Börsenblick

Zurück Dezember Weiter
Zurück 2018 Weiter

Aktuelle Analyse:
Dollar Tree rauscht in die Tiefe. Wo kann man einsteigen?

Dollar Tree ist einer der führenden Betreiber von Billig-Gemischtwarenläden in den USA. Die Produkte werden zu einem festen Preis von $1.00 angeboten. Das Unternehmen betreibt über 15.000 Niederlassungen in den USA und Kanada angeboten.

Das Unternehmen profitiert von einer wachsenden Schicht niedriger Einkommen in den USA.
Durch die oberflächlich niedrigen Preise neigen Kunden dazu, eine Vielzahl von Produkten zu kaufen. Dabei ist das Sortiment durch eine Mischung von Lockangeboten und teilweise erstaunlich hohen Margen geprägt.

Die Sanduhr

Bei Unternehmen wie Dollar Tree muss ich unweigerlich an ein interessantes Indexkonzept der Citigroup, mit dem Namen „Consumer Hourglass Theory“ denken.

Hourglass ist das englische Wort für Sanduhr und steht sinnbildlich für die Gesellschaft, die wie eine Sanduhr in der Mitte dünner wird. Es geht also um die Erosion der Mittelschicht und das Globale auseinanderdriften von Arm und Reich.

Die Idee ist schon einige Jahre alt, setzt jedoch Alltagsbeobachtungen konsequent in Anlageentscheidungen um. Folgt man dieser Theorie, sollte man vor allem Luxusgüter und Billiganbieter investieren und die „Mitte“ meiden.
Betrachtet man einige Beispiele scheint das Konzept voll aufgegangen zu sein und das würde wiederum die subjektive Wahrnehmung der meisten Menschen unterstreichen.

Während die Aktien des weltweit größten Luxuskonzerns LVMH und Billiganbieter wie Dollar Tree oder Dollar General in den letzten zehn Jahren um 300-400% zulegen konnten, kommen Wal-Mart und Target beide nur auf ein Plus von 100%. Es gäbe zahlreiche andere Beispiele.

Das sollte man als Anleger durchaus im Hinterkopf behalten.

Läuft der Laden überhaupt?

Ausgehend von dieser Theorie, wären wir bei Dollar Tree also grundsätzlich an der richtigen Adresse. Aber es gibt natürlich noch viele andere Gründe, die für das Unternehmen sprechen.
Für viele Menschen, egal aus welcher Einkommensschicht, üben die Ramschläden eine ungeheure Anziehungskraft aus. Eigentlich möchte man „nur mal schauen“, am Ende kommt der Kunde aber mit einer ganzen Tasche voll Firlefanz aus dem Laden. Für 99 Cent scheint sich alles verkaufen zu lassen.

Dieser Umstand schlägt sich in den Zahlen nieder. In den letzten zehn Jahren ist der Umsatz von 4,6 auf 22,2 Mrd. USD gestiegen.

Die Einnahmen von Dollar Tree dürften bei der Übernahme 2016 bei rund 7 Mrd. USD gelegen haben. Doch auch ohne den Zukauf ist das organische Wachstum erheblich.

Gleichzeitig wurden stetig Aktien zurückgekauft und die Profitabilität verbessert. Dementsprechend ist das Ergebnis stark überproportional von 0,84 auf 4,86 USD je Aktie gestiegen.

Ist der Kurssturz gerechtfertigt?

Die langfristige Entwicklung ist also durchaus beeindruckend und es gibt handfeste Gründe, warum die Aktie in der Vergangenheit ein klarer Outperformer war.

In diesem Jahr steht die Aktie aber scheinbar auf der Abschussliste und ist gestern, nach den Quartalszahlen, um mehr als 15% eingebrochen.

Diese lagen aber im Rahmen der Erwartungen. Der Umsatz ist um 4,6% auf 5,53 Mrd. USD gestiegen, der Gewinn um 17,3% auf 1,15 USD je Aktie.

Der Ausblick wurde ebenfalls nicht gesenkt. Durch die Anpassung der Gewinnerwartungen von 4,80 – 5,10 auf 4,85 – 5,05 hat sich der Mittelwert schließlich nicht verändert.

Darüber hinaus wird das Ergebnis durch Zölle um 0,04 USD je Aktie belastet, ohne diese Zusatzkosten, hätte man die Prognose wohl sogar anheben können.

Daran kann es also kaum gelegen haben.

Wo liegen die Kritikpunkte?

Das eigentliche Problem scheint die Entwicklung bei der übernommenen Tochter Family Dollar zu sein. Hier waren die Same Store Sales im zweiten Quartal unverändert, während Dollar Tree selbst um 3,7% zulegen konnte.

Ebenso wie der größte Konkurrent Dollar General, der ebenfalls auf ein Plus von 3,7% kam und Zahlen vorgelegt hat, die vom Markt weitaus besser aufgenommen wurde.

