man versucht hatte, sich von der Ad-hoc-Pflicht befreien zu lassen. Man wollte diese Tatsachen also vor den Aktionären verheimlichen.

Unabhängig davon, ob diese Vorgänge eine strafrechtliche Konsequenz haben werden, das Vertrauen der Anleger hat man vorerst wohl verspielt.

Stühlerücken

Der Firmengründer Gerhard Weber scheidet aus dem Unternehmen aus. Sein Sohn Ralf gibt den Posten als Vorstandsvorsitzender auf und wechselt in den Aufsichtsrat. Die beiden halten gemeinsam mehr als ein Drittel aller Aktien.

Darüber hinaus hat man sich mit Florian Frank einen Sanierungsexperten in den Vorstand geholt, ein Vorstand der zukünftig ohne Familienmitglied auskommen muss.

Am Ende bleibt die Frage, ob der Turnaround gelingen kann oder nicht.

Welche Szenarien sind denkbar?

Die Chancen stehen nüchtern betrachtet nicht allzu gut. Die Rahmenbedingungen der Branche und die damit verbundenen Probleme dürften sich kaum ändern. Kühlt die Konjunktur ab, wovon zahlreiche Experten ausgehen, könnte das Fahrwasser noch unruhiger werden.

Zuletzt waren auch die liquiden Mittel stark rückläufig. Ende des abgelaufenen Geschäftsquartals verfügte man nur noch über etwas mehr als 20 Mio. Euro, dem standen kurzfristige Finanzschulden von fast 54 Mio. Euro gegenüber. Die langfristigen Schulden belaufen sich auf 212,3 Mio. Euro – mehr als das doppelte des Börsenwerts am Jahrestief.
Das Unternehmen muss also Sparmaßnahmen einleiten und benötigt dringend Kapital.

So unerfreulich, wie das auch ist, dürften wohl Entlassungen und die Schließung besonders unprofitablen Niederlassungen folgen.

Der Beschluss von Maßnahmen sollte zeitnah erfolgen und könnte der Aktie weiteren Auftrieb geben.
Das hilft den Börsenkursen aber nur kurzfristig. Langfristig muss man aber wieder profitabel werden und das, bevor man von den Schulden erdrückt wird.

Charttechnik und Trading-Setups

Das Stühlerücken im Vorstand und die Bestellung eines Sanierungsexperten haben zu einem Kurssprung geführt. Ohne weitere Maßnahmen könnte sich der Kurssprung allerdings als Strohfeuer herausstellen, jetzt müssen Taten folgen.

Gelingt ein Ausbruch über 3,50 Euro, kommt es zu einem Kaufsignal mit einem Kursziel bei 4,00 Euro. Darüber hellt sich das Chartbild weiter auf und es wäre zumindest eine Rückkehr an den mittleren Abwärtstrend möglich. Ist man bereits länger investiert, würde sich hier ein endgültiger Ausstieg anbieten.

Scheitert Gerry Weber hingegen am Widerstand bei 3,50 Euro, droht jederzeit ein erneuter Rückfall in Richtung 3,00 Euro. Darunter kommt es zu prozyklischen Verkaufssignalen.

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