15 Fragen an Profitrader Maximilian Ritter

"Gerade das, was mental schwer fällt, verspricht Gewinn"

Ausgewählte Trader beantworten unseren standardisierten Fragebogen. Die Vergleichbarkeit der Fragen und die Unterschiedlichkeit oder eben die Ähnlichkeit der Antworten zeichnen dieses Interviewkonzept aus. Heute antwortet uns der Berufstrader und Chefredakteur des GeVestor Börsendienstes  „Ritters Vermögens-Plan“ Maximilian Ritter.

20160613-maximilian-ritter-15-fragen-interview-lynxGuten Tag Herr Ritter, die Lynxbroker-Redaktion freut sich sehr, dass Sie sich Zeit für ein Interview mit uns nehmen. Vielleicht können Sie sich uns zu Beginn ein wenig vorstellen und uns erzählen wann und wie Sie auf die Börse gekommen sind?

Zum ersten Mal kam ich schon im Alter von 16 Jahren mit der Börse in Berührung. Zu Besuch bei meinem Onkel blätterte ich mehr oder weniger aus Langeweile in den dort herumliegenden Börsenzeitschriften. Außerdem wurden damals noch die Aktienkurse der DAX-Unternehmen täglich in den Radionachrichten vorgelesen. Irgendwie hat mich das fasziniert und mein Interesse war geweckt. Ich habe deshalb noch als Schüler im Jahr 1999 begonnen mit Aktien zu handeln. Anfangs war das noch harakiri so dass ich innerhalb von weniger als zwei Jahren sogar mehr als mein mühsam erspartes und erarbeitetes Startkapital verloren hatte.

2003 ging ich dann besser vorbereitet wieder an den Start, genau zum richtigen Zeitpunkt wie sich später herausstellte. Damals gab es profitable Firmen, die mehr Geld auf dem Konto hatten als der Wert ihrer kompletten Marktkapitalisierung. Mit solchen Aktien habe ich meine damaligen Verluste aufgeholt und erstmals Gewinne erzielt.

Seitdem bin ich der Börse treu geblieben, habe ein Börsen-Praktikum absolviert und auch meine Diplomarbeit zum Thema „Börsenpsychologie“ geschrieben. Seit dem Ende meines Studiums vor knapp 10 Jahren lebe ich nun auch von meinen Börsengewinnen.

Jeder erfolgreiche Trader oder Anleger hat zu Beginn seiner Laufbahn als „Lehrgeld“ mindestens ein, wenn nicht gar mehrere Konten „platt“ gemacht, so hört man immer wieder. Können Sie auch auf schmerzhafte Niederlage zurückblicken und was haben Sie daraus gelernt?

Ich gehöre zu denjenigen, denen das Kunststück einen Account platt zu machen nicht nur einmal gelungen ist. Neben meinen horrenden Anfangsverlusten gab es eine ähnliche Erfahrung, als ich mein Glück mit Futures und Währungen, also hochgehebelten Papieren, versucht habe. Ich erinnere mich an die Gefühlsachterbahn als ein kurzzeitiger 4-Cent Kursverlust im englischen Pfund zum USD genau gegen mich lief und ich nach viermaligem Verdoppeln der Anfangsposition ein 46.000 Euro Konto mit einer 1,6 Mio. USD schweren Position innerhalb von weniger als einer Stunde rechnerisch sogar ins Minus bewegt habe.

Ich war wie gelähmt und konnte in dem Moment gar nicht fassen was das alles sollte, die hohen roten Minuszahlen, die bunt blinkenden „Margin-Warnungen“ und Nerv tötenden Sirenengeräusche. Ein herzliches Dankeschön an Lynxbroker dafür, dass meine Position damals in der Kürze der Zeit – aus welchen Gründen auch immer – nicht automatisch liquidiert wurde. Dann ging es in Sekundenschnelle wieder nach oben und ich beendete den Tag mit einem Kontostand von 36.000 Euro. Puh, dieses eindrückliche Erlebnis hat mir natürlich gezeigt, dass es fatal ist Verlustpositionen zu vergrößern, noch dazu bei Hebelprodukten.

Gab es außer Verlusten noch andere Schwierigkeiten (z.B. psychologisch, zu wenig Startkapital…) die Sie schließlich meistern konnten?