Es scheint also die Sorge zu geben, dass der Konzern Dollar Tree gegenüber DG an Boden verlieren könnte und dass sich die Übernahme von Family Dollar als Fehler herausstellen könnte.

Fazit: Die Sorgen sind nicht unbegründet, aber sicherlich nicht an einem Quartal ablesbar. Die Same Store Sales von Family Dollar waren sogar besser als in Q1, es ist also durchaus ein positiver Trend zu erkennen.
Dass sich die Übernahme nicht auszahlen wird, erscheint ebenfalls unwahrscheinlich, denn der freie Cashflow ist seit dem Zukauf geradezu sprunghaft angestiegen. Darüber hinaus hat es sich als erfolgreiche Strategie herausgestellt, schlechtlaufende Family Dollar Stores schlichtweg in Dollar Tree Niederlassungen umzuwandeln.

Was der Markt nicht versteht

Auch unter der Oberfläche macht man Fortschritte. Seit der Übernahme wurden die mehr als 3,5 Mrd. USD an Schulden vorzeitig zurückgezahlt. Dadurch hat sich die Bilanz deutlich verbessert und das Kreditrating wurde wieder auf Investment-Grade erhöht.

Diesen Umstand hat  Dollar Tree im ersten Quartal genutzt und  eine weitere vorzeitige Rückzahlung besonders teurer Kredite vorgenommen. Durch die Refinanzierung der Schulden sind allerdings Einmalkosten in Höhe von 0,52 USD je Aktie angefallen. Langfristig spart man aber natürlich Millionen ein.

Aus Sicht der Aktionäre sollte dieser Schritt also zu begrüßen sein, wurde aber mit einem Kurssturz quittiert. Ein typisches Beispiel für die Kurzsichtigkeit des Marktes.

Der vernünftige Investor sollte sich lieber an Charlie Munger halten:

Almost all good businesses engage in ‚pain today, gain tomorrow‘ activities.”

Fundamentale Bewertung

Dollar Tree kommt derzeit auf eine P/E von 16,4 und eine forward P/E von 14,4 im laufenden Geschäftsjahr. Bereinigt um Sondereffekte, wie die vorzeitige Rückzahlung von Krediten, die nun wirklich eine sinnvolle Investition und Ausgabe darstellen.

In den letzten beiden Dekaden wurden markante Tiefs durchweg bei einer P/E zwischen 12 und 16 markiert. Wir befinden uns also in der Kaufzone.

Das zugrunde liegende Wachstum sollte auf absehbare Zeit andauern. Die langfristige Strategie ist klar und sieht den einen Anstieg der Niederlassungen in Nordamerika von derzeit rund 15.000 auf 26.000 vor. Alleine in diesem Jahr sollen 650 neue Standorte entstehen.

Darüber hinaus sollten die sinkenden Schulden und verbesserten Finanzierungsbedingen für einen steigenden freien Cashflow sorgen.
Aus fundamentaler Sicht kann daher ein positives Votum abgegeben werden.

Charttechnischer Ausblick

Der langfristige Aufwärtstrend ist weiterhin intakt, kurzfristig könnte der Druck aber noch nicht zu Ende sein.

Sollte man sich zu einem Investment entschließen, könnte ein schrittweiser Einstieg durchaus Sinn ergeben. Die primäre Kaufzone läge in diesem Fall zwischen 75 und 80 USD.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Wert in diesem Bereich einen Boden ausbilden wird.

Fällt die Aktie hingegen nachhaltig unter 75 USD, könnte sich das Chartbild weiter eintrüben. Ohne weitere Verschlechterung der Unternehmenszahlen, wäre ein Rückfall in Richtung 60 – 65 USD als Übertreibung einzustufen. Hier läge die Bewertung auf dem Niveau der Finanzkrise.

20180831-dollar-tree-rauscht-in-die-tiefe-wo-kann-man-einsteigen-tageschart20180831-dollar-tree-rauscht-in-die-tiefe-wo-kann-man-einsteigen-langfristig

Handeln Sie über den Online Broker LYNX:
Ein Depot, viele Vorteile
  • stabile und zuverlässige Handelsplattform
  • kompetenter Service durch Experten
  • günstige und transparente Gebühren
  • umfangreiches Wissensportal
Mehrfach ausgezeichnet
Handelsblatt Auszeichnung: Bester Online-Broker
Broker-Wahl: Top Futures-Broker
Contact icon KOSTENFREI ANRUFEN
0800 5969 000
Contact icon SCHREIBEN SIE UNS
SERVICE@LYNXBROKER.DE
Contact icon FREUNDSCHAFTSWERBUNG
KUNDEN EMPFEHLEN LYNX
Contact icon HÄUFIG GESTELLTE
FRAGEN