Ja natürlich. Blockaden im Kopf haben beispielsweise dazu geführt, dass ich mehrere Jahre nicht über einen bestimmten Depotstand hinaus kam. Gewinne die über dieser „magischen Grenze“ lagen habe ich regelmässig leichtfertig verspielt. Es war ein hartes Stück Arbeit dies zu ändern, was vor allem mit Disziplin zu tun hatte. Außerdem musste ich lernen, dass (kleine) Verluste einfach dazu gehören und dass man bei einem einzelnen Trade keinen Gewinn erzwingen kann. Das heißt man muss aus einem Minustrade aussteigen, so lange der Verlust noch klein und überschaubar ist.

Was glauben Sie, warum sind Sie als Trader erfolgreich in diesem Geschäft geworden und haben letztendlich den Durchbruch geschafft, während viele andere letztlich scheitern?

Ich würde sagen Beharrlichkeit und der unbedingte Wille die „wilde, unberechenbare Börse“ zu bezwingen waren die Antriebskräfte dafür, dass ich am Ball geblieben bin und nicht irgendwann das Handtuch geworfen habe, obwohl ich mehrmals kurz davor stand. Das Wichtigste ist es sein Kapital zu schützen. Wenn einem das halbwegs gelingt, dann kann man dabeibleiben und irgendwann kommen dann auch die Gewinne fast von allein.

Haben Ihnen Vorbilder oder Mentoren geholfen ihren Weg zu finden?

Ja, natürlich, allen voran William O`Neil, dem ich einmal sogar in einer im Internet übertragenen Radiosendung eine Frage stellen durfte. Dessen CANSLIM-Methode habe ich adaptiert und meine eigene Strategie für mich daraus gebastelt.

Außerdem waren die Bücher von Jesse Livermore und Nicolas Darvas sehr hilfreich. Durch die Beiden ging mir auf, dass es keine gute Strategie ist schwache, billige Werte zu kaufen. Sondern dass es viel mehr Sinn macht, die besten, teuersten und stärksten Aktien zu kaufen, auch wenn das psychologisch nicht einfach ist. Aber gerade das was mental schwer fällt verspricht oft Gewinn, während gegenteiliges Handeln oft zu Verlusten führt. Man muss sich vor Augen führen, dass viele Anleger und Trader in ähnlichen Situationen auch ähnliche Gefühle haben wie man selbst.

Im Freundeskreis gibt es ebenfalls einige Trader, da konnte man sich in schwierigen Situationen gegenseitig aufbauen und beratschlagen.

Mit welchem bekannten Trader oder Investmentlegende würden Sie denn gerne einmal einen Kaffee trinken?

Natürlich mit Wiliam O`Neil, der mittlerweile aber auch schon 82 Jahre alt ist. Es war mit seiner Idee Aktien nach fundamentalen Aspekten vor zu sortieren und dann nach charttechnischen Gesichtspunkten zu handeln extrem erfolgreich.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus, halten Sie sich strikt an einen speziellen Tradingplan oder führen ein Trading-Tagebuch?

Da ich nur in den USA handle, wo mir viel mehr Aktien zur Auswahl stehen als in Deutschland, kann ich vormittags in aller Ruhe mein akribisches Research machen und Charts ansehen. Wenn sich die Kurse dann am Nachmittag und Abend entsprechend bewegen, gebe ich meine Orders ein. Selbstverständlich dokumentiere ich alle meine Trades genau und führe ein Trading-Tagebuch. Nur so kann ich mich auf Dauer verbessern. Am Wochenende werte ich dann die Trades der vergangenen Woche aus und sehe mir in Ruhe die meist ca. 100 Charts meiner Watchlist-Werte durch. Ich schätze mal dass ich pro Woche 60 bis 70 Stunden mit Börsenthemen verbringe

 

Das soziale Umfeld von Arbeitskollegen oder Kunden fehlt bei den meisten Berufs-Tradern. Viele sind deshalb auch in sozialen Netzwerken unterwegs um sich mit Trader-Kollegen auszutauschen. Sehen Sie sich als beruflichen „Lonely Wolf“ bzw. wie gehen Sie mit diesem Thema um?

Ja, ich bin eigentlich schon eher ein „Lonely Wolf“ und kein Herdentier. Ich habe meinen eigenen Rhythmus, mal arbeite ich bis tief in die Nacht, mal schon in aller Früh. An einen Büroalltag könnte ich mich sowieso nicht gewöhnen. Per Skype bin ich täglich sporadisch mit einigen Kollegen in Kontakt, aber nicht durchgehen, denn sonst lenkt mich das zu sehr ab. Auch in Börsenforen bin ich schon lange nicht mehr aktiv, so etwas ist wohl mehr ein Zeitvertreib als produktive Arbeitszeit.

Was bedeutet Ihnen Trading bzw. eigenständiges Anlegen und was ist für Sie das schönste daran?

Zum einen war mir schon immer wichtig mein eigener Chef zu sein und mir von niemandem etwas sagen lassen zu müssen. Zum anderen ist es natürlich eine spannende, intellektuelle Herausforderung anders zu denken als die Masse der Anleger und die Märkte langfristig zu schlagen. Jesse Livermore bezeichnete den Börsenhandel passenderweise als „Spiel der Spiele“.

Was würden Sie denn beruflich machen, wenn das mit dem Trading nicht geklappt hätte?

Da kommt für mich eigentlich gar nichts anderes in Frage. Es gibt und gab nie einen Plan B, Börse ist einfach mein Leben.

Ist Ihnen mal ein außergewöhnlicher Trade gelungen an den Sie gerne zurückdenken?

Lassen Sie mich mal überlegen. Nein da gibt es bis auf einige anfänglichen Riesen-Verlusttrades eigentlich keinen einzelnen Trade der herausragt. Vielmehr geht es ja auch darum kontinuierlich Trades durchzuführen um am Ende eine ansehnliche, positive Performance zu erzielen.

Jeder Trader oder Anleger braucht einen individuell passenden Handels-Stil basierend auf Techniken, Märkten und Zeitrahmen. Wie sieht Ihr Stil aus, nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie Ihre Trades aus?

In Anlehnung an die CANSLIM-Strategie suche ich gezielt nach börsennotierten Firmen, die ein möglichst hohes Wachstum bei Umsatz- und Gewinn aufweisen, innovativ sind und als Branchen-Leader gelten. Aus den ca. 6.000 börsennotierten Unternehmen in den USA kann ich durch ein Softwareprogramm und spezielle Datenbanken die ca. 50 bis 80 Aktien herausfiltern, die diese Kriterien am besten erfüllen. Wenn dann der Aktienmarkt in der passenden Verfassung ist, kaufe ich die Werte mit der höchsten Relativen Stärke, sobald sich ein technisches Kaufsignal gibt z.B. einen volumenstarken Ausbruch aus einer einfachen Konsolidierungsformation. Diese Methode habe ich gemäß den Anfangsbuchstaben der wichtigsten Kriterien WIBART-Strategie genannt.

Welche Wünsche und Ziele haben Sie als Trader/Anleger und im privaten Bereich?

Mit meinem AktienSparplan-Börsenbrief möchte ich möglichst vielen Anlegern zeigen, dass sie auch mit kleinem Kapital und regelmäßigen Sparraten eine tolle Performance erzielen können. Das gelingt mir derzeit recht ordentlich. Privat möchte ich viel reisen und neue Länder und Kulturen kennenlernen.

Welche Hobbies begeistern Sie, d.h. wie verbringen Sie tradingfreie Tage am liebsten?

Am liebsten mache ich Sport. Da ich als Perfektionist natürlich Golf spiele möchte ich natürlich mein Handicap kontinuierlich verbessern. Leider komme ich arbeitsbedingt viel zu selten dazu.

Welche Tipps geben Sie unerfahreneren Kollegen oder Lesern mit auf den Weg?

Unterm Strich ist Trading trotz aller Vorbereitungen und Research ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten. Die Aufgabe eines Traders ist es, dafür Sorge zu tragen die Emotionen auszuklammern und zu akzeptieren, dass das Ergebnis eines einzelnen Trades (Gewinn oder Verlust) selbst bei bester Vorbereitung völlig zufällig ist. Langfristiger Trading-Erfolg zeigt sich erst nach einer größeren, repräsentativen Anzahl von vergleichbaren Transaktionen.

Ein ausgearbeiteter Trading-Plan und das disziplinierte Führen eines Trading-Tagebuchs helfen dabei, das Trading kontinuierlich zu verbessern und einen Trade nach dem anderen planmäßig umzusetzen. Vor allem außerplanmäßige Eingriffe, wie das Herausnehmen von Stopp-Limits, Nachkaufen im Verlust oder auch das zu frühe Verkaufen im Gewinn führen dazu, dass es neun von zehn 10 Tradern in erster Linie an Konsistenz mangelt. Man muss es sich zugestehen, auch einmal Fehler machen zu dürfen. Denn der größte Fehler ist es keine Fehler zu machen. Man muss natürlich daraus lernen. Um ein Gewinner zu werden muss man aber nur einmal mehr aufstehen als hinzufallen

Herr Ritter, herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

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